Den Geist manipulieren – 5 Experimente zeigen, dass es geht

9. März 2018 en Psychologie 101 Geteilt
Den Geist manipulieren - Puppenspieler im Kopf

Der menschliche Geist hört nie damit auf, uns zu verblüffen. Wissenschaftlicher haben Jahre damit verbracht, ihn zu untersuchen, aber noch immer sind sie weit davon entfernt, seine tiefsten Geheimnisse zu ergründen. Je tiefer sie vordringen, desto mehr Rätsel tauchen vor ihnen auf. Nehmen wir nur die Idee, dass dein Geist dir erlaube, zu erkennen, was real sei. Oder die Illusion, dass du umso näher an der Wahrheit seist, je rationaler du denkest. Verschiedene Experimente haben gezeigt, dass diese Annahmen nicht wahr sind.

„Unsere Sinne sind die Brücke zwischen dem Begreifbaren und dem Unbegreifbaren.“

August Macke

Es gibt jede Menge Wege, den Geist zu täuschen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es möglich ist, Menschen an Dinge glauben zu lassen, die nicht real sind, und ihre Wahrnehmung der realen Umwelt zu verzerren. So ist der Geist nicht nur darauf bedacht, zu organisieren und logisch zu denken, sondern auch darauf, unsere Welt mit Fantasien zu füllen.

Im Folgenden werden wir fünf solcher Experimente erklären.

1. Die Marmor-Hand-Illusion

2014 führte eine Gruppe von Neurowissenschaftlern der Universität Bielefeld in Deutschland ein interessantes Experiment zur Wahrnehmung durch. Die Wissenschaftler brachten eine Gruppe Freiwilliger zusammen und ließen sie sich setzen und ihre Hände auf einen Tisch legen. Dann schlugen sie mit einem kleinen Hammer leicht auf die rechte Hand der Teilnehmer, während sie gleichzeitig ein Geräusch abspielten, wie ein riesiger Hammer einen Block Marmor zerschlägt.

Marmorhand

Einige Minuten später sagten alle Teilnehmer, dass ihre Hand sich steifer anfühle, schwer und hart, als ob sie aus Marmor wäre. Ihre Gehirne kombinierten die taktile und akustische Wahrnehmung, und da der akustische Reiz stärker war, überwog er den taktilen und erschuf so die Illusion, eine Marmorhand zu haben.

2. Gefangenendilemma

Das Gefangenendilemma ist eine hypothetische Situation in der Spieltheorie, nach der die beste Lösung für alle Spieler es erfordert, in einer kompetitiven Situation zu kooperieren.

Nimm an, dass es zwei Gefangene gibt, die Komplizen in einer Straftat sind. Die zwei wurden getrennt und sollen den jeweils anderen verraten. Es werden ihnen verschiedene Alternativen angeboten: Eine davon ist, freizukommen, wenn sie den anderen verraten. Wenn keiner von beiden den anderen hängen lässt, kommen sie aber beide davon.

Dies wurde als reales Experiment nachgestellt, nur dass ein Gefangener ein heißes und der andere ein kaltes Objekt in der Hand hielt. Der Versuch wurde mit vielen Gefängnisinsassen wiederholt, und das Ergebnis war immer das Gleiche: Der Gefängnisinsasse, der das heiße Objekt hielt, verhielt sich weniger selbstsüchtig. Es schien, als würde die Temperatur die Art und Weise beeinflussen, wie der Geist Informationen verarbeitet.

3. Effekte der lang anhaltenden Isolation auf den Geist

Es wurde bewiesen, dass lang anhaltende Isolation signifikante Auswirkungen auf den Geist hat. Ein aussagekräftiger Fall ist der von Sarah Shourd, die aus politischen Gründen für 10.000 Stunden gefangen genommen und isoliert wurde. Sie begann, zu halluzinieren, bis zu dem Punkt, dass sie nicht mehr sagen konnte, ob sie selbst schrie oder jemand anderes.

Sarah Shourd

Auch wurde gezeigt, dass lang anhaltende Isolation zusammen mit Dunkelheit ernsthafte Veränderungen der Wahrnehmung verursacht. Das bedeutendste Beispiel ist, dass wir den Sinn für die Zeit und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus verlieren, und dass sich der gefühlte Tag auf 48 anstelle von 24 Stunden ausdehnen kann. Dabei halten Betroffene etwa 36 Stunden Aktivität und 12 Stunden Schlaf.

4. Der McGurk-Effekt

Die Wissenschaft sagt uns, dass Sinne eine kombinierte Funktion erfüllen. Der Hörsinn ist nicht unabhängig vom Sehen, Fühlen oder Riechen. Das Gehirn vereint Sinnesreize und -wahrnehmungen und konstruiert ein Gesamtbild aus ihnen. Beispielsweise zeigen Studien, dass Menschen mehr Schmerz fühlen, wenn sie während einer Injektion auf die Kanüle schauen, als wenn sie wegschauen. Daher ist es nicht so dumm, wegzusehen, wenn du mit geimpft werden sollst. Es ist jedoch dumm, sich nicht impfen zu lassen – aber das ist ein anderes Thema.

Zu diesem Thema gab es viele Experimente und verschiedene Sinne wurden dabei getestet. In einer englischen Studie wurde Steak im Dunkeln serviert und alle Probanden fanden es lecker. Als das Licht jedoch anging und sie sahen, dass das Steak blau war, wurde vielen übel.

5. Die Illusion des unsichtbaren Körpers

Das menschliche Gehirn vermischt die Realität erstaunlich schnell mit Fantasien. Am Karolinska Institut in Schweden wurde diese Idee vor einigen Jahren getestet, indem man einer Gruppe von 125 Freiwilligen Virtual-Reality-Brillen aufsetzte. Als die Probanden diese nutzten, sahen sie sich selbst neben einer Person sitzen, die sie mit einer Bürste bearbeitete, und mit jedem Strich Bürstenstrich verschwanden sie ein wenig mehr. An einem gewissen Punkt berührt sie eine reale Person mit einer Bürste. Die Probanden befühlten daraufhin die berührte Stelle, wohl um sicherzustellen, dass sie nicht verschwunden war.

Später wurden sie vor ein Publikum platziert und ihre Reaktionen auf verschiedene Reize wurden beobachtet – vor und nachdem sie unsichtbar geworden waren. Alle zeigten ein geringeres Stresslevel, als sie sich unsichtbar fühlten.

Frau mit Virtual-Reality-Brille

Wie du sehen kannst, ist es nicht so schwer, den Geist zu täuschen. All diese Experimente zeigten, dass unsere Wahrnehmung sehr von der Realität abweichen kann. Die hier genannten Studien untersuchten körperliche Erfahrungen, gelten aber auch für abstrakte Erlebnisse. Glaube es oder nicht, du bist der Wirklichkeit wahrscheinlich nicht so nah, wie du denkst.

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