Wie beeinflusst uns die Zeitumstellung?

· 12. Januar 2019

Die Zeitumstellung: An zwei Wochenenden im Jahr wird in der nördlichen Hemisphäre an den Uhren gedreht, um das Tageslicht besser zu nutzen. Dabei ist die Zeitumstellung eine alte Idee. Sie wurde erstmals 1784 von Benjamin Franklin vorgeschlagen, mit dem Ziel, den Verbrauch von Kerzen und Öllampen zu reduzieren. In den meisten westlichen Ländern wurde die Zeitumstellung erst 1974 gesetzlich festgelegt. In Deutschland gab es eine Sommerzeit erstmals und vorübergehend während des Ersten Weltkrieges; 1978 wurde die erneute Einführung der Zeitumstellung beschlossen, diese erfolgte dann aber erst 1980.

Obwohl einige Experten über die Wirksamkeit von Zeitumstellungen streiten, ist diese Gewohnheit in unserem Leben so tief verwurzelt, dass wir uns scheinbar nicht darauf einigen können, sie abzulegen. Aber wissen wir wirklich, wie sich die Zeitumstellung auf unseren Körper auswirkt? In diesem Artikel erläutern wir, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat.

Wie die Zeitumstellung unseren Körper beeinflusst

Experten meinen, dass sich unser Körper nicht gut an zeitliche Veränderungen anpasse. Wenn wir unsere Uhren eine Stunde vor- oder zurückstellen, beeinträchtige das unseren zirkadianen Rhythmus auf nachteilige Art und Weise. Derartige Veränderungen des zirkadianen Rhythmus treten sonst nur dann auf, wenn wir in eine andere Zeitzone reisen. Eine Zeitumstellung mag als gleichbedeutend mit einer solchen Reise sein: Die Uhr rückt stundenweise vor, wenn wir nach Osten reisen, und zurück, wenn unsere Reise in den Westen geht.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass auch andere Faktoren unseren zirkadianen Rhythmus beeinflussen können. Beispielsweise kann dies der Fall sein, wenn wir am Wochenende zu lange schlafen oder keinen regelmäßigen Schlafzyklus einhalten. Wie dem auch sei, selbst wenn die Zeitänderung nur eine Stunde umfasst, kann dies spürbare Auswirkungen haben.

Eine Frau gähnt, während sie beim Mittagessen ist.

Einige der wichtigsten Konsequenzen der Zeitumstellung sind:

  • Eine höhere Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen
  • Eine Zunahme der Anzahl von Herzinfarkten
  • Vermehrte Fälle von Depressionen

Werfen wir einen Blick auf die einzelnen Punkte dieser Liste.

1. Höhere Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen

Eine der überraschendsten Studien im Zusammenhang mit der Zeitumstellung wurde 1999 von John Hopkins an der Stanford University (Kalifornien, USA) durchgeführt. In dieser Studie wurde beobachtet, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Verkehrsunfall zu haben, am Montag nach einer Zeitumstellung um 5 % steigt.

Eine andere von der University of Colorado (Colorado, USA) durchgeführte Studie zum gleichen Thema lieferte noch besorgniserregendere Ergebnisse: Dieser Studie zufolge sei die Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen gar um 17 % höher. Obwohl die Verschiebung der Zeit scheinbar nichts mit den Unfällen zu tun hat, lügen die Daten nicht. Aber wie lässt sich dieses Phänomen erklären?

Die Zunahme von Verkehrsunfällen nach einer Zeitumstellung könnte durch ein Hormon namens Melatonin verursacht werden. Dieses Hormon ist für die Regulierung unseres Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig. Es ist eines der wichtigsten Hormone, wenn es darum geht, dass wir morgens wach werden. Wenn sich also plötzlich unser Schlafmuster ändert, fühlen wir uns tagsüber eher müde und sind weniger aufmerksam.

2. Mehr Herzinfarkte

In einer Studie der University of Alabama (Alabama, USA) aus dem Jahr 2012 wurde festgestellt, dass die Anzahl der Herzinfarkte 3 Tage nach einer Zeitumstellung zunahm. Andere Studien zeigen ebenfalls einen leichten Anstieg der Inzidenz von Herzinfarkten.

Was ist die Ursache dieses Phänomens? Anscheinend führt der Verlust einer Stunde Schlaf zu einem Chaos in unserem Körper. Er führt zu einem Anstieg von Kortisol, das Immunsystem funktioniert nicht so effektiv, wie es sollte, und die Energiezufuhr ist verringert. Diese Probleme sind im Allgemeinen wenig gefährlich. Bei Personen, bei denen zusätzliche Risikofaktoren bestehen, können sie jedoch zu Katalysatoren für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall werden.

3. Vermehrte Fälle von Depressionen

Schließlich zeigen einige Studien einen Zusammenhang zwischen den Zeitumstellungen und saisonalen Depressionen. Dies lässt sich mit der fehlenden Sonneneinstrahlung erklären, die der Einzelne erhält, was sich negativ auf unsere körperliche oder geistige Gesundheit auswirkt.

Eine nachdenkliche junge Frau hat ihren Kopf auf ihre Hand gestützt.

Wenn sich die Uhrzeit ändert, kann sich auch die Anzahl der Stunden ändern, in der wir Sonne tanken können. Andererseits können diese negativen Effekte der Zeitumstellung auch auf erhöhte Temperaturen zurückgeführt werden, wenn beide Phänomene zusammenfallen. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass beide Änderungen, sowohl in der Temperatur als auch in der Zeit, gewöhnungsbedürftig für uns sind.