Wer bin ich? Auf der Suche der eigenen Identität

Auf dieser Suche nach dem Selbst gibt es Menschen, die in der Anerkennung durch andere einen Bezugspunkt oder ein falsches Gefühl der Sicherheit suchen.
Wer bin ich? Auf der Suche der eigenen Identität

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 11. Dezember 2021

Wer bin ich? Diese grundlegende Frage stellt sich jeder irgendwann im Leben (und das ist auch gut so). Allerdings ist die Antwort nie einfach, denn es geht darum, sich selbst zu offenbaren, sich emotional zu entblößen und Widerstand und Abwehrhaltungen zurückzulassen, um das private Territorium der Authentizität zu erreichen.

Auf dieser Suche nach dem Selbst gibt es Menschen, die in der Anerkennung durch andere einen Bezugspunkt oder ein falsches Gefühl der Sicherheit suchen. Ein einfaches Beispiel ist eine Frau, die ihren Freund beim Einkaufen immer wieder fragt, welches Kleidungsstück ihm am besten gefällt. Wenn sie immer seine Wünsche berücksichtigt, entspricht ihre Garderobe nicht mehr ihren eigenen Vorstellungen.

“Sich selbst zu kennen ist nicht nur das Schwierigste, sondern auch das Unbequemste.”

H.W. Shaw

Die eigene Identität zu definieren, ist eine wahre Herausforderung, die das ganze Leben in Anspruch nimmt. Doch anstatt ewig der Frage “Wer bin ich?” nachzugehen, kannst du dir die Frage stellen: “Was will ich für mich selbst?”

Selbstidentität und die Identitäten anderer

In einem Psychologiestudium ist das Thema menschliche Identität häufig eines der ersten Fächer. Dieses Konzept wurde einst von Erik Erikson entwickelt. Dieser Psychoanalytiker, ein Experte für Entwicklungspsychologie, definierte Identität als den Grundpfeiler, den jeder Heranwachsende klären muss, um eine sichere und glückliche Reife zu erlangen.

  • Die Realität zeigt uns, dass sich viele auch im Erwachsenenalter die gleiche Frage stellen: Wer bin ich? Eine kuriose Studie, die von der Universität von Kalifornien (University of Psychiatry and Medicine) im Journal of Research Practice veröffentlicht wurde, legt nahe, dass wir nicht nur ein Ich, sondern mehrere Identitäten haben, die jedoch unklar und schwer definierbar sind.
  • Da wäre zum Beispiel das soziale Ich, das versucht, sich an seine Umgebung anzupassen, oder das intimere Ich mit seinen eigenen Bedürfnissen, Ängsten und Trieben und schließlich das ideale Ich, das danach strebt, Ziele zu erreichen.

Auf der anderen Seite ist es offensichtlich, dass es uns keinesfalls schwerfällt, andere Menschen zu definieren. Wir erkennen ihre Fehler und Tugenden mühelos und haben keine Schwierigkeiten damit, ihren Charakter zu beschreiben. Sich selbst zu definieren ist jedoch eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Oft ist die Antwort Schweigen. Doch warum ist es so schwer, die Frage “Wer bin ich” zu beantworten?

“Menschen sagen oft, dass sie sich selbst noch nicht gefunden haben. Aber das Selbst ist nicht etwas, das man findet, sondern etwas, das man schafft.”

Thomas Szasz

Frau stellt sich die Frage: "Wer bin ich"

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach. Wir sind eher daran gewöhnt, die Werte eines stabilen Urteils bei anderen anzuwenden als bei uns selbst. Es ist sehr schwierig, objektiv mit uns selbst umzugehen. Wir entwickeln widersprüchliche Handlungsweisen und etikettieren uns nicht gerne mit Adjektiven. Natürlich wissen wir auch, dass wir viel komplexer sind als eine Beschreibung mit Worten wiedergeben könnte. Deshalb ist es schwierig, eine Definition zu finden.

“Es gibt drei Dinge die extrem hart sind: Stahl, ein Diamant und sich selbst zu kennen.”

Benjamin Franklin

“Wer bin ich?” und die existenzielle Krise

Die Antwort auf die Frage “Wer bin ich” nicht zu finden, kann eine existenzielle Krise auslösen. Angst und Unbehagen verhindern manchmal, die damit einhergehenden Emotionen kontrollieren zu können. Der falsche Umgang mit dieser Situation kann ernste Folgen haben. Eine Therapie ist sehr hilfreich, um das eigene Ich besser zu verstehen, zu akzeptieren und weiterzuentwickeln.

“Wer bin ich?” Die Antwort ist einfacher, als du denkst!

Wer bin ich? Bin ich, was ich im Spiegel sehe, was ich denke oder was mir passiert? All diese Fragen sind wichtig, um uns selbst zu definieren. Denn in Wirklichkeit ist die eigene Identität ein Puzzle aus hunderten von Teilen, bei dem alles zusammenpassen muss: Wir sind das, was wir bereits erlebt haben und was wir wollen, wir sind ein Körper, aber auch unsere Gefühle, Gedanken, Werte und Wünsche.

Um diese feste, mutige und entschlossene Identität anzustreben, müssen wir also die innere Harmonie zwischen all diesen Teilen finden. Wir brauchen Stabilität, Akzeptanz, Selbstliebe und innere Stärke und einen Hauch von Illusion. Denn unsere Identität muss als ein fortlaufender Prozess gesehen werden. Sie ist keine statische Momentaufnahme, sondern ein Zustand, der sich ständig weiterentwickelt. Deshalb sollte es nie an Hoffnung und Optimismus fehlen, um eine strahlende Identität zu formen, die in der Lage ist, ihre Ziele zu erreichen.

Es wäre also gut, sich von Zeit zu Zeit eine Auszeit zu nehmen und einen Termin mit sich selbst zu vereinbaren, um darüber nachzudenken. Auf diese Weise kannst du darüber nachdenken, wer du warst, wer du bist und wer du sein wirst.

Frau stellt sich die Frage: Wer bin ich?

Diese Momente der Selbstbeobachtung, des einsamen Nachdenkens werden dir helfen, dich selbst zu erkennen, deine eigene Wahrheit zu entdecken. Nur wenn du dich fragst “Wer bin ich?”, wirst du die Antworten in dir selbst finden. Antworten, von denen du erwartet hast, dass andere sie dir geben, die du aber in Wirklichkeit selbst herausfinden musst.

Dieser Prozess ist jedoch etwas komplizierter als eine Frage. Du musst dich selbst kennenlernen, und zwar in der Tiefe und auf eine völlig aufrichtige Weise. Dafür gibt es nichts Besseres, als etwas zu tun, das dir Freude bereitet, wie zum Beispiel lesen, spazieren gehen oder den Strand genießen. Die gewählte Einsamkeit ist dein Begleiter.

Natürlich kannst du auch um eine Meinung oder einen Rat bitten. Das Bild, das andere von dir haben, kann dir sehr interessante Hinweise geben und dir helfen, dein wahres Ich zu entdecken. Aber du musst vorsichtig sein, denn was andere über dich denken, definiert dich nicht immer.

“Man muß sich selbst erkennen. Alles Unglück in der Welt kommt daher, daß man nicht versteht ruhig in einem Zimmer zu sein.”

Blaise Pascal

Zum Schluss musst du dich an etwas sehr Wichtiges erinnern: Du hast die Möglichkeit zu wählen, was für dich am besten ist, wenn du dich selbst kennst. Wenn du weißt, wer du bist, ist es einfacher zu definieren, was du willst, und du triffst mit größerer Wahrscheinlichkeit bessere Entscheidungen.

Die wahre Reise zur Erkenntnis ist die Selbsterkenntnis. Du kannst viel über die Welt um dich herum wissen, aber du musst es in den logischen, formalen und rationalen Kontext einordnen, der deine eigene Identität formt. Bist du bereit, die Frage “Wer bin ich” zu beantworten?

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