Leidest du unter einer zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörung?

· 14. September 2018

Weißt du, was zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen sind? Keine Sorge, wir werden es in diesem Artikel erklären. Aber sicher hast auch du schon hin und wieder unter Schlaflosigkeit gelitten. Vielen Menschen geht es so. Manchmal schlafen wir nur schwer ein. Wir gehen ins Bett, aber wälzen uns unruhig herum und finden einfach keinen Schlaf. An anderen Tagen wachen wir zu früh auf und können nicht mehr einschlafen. Das sind alles Beispiele für Insomnie, und sie kann mehrere Ursachen haben. Meistens sind schlechte Schlafgewohnheiten schuld (Fernsehen vor dem Schlafengehen, Wachmacher konsumieren …). Oft liegt es aber auch an Stress und einer Überreizung des Nervensystems.

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen zeichnen sich hingegen durch eine Störung des biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus aus. „Zirkadianer Rhythmus“ ist ein anderer Name für unseren Biorhythmus, der den 24-Stunden-Kreislauf von biologischen Körperfunktionen und -prozessen regelt.

Was ist der zirkadiane Rhythmus?

Der zirkadiane Rhythmus ist der innere Tagesrhythmus, der von der Natur vorgegeben wurde. Die von diesem Rhythmus geregelten Prozesse laufen in einem 24-Stunden-Intervall ab. Der Terminus stammt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „circa“ und „dies“ zusammen, was so viel bedeutet wie „etwa ein Tag“. Für Säugetiere ist der wichtigste Aspekt des zirkadianen Rhythmus der Schlaf-Wach-Rhythmus, aber er ist unter anderem auch für unseren Hormonhaushalt, die Zellerneuerung und Gehirnaktivität zuständig.

Der zirkadiane Rhythmus gilt also nicht nur für Menschen. Fast alle Lebensformen – einschließlich Bakterien, Pflanzen, Fischen und so weiter– haben einen Biorhythmus, auch wenn sie nicht unbedingt schlafen. Als Menschen sind wir dazu gemacht, einem natürlichen Schlafrhythmus zu folgen, der mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus übereinstimmt.

Eine Frau mit Schlafmaske hält einen Wecker in der Hand.

Verschiedene Wissenschaftler sind zu dem Schluss gekommen, dass es eine Struktur in unserem Körper gibt, die für den Erhalt unseres Biorhythmus zuständig ist. Diese wurde inzwischen identifiziert; sie heißt Nucleus suprachiasmaticus. Dieser befindet sich im Hypothalamus, im Gehirn. Dieser Bereich ist dafür zuständig, dass wir nachts schlafen und tagsüber wach bleiben.

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen

Wenn wir schlafen und einige Stunden zu früh aufwachen, heißt das noch nicht unbedingt, dass ein Problem besteht. Es kann aber zu einem Problem werden, wenn wir nicht aufwachen können oder während der Arbeit nicht wach bleiben können. Wenn das der Fall ist, könnte der Schlafrhythmus gestört sein, was als zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung diagnostiziert wird.

Diagnostische Kriterien

Zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen können die folgenden Symptome verursachen:

  • Eine ständige oder wiederkehrende Unterbrechung des Schlafs. Diese kann aufgrund einer Änderung im Biorhythmus auftreten oder weil der innere zirkadiane Rhythmus und der äußere Schlaf-Wach-Rhythmus nicht im Einklang stehen, nicht synchron sind. Das betrifft zum Beispiel jene Menschen, die in Nachtschichten arbeiten.
  • Diese Schlafunterbrechung führt zu außergewöhnlicher Müdigkeit oder Schlaflosigkeit oder beidem.
  • Die Veränderungen im Schlafrhythmus führen zu erheblichen Problemen im Alltag, einem Leistungsabfall in der Arbeit oder in anderen Lebensbereichen.
Eine Frau liegt nachts wach im Bett.

Welche Formen von zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen gibt es?

Laut des Diagnostischen und Statistischen Handbuchs psychischer Störungen (DSM-5) gebe es verschiedene Arten von zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen:

  • Verzögerte Schlafphasen
  • Vorgezogene Schlafphasen
  • Unregelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen
  • Schlaf-Wach-Rhythmen, die nicht innerhalb von 24 Stunden liegen
  • Störungen aufgrund von Schichtarbeit
  • Unbestimmt

Verzögerte Schlafphasen

Diese treten auf, wenn die Schlafenszeit im Vergleich zu den erwünschten Schlaf-Wach-Zeiten verzögert ist, im Allgemeinen um mehr als zwei Stunden. Das führt zu Schlaflosigkeit beziehungsweise außergewöhnlicher Schläfrigkeit.

Menschen mit einer verzögerten Schlafphase können ihrem Alter entsprechend eine normale Schlafqualität und -dauer haben, wenn sie ihre eigenen Schlafenszeiten festlegen können. Sie können aber unter Symptomen wie Schlaflosigkeit leiden, wenn sie sich niederlegen, am Morgen schwer aufwachen und zu Tagesbeginn außergewöhnlich müde sind. 

Diese Symptome beginnen meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Es kann mehrere Monate oder Jahre dauern, bis der Zustand richtig diagnostiziert wird. Die Störung lässt manchmal mit zunehmendem Alter nach, aber die Symptome treten häufig wieder auf, wenn sich das Umfeld des Betroffenen verändert: Eine Änderung in den Schul- oder Arbeitszeiten, für die ein früheres Aufwachen nötig ist, kann die Situation verschlimmern.

Eine frustrierte Frau zieht sich ein Kissen über den Kopf.

Vorgezogene Schlafphasen

Diese treten auf, wenn die Schlaf-Wach-Phasen mehrere Stunden früher auftreten als erwünscht oder normal, auch hier normalerweise um mehr als zwei Stunden. Diese Störung wird häufig diagnostiziert, wenn es eine Vorgeschichte von vorgezogenen Schlafphasen im Vergleich zu den erwünschten Schlaf-Wach-Zeiten gibt.

Zu den Symptomen gehören frühes Aufwachen und außergewöhnliche Schläfrigkeit tagsüber. Auch Menschen mit einer verzögerten Schlafphase haben ihrem Alter entsprechend eine normale Schlafqualität und -dauer, wenn sie ihre eigenen Schlafenszeiten festlegen können. Vorgezogene Schlafphasen lassen sich in der Familiengeschichte verorten. Meist besteht eine familiäre Vorbelastung bei Menschen, die unter dieser Störung leiden.

Die Störung beginnt meist im späten Erwachsenenalter und kann lange andauern.

Unregelmäßige Schlaf-Wach-Zyklen

Eine Person mit unregelmäßigen Schlaf-Wach-Zyklen hat meist eine Vorgeschichte von nächtlicher Schlaflosigkeit und außergewöhnlicher Schläfrigkeit tagsüber. Die Störung ist durch das Fehlen eines erkennbaren zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmus gekennzeichnet. Es gibt keine Hauptschlafenszeit und der Schlaf teilt sich auf mindestens drei Abschnitte während der 24 Stunden am Tag auf.

Schlaf-Wach-Rhythmen, die nicht innerhalb von 24 Stunden liegen

Die Diagnose dieser Art von Störung stützt sich hauptsächlich auf eine Vorgeschichte mit Symptomen wie Schlaflosigkeit oder außergewöhnlicher Schläfrigkeit, die an einer abnormalen Synchronisation zwischen dem 24-Stunden-Lichtrhythmus und dem Biorhythmus liegen. Menschen mit dieser Störung erfahren Perioden mit Schlaflosigkeit oder erhöhter Schläfrigkeit oder beiden, wobei sich Perioden mit und ohne Symptome abwechseln.

Dies tritt häufiger bei blinden oder sehbehinderten Menschen auf, da diese weniger auf Licht reagieren. Menschen mit dieser Störung, die normal sehen, können auch länger als normal schlafen.

Ein Mann reibt sich im Büro müde die Augen.

Schlafstörungen aufgrund von Schichtarbeit

Menschen mit dieser Störung haben Arbeitszeiten, die außerhalb des normalen 9-bis-5-Tages liegen und müssen häufig Nachtschichten leisten.

Die deutlichsten Symptome sind außergewöhnliche Schläfrigkeit am Arbeitsplatz und Schlafprobleme zu Hause. Diese Symptome verschwinden, wenn die betroffene Person wieder normale Arbeitszeiten hat. Aber auch Menschen, die in andere Zeitzonen reisen, können ähnliche Symptome aufweisen.

Wenn du unter einer dieser Zirkadianen Schlaf-Wach-Störungen leidest, empfehlen wir, dass du so schnell wie möglich wieder „normale“ Schlafgewohnheiten annimmst. Vielleicht fällt dir das schwer oder du schaffst das nicht allein – in welchem Fall du einen Psychologen aufsuchen solltest, um das Problem zu behandeln.