Wie du dein Kind zu einem Emotionsprofi machst

28. Februar 2019

Du triffst täglich unzählige Entscheidungen. Viele von ihnen automatisch, aber du hast ebenso die Möglichkeit, deine Entscheidungen abzuwägen und durch gute Gründe zu erklären. Dennoch: Emotionen beeinflussen jede dieser Entscheidungen. Und leider können starke Emotionen dich manchmal dazu bringen, Dinge zu tun, die deinen Werten oder Interessen zuwiderlaufen. Um solche Fehler zu vermeiden, musst du ein echter Emotionsprofi werden. Du kannst auch deinen Kindern einen Vorteil im Leben verschaffen, wenn du anfängst, sie über ihre Emotionen aufzuklären. Das ist schon von frühsten Kindertagen an möglich.

Emotionen motivieren zum Handeln. Wir beginnen ihre Auswirkungen bereits in der Kindheit zu spüren. Das ist wahr, obwohl nur wenige Kinder und Erwachsene innehalten und darüber nachdenken. Deshalb ist die Kindheit auch die beste Zeit, um die Grundlagen zu schaffen und Instrumente zur Regulierung von Emotionen aufzubauen.

Wenn du den Umgang mit Emotionen entsprechend förderst, wird sich dein Kind seltener von seinen Gefühlen überwältigen lassen. Stattdessen kann es die Energie, die es durch sie erhält, auf intelligente Art und Weise nutzen, nämlich um sein Verhalten entsprechend an seinem sich entwickelnden Wertesystem auszurichten.

Der erste Schritt zum Emotionsprofi

Der erste Schritt besteht darin, die grundlegenden Emotionen zu kennen. Dazu gehört nicht nur das Wissen um die Emotionen selbst, sondern auch die Kenntnis darum, wofür sie nützlich sind. Die grundlegenden Emotionen, die Kinder kennen müssen, um ein Emotionsprofi zu werden, sind Angst, Wut, Abscheu, Trauer, Freude, Neugier und Liebe. Kinder, die etwas älter sind, werden auch von dem Wissen um Scham profitieren.

Einige dieser Emotionen, z. B. die Wut, motivieren zu Gewalt, Beleidigungen oder einem Angriff auf andere. Auf der anderen Seite erhöhen bestimmte Gefühle, wie beispielsweise die Freude, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person offen, energisch und großzügig handelt.

Ein Junge liegt im Bett und liest, während sein Hund daneben liegt.

Zweiter Schritt

Der zweite Schritt auf dem Weg zum Emotionsprofi ist das Erkennen von Emotionen. Du solltest diese grundlegenden Emotionen sowohl in dir selbst als auch in anderen identifizieren können. Ohne den vorherigen Schritt gemeistert zu haben, ist dies eine unmögliche Aufgabe.

Du kannst nichts erkennen, wenn du überhaupt nicht weißt, was es ist. Wenn du die Gesten, Blicke und Verhaltensweisen jedoch kennst, welche mit den grundlegenden Emotionen einhergehen, kannst du sie schnell erkennen, wann immer sie sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen.

Aus diesem Grund ist es auch für Kinder unerlässlich, die Emotionen, die sie fühlen, zu identifizieren und zu beschreiben. Du kannst ihnen dabei helfen, indem du Dinge anhand momentaner Ereignisse erklärst, wie beispielsweise: „Du bist froh und glücklich und da ist es schwer für dich, still zu sitzen.“  Ein anderes Beispiel ist: „Du willst deinen Bruder schlagen, weil du verärgert bist.“

Dritter Schritt

Der nächste Schritt besteht darin, die Emotionen zu legitimieren, die du – oder dein Kind – empfinden. Das bedeutet, dass das Kind alle seine Gefühle fühlen darf. Einige Ausdrücke, die du für diesen Zweck verwenden kannst, sind beispielsweise: „Es ist normal, dass du dich so fühlst“  oder „Ich verstehe, dass das wehtut“. Ein anderes Beispiel ist: „Wir sind alle frustriert, wenn wir nicht bekommen, was wir wollen.“  Damit zeigst du Empathie und diese Ausdrücke sind viel hilfreicher als Dinge zu sagen wie „Weine nicht, das ist nicht so schlimm“  oder „Ich verstehe nicht, wie du davor Angst haben kannst“.

Um Kinder über Emotionen aufzuklären, musst du versuchen, dich unter ihren Umständen in ihre Lage zu versetzen. Empathisch sein bedeutet auch, die Emotionen von anderen zu akzeptieren. Gleichzeitig musst du ihnen Alternativen aufzeigen, um sie zu wünschenswerten Verhaltensweisen zu motivieren. Du solltest ihnen diese Wege weisen, damit sie sich nicht auf die unmittelbaren und impulsiven Aktionen einlassen, die ihre Emotionen normalerweise in ihnen auslösen würden.

Vierter Schritt

An diesem Punkt bist du bereit, zu lernen, wie du Emotionen regulierst. Du kannst Emotionen nicht vollkommen aufhalten, aber du kannst das Verhalten steuern, das der von ihnen erzeugte innere Dialog hervorruft. Und um mit dem Drang zum Handeln richtig umgehen zu können, musst du wissen, wie du Verhalten und Emotionen voneinander unterscheidest.

Eine Emotion ist das, was du fühlst, und Verhalten ist das, was du tust. Wütend zu sein, rechtfertigt es nicht, jemanden zu verletzen. Du musst also deinen Kindern beibringen, dass zwischen Emotion und Aktion ein gewisser Spielraum besteht, in dem ihr Gewissen eine Entscheidung treffen kann. Arbeitet gemeinsam daran, diese Entscheidung zu stärken.

Am Beispiel von Ärger kannst du die Wirkung von Entspannungsübungen für Kinder zeigen. Alternativ kannst du ihnen höfliche Methoden beibringen, um das Verhalten einer anderen Person zu kritisieren und zu korrigieren, damit es nicht erneut zu verletzendem Verhalten kommt.

Ein Kind als Emotionsprofi kann andere Emotionen erkennen.

Fünfter Schritt

Reflexion ist eine geistige Handlung, die uns menschlich macht. Um ein Emotionsprofi zu werden, musst du sie praktizieren. Der fünfte Schritt ist daher das Nachdenken über die Gefühle, die du empfindest, sowie über die Empfindungen, Gedanken und Verhaltensweisen, die daraus resultieren.

Deinen Kindern zu helfen, erst einen Schritt zurückzutreten und darüber nachzudenken, was eigentlich los ist, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin, ihre Emotionen besser zu verstehen und zu regulieren.

Sechster Schritt

Um den Weg zu einem Emotionsprofi weiterzugehen, musst du verstehen, dass manche Emotionen für bestimmte Situationen schlichtweg nicht geeignet sind. Wenn du beispielsweise ein Stipendium erhältst, dein Freund jedoch eine Absage, ist es nicht angebracht, deine exzessive Freude in seiner Gegenwart auszudrücken.

Du solltest deine Empathie einsetzen, um Emotionen in anderen Menschen zu erkennen. Wenn sich deine Emotionen von denen der anderen unterscheidet, solltest du dein Verhalten der aktuellen Situation anpassen, um sie nicht zu verletzen. Aus diesem Grund solltest du auch deinen Kindern effektive Methoden zur Bewältigung ihrer Emotionen vermitteln. Dies gilt für positive, vor allem aber für negative Emotionen.

Siebter Schritt

Der letzte Schritt besteht darin, eine Geschichte über das Geschehene zu verfassen. Dieser Schritt beinhaltet das Erkennen von Emotionen und das Erklären dessen, was gerade passiert ist. Wenn dein Kind einen Albtraum hat und mit Schreien und Weinen aufwacht, sage ihm, dass es gerade schlecht geträumt hat und dass es geweint hat, weil es Angst hatte. Für das Kind ist es wichtig, zu verstehen, dass sein Alptraum seine gegenwärtige Realität nicht beeinflusst.

Ein Kind zu einem Emotionsprofi zu machen, ist nicht gerade einfach. Du musst der Aufgabe viel Zeit widmen. Du musst auch ein hohes Maß an Empathie und Geduld aufbringen, um erfolgreich zu sein. Bedenke aber, dass du, wenn du deinen Kindern beibringst, mit Emotionen umzugehen, zu einer besseren Zukunft für sie beiträgst. Du gibst ihnen die nötigen Ressourcen an die Hand, damit sie Konfrontationen vermeiden und bereichernde zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen können.