Wie Emotionen unsere Kreativität beeinflussen

· 28. Mai 2017

Die Komplexität des Lebens zu verstehen, kann eine sehr nutzbringende Reise zu psychologischem Wohlbefinden sein. Schmerz und negative Emotionen im Allgemeinen anzunehmen und sie als einen grundlegenden Bestandteil unseres Daseins zu betrachten, ist ein wichtiges Merkmal von Kreativität.

In den letzten Jahrzehnten hat die westliche Gesellschaft eine Ablehnung gegenüber Schmerz in fast allen seinen Formen entwickelt. In einer Kultur, die sich an ständigen Konsum und sofortige Bedürfnisbefriedigung gewöhnt hat, gibt es keinen Platz für solche Emotionen wie Traurigkeit, Ärger, Entmutigung und Frustration.

Diese Emotionen werden als dysfunktionale Zustände gesehen, die uns dem ewigen Kreislauf von Produktion und Konsum fernhalten. Wenn wir aufhören, unseren Schmerz zu verleugnen und ihn als etwas sehen, das uns zu dem macht, was wir sind, wird unsere Kreativität angefacht und ausgedrückt.

„Kreativität bedeutet, sich selbst zu erlauben, Fehler zu machen.“

Scott Adams

Welche Emotionen fördern Kreativität?

Viele Künstler und Wissenschaftler haben im Laufe der Geschichte angedeutet, dass sie in den unglücklichsten Momenten ihres Lebens am kreativsten waren.

Die Neurowissenschaften haben uns über die neuronalen Verbindungen Aufschluss gegeben, die mit Kreativität in Zusammenhang stehen. Eine Studie von Dr. Roger Beaty lässt annehmen, dass bei sehr kreativen Menschen stärkere Verbindungen zwischen Bereichen des Gehirns bestehen, die normalerweise nicht eng miteinander verbunden sind. In dieser Studie zeigte sich ebenfalls, dass emotionalere Menschen beziehungsweise Personen, die dazu bereit sind, tiefer in ihre Emotionen einzutauchen, offener für Inspiration sind. Dies ist ein zuverlässigerer Indikator von Kreativität als Intelligenz.

Andere Studien fanden heraus, dass Menschen dann kreativer sind, wenn sie sich in einer ungewohnten Umgebung befinden und widersprüchliche Emotionen empfinden. Dazu kommt es, weil das Gehirn Verbindungen herstellen muss, die es normalerweise niemals aufbauen würde.

Bezüglich der Emotionen wurde ebenfalls gezeigt, dass positive emotionale Zustände zu vermehrter Kreativität führen können, da mehr Ideen zustande kommen, die aber nicht unbedingt origineller sind. Negative Emotionen wie Traurigkeit, Ärger, Melancholie und Enttäuschung können uns dabei helfen, auf mehr Ideen zu kommen, wenn wir die kreative Aufgabe als interessant betrachten. Eine Person, die sich in einem negativen emotionalen Zustand befindet, kann also dem kreativen Prozess eine heilsame Wirkung abgewinnen und wieder in einen neutralen oder positiven emotionalen Zustand übergehen.

„Um ein kreatives Leben zu führen, müssen wir unsere Angst davor verlieren, etwas falsch zu machen.“

Joseph Chilton Pierce

Emotionale Bildung und Kreativität

Sir Ken Robinson ist Pädagoge, Schriftsteller und Experte zum Thema Kreativität. Er wurde von der Königin von England zum Ritter geschlagen, weil er den Kunstunterricht in den Lehrplan der Schulen einführte. Im meistgesehenen TED-Talk aller Zeiten erklärt er, dass Schulen mit einem traditionellen Bildungsansatz Kreativität und Emotionen vernichten.

Seine Forschung hat gezeigt, dass 90% aller Vorschulkinder über ein hohes Maß an kreativem Denken verfügen. Über mehrere Jahre Schule konnten jedoch nur knapp 20% aller Schüler dieses Niveau aufrechterhalten. Allerdings ist Kreativität im 21. Jahrhundert mehr und mehr gefragt.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Persönlichkeitsmerkmale einer Person einen spezifischen Einfluss auf ihre künstlerischen und kreativen Fähigkeiten haben. Viele verschiedene psychologische Vorgänge beeinflussen den Ausdruck dieser Fähigkeiten, wie beispielsweise die Tendenz, bei guter Laune zu bleiben. Diese Vorgänge hängen mit der Ausschüttung von Dopamin zusammen, welches die flexible Entwicklung unserer Aufmerksamkeit sowie die Fähigkeit, verschiedene kognitive Perspektiven einzunehmen, fördert.

Negative emotionale Zustände können ebenfalls die Kreativität fördern, aber auf eine andere Weise. Wenn wir uns traurig und verletzt fühlen, stehen unsere kreativen Impulse meist mit einer spezifischeren Aufgabe und kreativer Produktion wie Musik und Schreiben in Verbindung.

Es besteht zwar ein Zusammenhang zwischen Emotionen und Kreativität, aber es kommt stark auf die Aufgabe an, ob dieser förderlich ist oder nicht. Einige Forscher glauben, dass positive Stimmung die Wahrnehmung und die Schlussphase des kreativen Prozesses beeinflusst, während negative Stimmung sich auf die Vorbereitung, Konzeption und Ausarbeitung auswirkt.

„Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“

Pablo Picasso