Wie beeinflusst die Intuition unser Leben?

16. Februar 2016 en Psychologie 7 Geteilt

Während unser Gehirn arbeitet, hantiert es hinter dem Vorhang mit einer großen Menge an unbewusster Information, ohne dass wir dies bemerken. Unser Verstand neigt dazu, seine Fähigkeit zur Kontrolle überzubewerten, so dass wir denken, dass wir absolut alles beherrschen können. Nur gelegentlich fällt uns auf, dass etwas in unserem Gehirn geschieht, dass etwas nicht gut läuft oder dass uns jemand nicht gefällt.

Forscher wie Kahneman und Tversky unterscheiden zwei Arbeitsweisen des menschlichen Gehirns: Es gibt zum einen eine vorhersagbare und analytische Autobahn und zum anderen eine automatische und intuitive Landstraße, die sich mentaler Abkürzungen und erlernter Assoziationen bedient.

Deshalb stimmt es, dass wir uns ein Bild von einem Menschen in wenigen Sekunden machen können. Hierzu reichen sogar 6 Sekunden. Wir können dies einen sechsten Sinn nennen. Allerdings kann die Tatsache, dass wir irgendetwas innerhalb von weniger als einer Viertelsekunde als gut oder schlecht beurteilen, auch zu Problemen führen, wie wir sehen werden.

Dessen ungeachtet stellt die Fähigkeit zur raschen Wahrnehmung und Unterscheidung, ob jemand uns physisch oder emotional gefährlich werden könnte oder nicht, ob jemand wütend, traurig, zufrieden oder ängstlich ist, einen wichtigen Pfeiler für unser Wohlergehen und unser Überleben dar.

In diesem Zusammenhang scheint es so, dass heutzutage gerade Frauen eine größere Fähigkeit an den Tag legen, die Emotionen anderer wahrzunehmen und zu unterscheiden, zu erkennen, ob jemand etwas vorgibt und lügt oder ob ein Paar sich wahrhaft liebt.

Diese Wahrnehmung und der Umgang damit verwandeln sich in automatische Handlungen und mit zunehmendem Alter ziehen wir mehr und mehr Nutzen aus unserem intuitiven Talent. So gewinnt die Fähigkeit der Intuition eine größere Wichtigkeit in Liebesdingen. Wir können nicht erklären, was uns glauben lässt, dass uns jemand liebt oder nicht, aber wir täuschen uns normalerweise darin nicht (eine andere Frage ist, ob wir unserem inneren Wissen Glauben schenken). Es scheint so, dass das Herz Gründe hat, sich von diesem sechsten Sinn leiten zu lassen.

Die Intuition verwandelt sich, schlicht und einfach, in das Erkennen der Situationen, der unterschiedlichen Menschen oder der Konsequenzen, die unser Tun oder das anderer haben kann. Intuition kann uns aber auch gefährlich werden. Bei einem Übermaß an Gefühlen und einem gleichzeitigen Mangel an Denken werden wir die Rechnung dafür präsentiert bekommen.

Die Gefahren der Intuition

Das Leben lehrt uns eine intuitive Fertigkeit, die es uns erlaubt, Urteile ohne Anstrengung zu fällen und schnell entsprechend zu handeln. Nichtsdestotrotz können wir irren, und wir tun es auch häufig.

Dieselben Abkürzungen, die uns unsere Intuition zur Verfügung stellt, können uns auch zu ernsthaften Irrtümern führen. Ein klares Beispiel hierfür sehen wir oft in den Nachrichten, wenn Menschen fahrlässig handeln, indem sie sich von ihren Vorurteilen gegenüber anders aussehenden Menschen leiten lassen. Oder wenn wir unseren Gefühlen folgen, ohne zu merken, dass der Mensch an unserer Seite uns schadet.

Aus diesem Grund sollten wir uns zurückhalten und uns stattdessen zunächst hypothetische Situationen in unserer Fantasie ausmalen, in denen uns unsere Vorurteile falsch leiten können. Das heißt, wir sollen nicht verzweifeln, wenn wir merken, dass wir auf der Grundlage von Annahmen oder gespiegelten Gefühlen handeln,  ohne eine richtige Grundlage. Es gibt keine Geheimnisse, wir sollten nur darauf achten, wie wir handeln, wenn uns dies bewusst wird: Es ist wichtig, dass die Gefühle uns nicht beherrschen, sondern dass wir sie achtsam beobachten und sie im Handeln ausbalancieren.

Warum fürchten wir uns grundlos?

Dem Präsidenten George W. Bush mangelte es nicht an Vernunft, als er feststellte, dass die Terroristen fast mit jeder Waffe töten könnten. Nach den Attentaten von 9-11 litten viele Menschen unter Ängsten, wenn sie mit dem Flugzeug reisen mussten. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Unfalls mit einem Bus zu sein 37-mal höher ist als die, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben – ganz zu schweigen vom Risiko eines terroristischen Angriffs – wählten die Menschen nun bevorzugt bodennahe Transportmittel.

Als Folge davon stieg die Anzahl der Autounfälle, die Anzahl der Verkehrstoten stieg um das Dreifache. Wenn wir uns von solchen intuitiven Ängsten leiten lassen, töten uns die Terroristen von 9-11 nach wie vor, sogar aus ihren Gräbern heraus.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, wegen derer wir eine größere Angst vor einem dramatischen Tod spüren (ein Flugzeugabsturz) als vor dem stillen und schleichenden Tod, der jährlich Millionen Menschenleben fordert (wie die Nikotinabhängigkeit). Hier liegt einer der größten Nachteile, aus dem Bauch heraus zu entscheiden, denn dies kann uns blind machen und erlaubt es uns nicht,  folgerichtige Entscheidungen zu treffen. Wenn wir aber darauf vorbereitet sind, können wir uns gegen die stärkste Waffe der Terroristen zur Wehr setzen: Gegen die übertriebene Angst.

Es ist unerlässlich, dass wir unserer Intuition den Platz zuweisen, der ihr gebührt: Wir müssen ihr einerseits Gehör schenken und sie gleichzeitig mit der Realität konfrontieren. Aus dem Bauch heraus zu entscheiden birgt gewisse Risiken, aber wir dürfen nicht vergessen, dass unser kritisches Denken und unsere Intelligenz ihre Früchte tragen, wenn wir auf unser inneres Ich hören, dass uns auf stille Weise zuruft: „Lass nicht zu, dass sich dieser Mensch dir nähert! Hab keine Angst, dein Leben zu verändern! Lass dich von deinen Sehnsüchten leiten und tu etwas für das, was du dir wünschst!“

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Stocksnapper

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