Emotionale Ablehnung – Je stärker man Gefühle von sich weist, desto mehr drängen sie heran

25. Januar 2016 en Emotionen 665 Geteilt

„Je stärker man Gefühle von sich weist, desto mehr drängen sie heran.“  Hast du diesen Ausdruck schon einmal gehört? Emotionale Ablehnung ist eine Verhaltensweise, die wir zum Selbstschutz wählen.

Mancher Psychologe meint, dass der Schmerz die beste Medizin ist. Möglicherweise überrascht dich diese Aussage und du kannst sie so nicht akzeptieren. Aber es ist deutlich davon auszugehen, dass man aus jeder erlebter Emotion auch eine Lehre zieht.

Leiden, zum Beispiel, ist in der Regel der beste Meißel unseres (über-)lebenswichtigen Wissens, der angesichts gesammelter Erfahrungen neue Wege und Pfade markiert, als Folge der Verluste, Niederlagen und Enttäuschungen. Auch wenn mancher es vorzieht, dies nicht zu sehen, sind andere Menschen eher geneigt, die Schmerzen in den Tiefen ihres Wesens zu verbergen, einfach wegzusperren.

Was wird schließlich passieren? Der Schmerz wird weiterhin, aber in neuen Formen fortbestehen, als Ärger, Zorn und Wut. Alles, dem du zu widerstehen versuchst, besteht weiterhin.

Wir möchten daher heute über emotionale Ablehnung, das Leugnen von Gefühlen sprechen.

Die emotionale Verleugnung und Obsession

Nehmen wir uns ein Beispiel vor. Du unterhältst eine liebevolle Beziehung mit einer Person. Du liebst diese Person, hast eine solide Beziehung zu deinem Partner. Aber etwas in dir sagt dir, dass die Dinge nicht mehr so sind wie zuvor. Du spürst, das diese Person dich nicht mehr liebt. Wie gehst du damit um? Du verleugnest dieses Gefühl. Und warum auch immer, will der Partner keine Hinweise auf das, was wirklich passiert, geben.

Wohl wissend, dass deine Beziehung keine echte Beziehung mehr ist, sondern nur noch ein aneinander Vorbeileben, lehnst du es ab, diese Tatsachen zu akzeptieren.

Menschen um dich herum geben dir sogar Hinweise darauf, was geschieht, aber du streitest all dies ab und widersprichst, dass dem so sei. Deine emotionale Ablehnung setzt sich fort und besteht einen weiteren Tag.

Was passiert hier? Umso mehr du die Wahrheit zu verbergen versuchst, desto mehr negative Gefühle entstehen und dominieren deine Gedanken. Und obwohl du eigentlich überhaupt nicht an die Situation denken möchtest, kannst du dieses ständige und destruktive Nachdenken doch nicht stoppen. Leider neigt der menschliche Verstand dazu, aus negativen Emotionen fast obsessive Gedanken werden zu lassen.

Wenn wir zu uns selbst in einem Zustand der Angst oder Besorgnis immer wieder „ich werde nicht traurig sein“  sagen, passiert in der Regel genau das Gegenteil. Die Lösung ist nicht, dass wir uns dieses Mantra vorsprechen, sondern uns die Frage zu stellen: „Warum bin ich traurig?“

Es mag paradox klingen, ist aber durch Studien bestätigt. Die emotionale Ablehnung ist ein Zustand, der im Laufe der Zeit fortbesteht, zu Widerstand gegen Logik und Argumentation neigt, obsessiv und irrational werden kann.

Wenn ich es leugne, ist es nicht vorhanden. Ausweichen ist das Problem. Aber in Wirklichkeit ist das Problem so groß, dass ich nicht aufhören kann, ständig darüber nachzudenken.

Emotionen und ihre adaptive Funktion

Emotionen wie Trauer, Wut oder Angst sind eine gute Medizin. Wir betonen noch einmal mit Nachdruck diese Aussage. Diese Emotionen sind jene, die am schwersten als solche zu akzeptieren sind, haben jedoch eine adaptive Funktion. Die Angst zwingt uns zu laufen, um zu entkommen und so zu überleben, ist ein Instinkt, den wir uns bewahrt haben.

Allerdings haben wir während unserer Entwicklung auch gelernt, dass es manchmal die bessere Lösung ist, nicht wegzulaufen oder zu versuchen, zu entkommen, sondern anzuhalten und uns dem Feind, der uns schaden will, zu stellen. Verleugnen hilft uns dabei sicher nicht. Die Traurigkeit dagegen müssen wir annehmen, akzeptieren, weinen, um danach ehrlich mit ihr umzugehen. Negative Gefühle können wir überleben, weil sie uns zwingen, manchmal in die andere Richtung zu gehen, und weil sie lehren, dass in dieser Richtung manchmal unser Glück zu finden ist.

Die emotionale Ablehnung, die resistent ist und nicht überwunden wird, bleibt bestehen, oft bis zu unserer eigenen Selbstzerstörung. Bis man nicht mehr weiter kann. Wieso also weiter verleugnen? Lass los, lass sie gehen. Wer an ihr festhält, stärkt seinen eigenen Feind. Akzeptiere die Tatsachen, den Schmerz, den Fehler. Stell dich diesen Dingen jeden Tag aufs Neue und deine Last wird mit jedem Tag etwas leichter, negative Gedanken verblassen und verschwinden schließlich. Dann bist du frei.

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