Wenn wir nicht scheitern, haben wir es nicht versucht

30. Dezember 2016 en Psychologie 327 Geteilt

Wir scheitern, wir versuchen es erneut und machen vielleicht wieder Fehler. Auf diese Weise lernen wir, können aber letztendlich unsere Ziele erreichen. Alleinig durch das Ausprobieren entwickeln wir uns weiter, durch Versuch und Irrtum. Zu glauben, dass man besser bist, weil man keine Fehler macht, ist ein törichter Denkansatz.

Erfolg kommt nicht ohne eine gesunde Portion Stolpern und Stürzen daher. Diese Fehlschläge zeigen dir, welchen Weg du nicht einschlagen solltest und dass es besser ist, eine Alternative zu wählen. Was wäre geschehen, wenn Thomas Edison es leid geworden wäre, als beim hundertsten Versuch seine Glühbirne immer noch nicht funktionierte? Er hatte Erfolg nach 999 Fehlschlägen. Er scheiterte wieder und wieder. Aber anstatt zu denken, dass er nicht fähig sei, seine Fehler zu beheben, erkannte er, dass jeder dieser Fehler ausschlaggebend für die Entwicklung des künstlichen Lichtes war, welches wir heute in unseren Häusern genießen (und das noch viele Male durch Versuch und Irrtum weiterentwickelt wurde).

Scheitern, hinfallen und es nochmals versuchen – so können wir wichtige Dinge in unserem Leben erreichen. Bereits nach dem ersten Versuch das Handtuch zu werfen, erreicht zwar, dass wir nicht erneut versagen werden. Aber auch, dass wir nichts Lohnendes oder Interessantes erreichen werden. Welches von beiden bevorzugst du?

„Wer scheitert, hat einen geringeren Wert als Mensch.“

Glaubst du, das ist wahr? Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört! Leider ist Perfektionismus eine Haltung und Lebensweise der heutigen Welt. Es gibt wenig Spielraum für Fehler, wenig Geduld, um unser stärkstes, kreativstes Werkzeug zu entwickeln: Versuch und Irrtum.

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Wir werden von Kindesbeinen an bewertet und benotet. Wir werden motiviert, wettzueifern und jedes Mal 100% zu erzielen. Anstatt sich über die Erkenntnis zu freuen, dass wir uns auf dem falschen Pfad befinden und somit die Chance sehen, einen besseren zu wählen, werden wir dafür bestraft. Dann hören wir Urteile wie: „Du bist nicht gut darin“, „dir ist Mathe immer schon schwergefallen, es liegt dir einfach nicht“, „du machst deine Arbeit schlecht, du wirst es nie lernen.“

All diese Worte schmälern dein Selbstwertgefühl und allmählich fängst du an zu glauben, dass du keine Fehler mehr machen solltest, dass du in allem was du tust, kompetent sein solltest. Wenn du etwas nicht kannst, dann bist du nichts wert. Du bist ein Versager und dir ist ein mittelmäßiges Leben vorherbestimmt.

Wenn du diese Worte liest, mag das für dich wie eine Übertreibung klingen, da du dich vermutlich in einem ausgeglichenen Gemütszustand befindest, wenn du diesen Artikel liest. Ist jedoch unsere Geduld am Ende, fällt es den meisten von uns schwer, diese Verurteilungen als solche zu erkennen.

Persönlicher Wert hat nichts mit Leistung in irgendeinem Lebensbereich zu tun. Menschen sollen dafür geschätzt werden, dass sie Menschen sind, nicht für das, was sie haben, was sie tun oder was sie erreicht haben.

Unsere irrationalen Gedanken lassen uns leiden, wenn etwas schiefläuft, sodass wir unsere Ziele, Vorhaben und Hoffnungen aufgeben. Auf diese Weise retten wir uns vor einem potentiellen Versagen, was gleichzeitig unseren Selbstwert wieder ins Stocken geraten lässt.

Sei nachsichtiger und weniger fordernd mit dir selbst. Vergiss dieses Hirngespinst, perfekt zu sein. Es ist menschlich, zu verfehlen, wir sind von Natur aus so beschaffen. Es ist normal und es wird immer so sein. Nirgendwo steht geschrieben (außer vielleicht in deinem Verstand), dass Scheitern Dummheit bedeutet. Das gilt genauso wie die Tatsache, dass etwas gut zu machen und erfolgreich zu sein, dich nicht definiert oder deinen Wert bestimmt.

Du kannst entweder scheitern oder untätig bleiben

Du entscheidest. Wenn deine Angst, zu scheitern, so groß ist und dich davon abhält, aufzustehen und es nochmal zu versuchen, wird es auf lange Sicht womöglich schlimmer. Der Gedanke, dass du nichts wert bist, wird sich nur verstärken. Denn du verdammst dich selbst genau zu dem Schicksal, vor dem du dich so fürchtest: deine eigenen Ziele nicht zu erreichen.

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Bleibst du untätig, wirst du dich kurzfristig besser fühlen, denn du musst dich nicht weiteren Fehlschlägen aussetzen oder der Kritik anderer, auch nicht dem harten Urteil, dass du womöglich von dir selbst erhieltest. Du kannst dich vor all dem schützen, wenn du die Chance nicht ergreifst und ein Hinfallen vermeidest. Allerdings wirst du viele wichtige Erfahrungen versäumen, wie beispielsweise zu lernen, Hürden zu überwinden und dich selbst zu weiterzuentwickeln und zu verbessern. Und du wirst es dir äußerst schwermachen, Belohnungen für deine Bemühungen zu erleben.

Passivität ist ein Verhalten, das durch Angst hervorgerufen wird. Sie bewirkt, dass du dich selbst täuschst. Triff die Entscheidung, ein Risiko einzugehen. Sei mutig und scheitere! Es ist nichts Schlimmes, so wie man es dich gelehrt hat, zu glauben. Es ist sogar von Nutzen, denn es ermöglicht dir, zu lernen und dich zu verbessern. Nichts Schreckliches wird passieren, wenn du einen Fehler machst, also werde aktiv!

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