Wie emotionale Abhängigkeit Beziehungen beeinflusst

Emotionale Abhängigkeit kann sich auf alle deine Beziehungen auswirken und zum Verlust der Individualität bis zu toxischen Bindungen führen. Erfahre mehr darüber.
Wie emotionale Abhängigkeit Beziehungen beeinflusst
Isabel Ortega

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Isabel Ortega.

Letzte Aktualisierung: 11. April 2024

Emotionale Abhängigkeit führt zu schädlichen Verhaltens- und Bindungsmustern, denn die betroffene Person ist auf andere angewiesen, um ihre emotionalen Bedürfnisse zu erfüllen. Diese Abhängigkeit tritt nicht nur in Paarbeziehungen auf, sondern kann sich in verschiedenen Formen manifestieren, die sämtliche zwischenmenschliche Bindungen betreffen.

Die Intensität der Abhängigkeit variiert und wurde in einer Studie in der Fachzeitschrift Ansiedad y Estrés untersucht. Einige Personen zeigen nur wenige Anzeichen, während andere ein umfassenderes Muster aufweisen. In jedem Fall führt ein solches Verhalten zur Entwicklung schädlicher Beziehungen, die sich negativ auf verschiedene Lebensbereiche auswirken können. Im Folgenden erläutern wir weitere Einzelheiten.

Wie emotionale Abhängigkeit zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst

Emotionale Abhängigkeit betrifft nicht nur die abhängige Person, sondern auch deren Partner, Freunde oder Bekannte. Sie verursacht Stress, emotionale Erschöpfung, Kommunikationschwierigkeiten sowie unausgeglichene Beziehungen. Wir sehen uns anschließend die Auswirkungen etwas genauer an.

Fehlende Autonomie

Menschen, die unter emotionaler Abhängigkeit leiden, haben ein starkes Bedürfnis nach anderen Personen, um ein Gefühl von Identität, Wertschätzung und Glück zu erlangen. Dies kann zu einem Mangel an Autonomie führen, da sie sich kontinuierlich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung sehnen. Dabei vernachlässigen sie häufig ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche, was zu Spannungen in der Beziehung führen kann.

Eine in der Zeitschrift Universitas Psychologica veröffentlichte Studie weist darauf hin, dass emotionale Abhängigkeit zu anhänglichem Verhalten führt, da diese Menschen besonders intensive Aufmerksamkeit benötigen. In der Folge ändern sie häufig ihre Pläne und Entscheidungen, da sie sich an anderen Personen ausrichten und so ihre Autonomie verlieren.

Verunsicherung und Eifersucht

Neben diesem Verlust an Selbstständigkeit geht emotionale Abhängigkeit oft auch mit Verunsicherung und Angst vor dem Verlassenwerden einher. Es fällt diesen Personen schwer, ihren Partnern oder Freunden zu vertrauen, was häufig zu intensiver Eifersucht führt.

Eine Dissertation, veröffentlicht von der Universität César Vallejo, zeigt einen engen Zusammenhang zwischen dieser Form der Abhängigkeit und innerfamiliären Beziehungen, was oft zu Konflikten und einem Gefühl des Misstrauens führt.

Studien der Konrad-Lorenz-Universität belegen, dass sich dies in einer übermäßigen Angst vor Trennung und Einsamkeit äußert, sowie in einer ständigen Forderung nach Zuneigung. In den schwerwiegendsten Fällen können Eifersucht und Unsicherheit zu verschiedenen Formen von Gewalt führen.

Überhöhte Ansprüche

Emotional abhängige Menschen haben zu hohe Erwartungen an ihre Partner oder Freunde. Sie verlangen ständige Aufmerksamkeit, Zuneigung und Unterstützung, was für die andere Person eine große Belastung darstellen kann. Das wiederum führt zu irrationalen Überzeugungen, zu denen auch das Bedürfnis nach Perfektionismus gehört. Dies kann zu Erschöpfung und Unmut in der Beziehung führen.

Verlust der Individualität

Der Verlust der Individualität in einer Beziehung ist eine weitere Folge der Abhängigkeit. Die Menschen verschmelzen emotional mit ihrem Partner oder ihren Freunden und verlieren dabei ihre eigenen Interessen, Ziele und Leidenschaften aus den Augen.

Das führt zu einem Gefühl der mangelnden persönlichen Erfüllung und schränkt das individuelle Wachstum innerhalb der Beziehung ein. Diese verwischte Individualität der abhängigen Person macht es ihnen unmöglich, ihr Selbstwertgefühl zu stärken; im Gegenteil, die Anhänglichkeit und ein übertriebenes Bedürfnis nach Zuneigung nehmen zu.

Kreislauf toxischer Beziehungen

Menschen mit Abhängigkeiten haben oft Schwierigkeiten, Grenzen zu ziehen und tolerieren schädliche Verhaltensweisen. Aus Angst vor Einsamkeit oder vor dem Verlassenwerden bleiben sie möglicherweise in missbräuchlichen oder dysfunktionalen Beziehungen und sind nicht in der Lage, sich dieser Toxizität zu entziehen.

Eine Studie der Technischen Universität Ambato zeigt, dass Abhängigkeit die Funktionsfähigkeit der Familie beeinträchtigt. Die abhängige Person bleibt in toxischen Beziehungen, da ihre Bindung fast zu einer Sucht wird, die sie in einen Zustand der Aufopferung und Unterwerfung versetzt.

Wie entsteht emotionale Abhängigkeit

Die Ursachen sind individuell sehr verschieden, es können jedoch Risikofaktoren beobachtet werden, die häufig auftreten:

  • Familiäre Muster: Abhängige Beziehungsmuster in der Herkunftsfamilie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person ähnliche Muster in ihren eigenen Beziehungen entwickelt.
  • Geringes Selbstwertgefühl und Selbstkritik: Menschen mit geringem Selbstwertgefühl haben ein größeres Bedürfnis nach externer Bestätigung und brauchen andere, um sich wertgeschätzt und akzeptiert zu fühlen.
  • Persönlichkeitsfaktoren: Eigenschaften wie Angst, Unsicherheit und Konfliktvermeidung werden mit der Entstehung von Abhängigkeitsbeziehungen in Verbindung gebracht und behindern die Entwicklung von emotionaler Autonomie.
  • Unsichere Bindungen: Studien wie die von MLS Journals deuten darauf hin, dass unsichere Bindungen in der Kindheit, wie ängstliche oder ambivalente Bindungen, das Risiko erhöhen, im Erwachsenenalter emotionale Abhängigkeit zu entwickeln.
  • Trauma und emotionaler Missbrauch: Traumatische, missbräuchliche oder emotional entbehrende Erfahrungen in der Kindheit oder in früheren Beziehungen tragen zu dieser Abhängigkeit bei. Sie beeinträchtigen das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basieren.

Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern interagieren miteinander und mit anderen individuellen und umweltbedingten Aspekten. Die Forschung auf diesem Gebiet ist aktiv und entwickelt sich ständig weiter. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die Risikofaktoren und die zugrunde liegenden Ursachen vollständig zu verstehen.

Emotionale Abhängigkeit: Warum ist professionelle Hilfe wichtig?

Wenn du emotional abhängig bist, solltest du aus folgenden Gründen unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen:

  • Selbsterkenntnis: Du verstehst deine Verhaltensmuster und ihre Ursprünge. Eine Fachkraft hilft dir dabei, ungesunde Überzeugungen und Verhaltensweisen zu erkennen sowie Gefühle und frühere Erfahrungen zu erforschen, die deine Abhängigkeit beeinflussen.
  • Persönliche Entwicklung: Durch die Zusammenarbeit mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten lernst du, ein größeres Selbstwertgefühl zu entwickeln und eine stärkere Selbstidentität aufzubauen. Du lernst auch, gesunde Grenzen zu setzen, unabhängige Entscheidungen zu treffen und gut für dich zu sorgen.
  • Den Kreislauf durchbrechen: Wenn nicht richtig damit umgegangen wird, wird Abhängigkeit zu einem wiederkehrenden Muster in Beziehungen. Eine Beratung erleichtert es, diesen Kreislauf zu durchbrechen und gibt dir Werkzeuge an die Hand, um zu vermeiden, dass du in Zukunft in abhängige Beziehungen gerätst.
  • Gesündere Beziehungen: Die Therapie ermöglicht es dir, ausgewogene Beziehungen aufzubauen, die auf gegenseitigem Respekt basieren. Du entwickelst außerdem durchsetzungsfähige Kommunikationsfähigkeiten, lernst, deine Bedürfnisse angemessen zu äußern und auf gesunde Weise emotionale Unterstützung zu erhalten.
  • Emotionales Wohlbefinden: Eine Fachkraft lehrt dich, emotionale Selbstregulierung zu entwickeln und fördert dein allgemeines Wohlbefinden. Tatsächlich hat eine Studie bei jungen Heranwachsenden herausgefunden, dass das Auftreten von emotionaler Abhängigkeit mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden verbunden ist (Alarcón, 2019).

Emotionale Abhängigkeit überwinden

Psychologische Unterstützung ist wichtig für dein Wohlbefinden und deine persönliche Entwicklung, wenn du unter Abhängigkeit leidest. Eine psychosoziale Fachkraft gibt dir die Werkzeuge an die Hand, um diesen Zustand zu überwinden. Dieser Prozess braucht Zeit und Mühe, ist schrittweise und erfordert Engagement.

Schließlich ist es wichtig, dass du dich während dieses Prozesses mit einem gesunden Umfeld umgibst. Mit Geduld und Unterstützung kannst du die emotionale Abhängigkeit überwinden, um befriedigende Beziehungen aufzubauen.


Alle zitierten Quellen wurden von unserem Team gründlich geprüft, um deren Qualität, Verlässlichkeit, Aktualität und Gültigkeit zu gewährleisten. Die Bibliographie dieses Artikels wurde als zuverlässig und akademisch oder wissenschaftlich präzise angesehen.


  • Alarcón Cama, A. I. (2019). Dependencia emocional y bienestar psicológico en adolescentes mujeres víctimas de violencia de pareja y no violencia de una gran unidad escolar del Cercado de Lima. Universidad César Vallejo. Repositorio UCV. https://repositorio.ucv.edu.pe/bitstream/handle/20.500.12692/29874/Alarc%c3%b3n_%20CAI.pdf?sequence=1&isAllowed=y
  • Bachrach, H. M. y Deutsch, R. (2008). Attachment styles and personality disorders: Their connections to each other and to parental divorce, parental death, and perceptions of parental caregiving. Journal of Divorce & Remarriage, 49(3-4), 141-161.
  • Flores Pacheco, F. S., & Miranda Checcllo, B. J. (2020). Celos, dependencia emocional y relaciones intrafamiliares en estudiantes universitarios de 18 a 25 años en Lima, 2020 [tesis para obtener el grado de Licenciado en psicología]. Repositorio Institucional Digital Universidad César Vallejo. https://repositorio.ucv.edu.pe/handle/20.500.12692/55625
  • Guevara Chum, P. E., & Suárez Izquierdo, Y. E. (2018). Creencias irracionales y dependencia emocional en mujeres víctimas de violencia por parte de su pareja de la comunidad urbana autogestionaria de Huaycán [tesis recuperada de: Repositorio Institucional Universidad Periana Unión]. https://repositorio.upeu.edu.pe/handle/20.500.12840/992
  • Lemos Hoyos, M., Jaller Jaramillo, C., González Calle, A. M., Díaz León, Z. T., & De la Ossa, D. (2012). Perfil cognitivo de la dependencia emocional en estudiantes universitarios en Medellín, Colombia. Universitas Psychologica11(2), 395-404. http://www.scielo.org.co/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S1657-92672012000200004
  • Momene, J., & Estévez, A. (2018). Los estilos de crianza parentales como predictores del apego adulto, de la dependencia emocional y del abuso psicológico en las relaciones de pareja adultas. Behavioral Psychology/Psicologia Conductual, 26(2). https://go.gale.com/ps/i.do?id=GALE%7CA555076772&sid=googleScholar&v=2.1&it=r&linkaccess=abs&issn=11329483&p=IFME&sw=w&userGroupName=anon%7Ec726980f&aty=open+web+entry
  • Núñez Alvarado, P. G., Sabdoval Villalba, J. (2016). La Dependencia Emocional y su relación con la Funcionalidad Familiar (Bachelor’s thesis, Universidad Técnica de Ambato-Facultad de Ciencias de la Salud-Carrera Psicología Clínica). Recuperado de: http://repositorio.uta.edu.ec/handle/123456789/24146
  • Olaso Sainz, M. D. C. (2022). Estudio de caso sobre la dependencia emocional [tesis de Maestría]. Repositorio Institucional Comillas. https://repositorio.comillas.edu/xmlui/handle/11531/66295
  • Patiño, L. M. (2020). Relación entre las dimensiones de celos y dependencia emocional en una muestra de miembros de la Policía Nacional en el departamento de Cundinamarca y la ciudad de Bogotá. Fundación Universitaria Konrad Lorenz, Bogotá. Recuperado de https://repositorio.konradlorenz.edu.co/handle/001/4176
  • Roisman, G. I., Masten, A. S., Coatsworth, J. D. y Tellegen, A. (2004). Salient and emerging developmental tasks in the transition to adulthood. Child development, 75(1), 123-133.
  • Scharfe, E. y Bartholomew, K. (2007). The Impact of Emotional Dependency on Relationship Satisfaction and Stability: A Longitudinal Study. Journal of Personality and Social Psychology, 92(2), 448-467.
  • Urbiola, I., Estévez, A., Iruarrizaga, I., & Jauregui, P. (2017). Dependencia emocional en jóvenes: relación con la sintomatología ansiosa y depresiva, autoestima y diferencias de género. Ansiedad y estrés23(1), 6-11. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1134793716300537
  • Vidal, E. V. (2023). Apego inseguro como variable predictora de la dependencia hacia personas y sustancias en jóvenes. MLS Psychology Research6(1). https://www.mlsjournals.com/Psychology-Research-Journal/article/view/1277

Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.