Wenn grausame Menschen so tun, als ob sie gut seien

· 1. Juli 2017

Es gibt viele grausame Menschen auf dieser Welt, die sich als gute Menschen tarnen. Diese Leute verletzen andere und greifen sie an. Dabei erpressen sie emotional im Stile eines Niccolò Machiavellis, die auf Furcht, Aggression und Schuld begründet ist. Sie benehmen sich freundlich, aber hinter der Fassade verbergen sie ihre tief liegenden Frustrationen und zugehörigen Gedanken.

Man sagt, dass Menschen anderen Menschen Leid zufügen, weil sie selbst verletzt wurden. Oder auch, dass diejenigen, die verletzt worden sind, anderen Leuten Verletzungen beibringen werden. Obwohl diese Vorstellungen einen wahren Kern haben, gibt es da noch einen weiteren Aspekt, den wir nicht immer gern zugeben: Das Böse existiert. Manchmal gibt es biologische „Bauteile“ in grausamen Menschen, die sie dazu neigen lassen, ein bestimmtes, aggressives Verhalten an den Tag zu legen.

„Es gibt kein Übel, das grausamer ist als das Übel, das aus der Saat der Freundlichkeit erwächst.“

Baldassare Castiglione

Der Wissenschaftler und Schriftsteller Marcelino Cereijido weist darauf hin, dass es zwar so etwas wie ein böses Gen nicht gäbe, dafür aber gewisse biologische und kulturelle Umstände, die förderlich für böses Verhalten seien. Das Erkennen solcher Züge wird dadurch erschwert, dass wir dazu neigen, Verhaltensweisen mit einem Etikett zu versehen und als krankhaft darzustellen, obwohl sie in keinem diagnostischen Handbuch so einfach nachgeschlagen werden können.

Böse Taten können ausgeführt werden, ohne dass dem eine Krankheit zugrunde liegen muss. Wir sind alle schon Menschen begegnet, auf die diese Art Profil passt. Menschen, die uns Komplimente machen und uns ihre Aufmerksamkeit schenken, die sich gut anpassen und die erfolgreich sind. Aber im privaten Bereich werfen sie lange, dunkle Schatten. Die Leere in ihren Herzen beherbergt Grausamkeit, Apathie und sogar Aggression.

Grausame Menschen und das moralische Molekül

Wie wir bereits sagten, kann niemand bisher die Existenz eines „bösen“ Gens bestätigen. In den letzten Jahren wurden jedoch einige Untersuchungen zum sogenannten „moralischen Molekül“ angestellt. Damit wir besser verstehen, was das ist, schauen wir es uns im Kontext einer wahren Geschichte an. Einer schrecklichen Geschichte, die traurigerweise kein Einzelfall ist.

Hans Reiser ist ein Programmierer aus den USA, der das ReiserFS Mehrzweck-Dateisystem entwickelt hat. Seit 2008 sitzt er hinter Gittern, weil er seine Frau umgebracht hat. Er hatte keine Gewissensbisse, gestand den Mord und führte die Polizei zur Leiche seiner Frau Nina. Eine interessante Tatsache ist, dass dieser Programmierer hochbegabt ist. Er besuchte schon mit 15 Jahren die Universität.

Nachdem er einen kurzen Prozess hinter sich gebracht und seine Strafe im San Quentin State Prison angetreten hatte, entschloss er sich dazu, sein Berufungsverfahren selbst vorzubereiten. In fünf mit der Hand verfassten Seiten brachte er vor, dass sein Gehirn anders arbeite als das der meisten Menschen. Er wusste, dass Studien über das Hormon Oxytocin angestellt werden und argumentierte mithilfe dieser. Gemäß seiner eigenen Aussage sei er mit einem Gehirn ausgestattet, das das sogenannte moralische Molekül nicht erzeuge. Es fehle ihm daher an Empathie.

Wie vermutlich erwartet, änderte dieses Argument nichts an seiner Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Es entfachte allerdings erneut die Diskussion um den Ursprung des Bösen. Heute gilt die Tatsache als bestätigt, dass es sich bei Oxytocin um das Hormon handelt, das uns im moralischen Sinne des Wortes menschlich macht. Weil Oxytocin ausgeschüttet wird, gehen wir respektvoll miteinander um, kümmern um uns andere und verhalten uns ihnen gegenüber empathisch.

Wie man sich selbst vor versteckter Grausamkeit schützt

„Die Welt ist ein gefährlicher Ort, nicht wegen der Leute, die böse sind, sondern wegen der Leute, die nichts gegen das Böse unternehmen.“

Albert Einstein

In unserem täglichen Leben haben wir es nicht immer mit Leuten zu tun, die so grausam sind wie die gerade beschriebene Person. Wir werden jedoch zum Opfer anderer Arten der Interaktion: falscher Freundlichkeit, versteckter Aggression, Manipulation, subtiler Selbstsucht, schädlichem Sarkasmus, etc.

Diese Verhaltensweisen können das Ergebnis verschiedener Ursachen sein. Vielleicht fehlt es der entsprechenden Person an emotionaler Intelligenz. Vielleicht ist sie in einer nicht-emotionalen Umgebung aufgewachsen oder leidet – warum sollte man das ausschließen – an einem Oxytocinmangel. All dies können Gründe sein, warum sie ein hohes Aggressionspotenzial aufweist. Was auch immer der Auslöser sein mag, es ist wichtig, im Auge zu behalten, dass sich Aggression nicht nur auf körperlichen Missbrauch bezieht: Emotionale, instrumentelle und verbale Aggression bemerkt man vielleicht weniger, weil sie sich schwerer nachweisen lassen. Wir sind dennoch gezwungen, uns öfter dagegen zu behaupten als gegen physische Aggression.

Wie erkennt und vermeidet man grausame Menschen

Jeder kann zum Opfer grausamer Menschen werden. Es ist gleichgültig, wie alt du bist, welchen sozialen Status du innehast oder welche Erfahrungen du bisher im Leben gemacht hast. Diese Leute halten sich in unseren Familien, an unseren Arbeitsplätzen und in jeder anderen Situation auf. Aber es gibt viele Möglichkeiten, sie zu erkennen.

  • Eine Person, die Dunkelheit im Herzen trägt, wird versuchen, dich mit Lügen zu fassen zu kriegen. Sie tarnt sich mit schönen Worten und edlen Taten, aber Stück für Stück wird sich die Erpressung dahinter offenbaren. Und darauf folgt Furcht, Schuld und mentaler Missbrauch.
  • Es gibt nur eine Option, diese Kunstgriffe zu kontern: Du tolerierst sie einfach nicht. Es ist völlig gleich, ob es sich dabei um deine Schwester, den Partner oder Kollegen handelt. Leute, die dein Gefühl der Ruhe und dein Gleichgewicht stören, haben nur eines im Sinn, nämlich dein Selbstwertgefühl auszulöschen und dich zu kontrollieren.
  • Du wirst dich ganz deutlich so fühlen, als ob die Situation ausweglos sei und sie dich unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Denke jedoch daran, dass „die mächtigste Person diejenige ist, die ihr eigener Herr und Meister ist“. Also musst du ihr Spiel, dich zu dominieren und dafür Aggression einzusetzen, energisch vereiteln.

Spiele, wo es darum geht, den anderen zu beherrschen, und weil die Anwendung von versteckten Aggressionen sehr komplex ist, musst du schnell handeln, die Fallen aufdecken und auf verhüllte Drohungen reagieren. Ab dem Augenblick, in dem du dich aufregst oder dich angesichts gewisser Verhaltensweisen unwohl fühlst, bleibt nur eine Möglichkeit: Du schaffst Distanz zwischen dir und der betreffenden Person.