7 Mythen über Achtsamkeit

17. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Mythen über Achtsamkeit - Frau meditiert

Achtsamkeit ist ein Mittel, uns unserer Bewegung, Gefühle und Reaktionen bewusst zu werden. All diese Aspekte sind in unserem Leben von großer Wichtigkeit und gestalten letztendlich unseren Alltag. Deswegen ist Achtsamkeit so gut für uns: Sie hilft uns dabei, den Autopilot auszuschalten, der einen großen Teil unseres Alltags steuert.

Nichtsdestotrotz ist Achtsamkeit in vielerlei Hinsicht zu einem „Trend“ geworden, zu einer Lösung aller möglicher Probleme, die auftreten können. Allerdings hat Achtsamkeit eine ganz andere Herkunft, von der viele nichts wissen – was sie daran hindert, ihr Potenzial für sich zu nutzen.

Es gibt vielerlei vorgefasste Meinungen, die die Menschen daran hindern, von Achtsamkeit profitieren zu können. In diesem Beitrag werden wir acht Mythen über Achtsamkeit darlegen, lies also weiter und entdecke die Wahrheit!

Es ginge nur darum, den Geist zu fokussieren

Wenn wir von „Achtsamkeit“ sprechen, beziehen wir uns in der Regel auf Techniken wie Meditation und Atemübungen. Man sagt, ihr Ziel sei es, unseren Gedankenfluss zu kontrollieren und unseren Geist zu fokussieren. Diese schlichte Idee hat allerdings einen nicht so simplen Ursprung. Wenn wir genauer hinsehen, stellen wir fest, dass Achtsamkeit viel mehr ist als das.

Achtsamkeit bedeutet so viel wie sich erinnern, beibehalten oder sammeln. Deswegen heißt Achtsamkeit nicht nur, unseren Geist zu bündeln, sondern lehrt uns auch, uns jeden Momentes unseres Lebens bewusst zu sein – wodurch nicht nur die Richtung, sondern auch die Qualität unserer Gedanken verändert wird.

Das erreichen wir, wenn wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Ist es denn nicht so, dass der Tennisspieler versucht, seine Rückhand zu verbessern, indem er stundenlang auf dem Tennisplatz trainiert? Wenn das der Fall ist, sollten wir dann nicht unser Bewusstsein effizienter machen, indem wir es trainieren?

Frau meditiert an einem See

Achtsamkeit wäre eine Alternative zur Psychotherapie

Weder bei der Meditation noch bei der Achtsamkeit handelt es sich um Psychotherapien. Sie sollten auf keinen Fall psychologische Behandlungen und Medikamente ersetzen. Falls bei dir eine psychische Störung diagnostiziert wurde, solltest du immer einen Arzt konsultieren und seine professionelle Meinung einholen, bevor du alternative Heilverfahren ausprobierst.

Entspannung und Konzentrationsübungen können Behandlungen und Medikamente ergänzen, aber kein Ersatz für sie sein. Deswegen ist es falsch, zu denken, dass sie einen „therapeutischen Effekt“ hätten. Eine bessere Bezeichnung wäre „regulierende Techniken“, da sie andere Behandlungen nicht einschränken, sondern komplementieren.

Du müsstest deinen Kopf frei machen, wenn du meditieren willst

Ein weiterer großer Mythos über Achtsamkeit ist die Idee, dass man seinen Kopf frei machen müsste, bevor man sie praktiziert. Nicht ist weiter von der Wahrheit entfernt als das. Tatsächlich ist das Befreien des Geistes etwas, das wir nicht tun sollten. Stattdessen sollten wir unsere Gedanken dorthin lenken, wo wir sie haben wollen. In anderen Worten, wir sollten sie beherrschen. Es geht darum, unseren Geist zu steuern und nicht zuzulassen, dass externe Reize das für uns übernehmen.

Unser Gehirn ist dazu bestimmt, zu denken. Aus diesem Grund werden negative Gedanken intensiver, je stärker wir versuchen, sie abzuwehren. Das Wort Blockade widerspricht gänzlich der Philosophie der Achtsamkeit. Vielmehr versuchen wir hier, loszulassen und freien Fluss zu ermöglichen, sodass die Gedanken sich „austoben“ und dann wieder „beruhigen“ können.

„Sobald die Unruhen und Ablenkungen verfliegen und unser Geist sich beruhigt, entsteht in uns ein tiefes Gefühl von Glück und Zufriedenheit, das uns hilft, die Hektik des Alltags zu bewältigen.“

Geshe Kelsang Gyatso Rimpoche

Du wärst für Freude und positives Denken verantwortlich

Dies ist ein weiterer großer Mythos über Achtsamkeit. Ihr Ziel ist es, dir zu helfen, in der Gegenwart zu leben. Jedoch ist Achtsamkeit nicht gleichzusetzen mit Freude oder positivem Denken. Wenn du diese Übungen machst, bedeutet es nicht, dass du immer ein Lächeln auf dem Gesicht haben wirst oder dass du alles durch eine rosarote Brille sehen wirst. Nimm alles an, was kommt, sei es gut oder schlecht.

Wir wissen, dass Achtsamkeit dir helfen wird, diese Momente intensiver zu erleben. Sowohl die guten als auch die schlechten. Sie wird dir dabei helfen, die Dinge, die geschehen, auf eine bewusstere Weise zu erleben. Du wirst deine Gefühle besser kanalisieren und handhaben können. Durch Achtsamkeit wirst du weniger urteilen und mehr Objektivität in deinem Alltag erlangen.

Meditation

Sie nähme zu viel Zeit in Anspruch

Gegen einen anderen der großen Mythen über Achtsamkeit kann man einfacher argumentieren: gegen den Mangel an Zeit. Zeit ist immer da, aber es gibt auch immer viele Ausreden. Oftmals dauert es länger, darüber nachzudenken, warum man etwas nicht tun kann, als es einfach zu machen.

Du brauchst lediglich 10 bis 15 Minuten am Tag und den Wunsch, dich zu konzentrieren. Du gehst vielleicht spazieren, kochst oder liest … aber du kannst dich dabei trotzdem auf das konzentrieren, was gerade um dich herum passiert. Wenn du das wiederholt tust, wirst du mit der Zeit erkennen, dass du meditieren kannst, ohne dafür extra Zeit haben zu müssen.

Sie wäre ein Weg, der Realität zu entfliehen

Viele glauben, dass diese Meditationstechnik darauf abziele, den Menschen von seinem Leben zu isolieren und dabei zu helfen, dem alltäglichen Stress zu entkommen. Das entspricht jedoch ganz und gar nicht der Wahrheit. Du bemühst dich nämlich darum, zu reflektieren und den Ursprung des Stresses zu finden.

Indem du deinen Problemen deine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkst, wird es dir möglich sein, dir ihrer bewusst zu werden. Du solltest nicht versuchen, dich abzukapseln und der Realität zu entfliehen. Du solltest eher das Gegenteil tun: Versuche, Licht auf dein Problem zu werfen, indem du all deine Aufmerksamkeit auf es lenkst.

Frau meditiert in der Natur

Langweilig?

Von all den Mythen über Achtsamkeit ist dieser der häufigste: Achtsamkeit wäre langweilig. Das ist jedoch nicht der Fall. Es gibt so viele verschiedene Wege, Achtsamkeit zu praktizieren! Denkst du wirklich, dass Selbsterkenntnis als langweilig bezeichnet werden sollte?

Vielleicht sollten wir eher von Angst sprechen als von Langeweile. Die Furcht vor dem, was wir entdecken könnten, wenn wir in uns selbst hineinblicken. Das Unbekannte macht uns große Angst. Vor allem, wenn es sich um etwas handelt, dass uns irgendwann in unserem Leben Schmerzen zugefügt hat. Es ist an der Zeit, dich endlich von all den Mythen über Achtsamkeit zu befreien. Jetzt ist dein Moment!

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