5 Anzeichen unterschwelliger Aggressionen

· 4. September 2016

Was Aggressionen angeht, gibt es zwei grundlegende Typen: offene und unterschwellige. Bei offenen Aggressionen zeigt sich das aggressive Verhalten direkt und spürbar. Sie sind für jeden offensichtlich. Im Falle der unterschwelligen Aggressionen ist das aggressive Verhalten subtiler und versteckter, also mit andere Worten verdeckt und täuschend. Und normalerweise geht mit ihnen ein gewisser Grad an Manipulation einher.

„Es gibt drei grundlegende Gifte: Leidenschaft, Aggression und Ignoranz.“

Pema Chödron

Der grundlegende Unterschied zwischen den beiden ist die Art und Weise, auf die die Intentionen des „Angreifers“ manifestiert werden. Unten zeigen wir 5 Anzeichen, die dir dabei helfen können, unterschwellige Aggressionen zu identifizieren.

1. Lügen: Wenn die Wahrheit zu groß für uns istVogel-aus-Kaefig

Dies ist vielleicht die offensichtlichste Form unterschwelliger Aggression und die üblichste Weise, Gewalt gegen einen anderen Menschen anzuwenden. Es ist die Tat, eine gewissen Wahrheit bezüglich der anderen Person zu verfälschen.

Wenn jemand etwas versteckt, entweder indem er eine Lüge erzählt oder einfach nichts sagt, könnte dies aufgrund von Angst oder dem Wunsch, die Wirklichkeit zu vermeiden, sein. Offensichtlich tut er das ohne Einverständnis oder Erlaubnis des Empfängers des aggressiven Verhaltens. Lügen können sowohl ernsthaft als auch milde sein, aber es sind doch immer Lügen. Wenn wie Wahrheit ans Licht kommt und die Aggression entdeckt wird, entsteht normalerweise ein Konflikt, ansonsten gäbe es keinen Grund für ein Missverständnis.

Dies zeigt, dass es Zeiten gibt, in denen die Wahrheit größer ist als wir selbst und uns am Ende einholt. Dies ist ein Teufelskreis, der in unzähligen sozialen Beziehungen präsent ist und sich negativ auf diese auswirkt und sogar gänzlich verschlingt.

2. Schuld: Die Opferrolle spielen

Dies geschieht, wenn wir in einem Konflikt die Rolle des „Opfers“ übernehmen. Wir fühlen uns – oder wollen uns so fühlen – als seien wir in Wirklichkeit das Opfer der Ungerechtigkeit, die dem Verhalten der anderen Person oder Gruppe von Menschen, die in die Auseinandersetzung involviert sind, zugrunde liegt.

Dies ist ein typischer Weg, sich der Verantwortung zu entziehen. Wenn wir uns selbst in den Kontext der Hilf- und Machtlosigkeit stellen, in dem die einzige Möglichkeit, den Kampf zu „gewinnen“ scheint, jemand anderem die Schuld zuzuweisen, dann scheint diese Möglichkeit überzeugender als die Wahrheit.

Das Skript lautet in etwa so: Wenn ich in dieser Situation wie ein Märtyrer aussehe, ob ich mir dessen bewusst bin oder nicht, werden andere Mitgefühl mit mir haben und jeder meiner Launen gehorchen.

Paradoxerweise ist dies der schwächste Weg, um der Stärkste zu sein: Jemand wird hierdurch in seiner Schwäche stärker, nicht in seiner Stärke. Sich andere Menschen schuldig fühlen zu lassen funktioniert scheinbar, und ist eine verdeckte Weise, andere anzugreifen und sie zu manipulieren.

3. Beschämung: Die Macht nutzen, andere klein zu machen

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Hier „entmenschlichen“ wir jemanden, vielleicht um uns selbst über ihn zu stellen oder diese Person lächerlich zu machen, während wir eine mögliche Ablehnung oder Groll ihr gegenüber verbergen. Es ist eine arrogante Macht, die sich die Schwächen, Fehler oder Defizite anderer zunutze macht.

Wann immer wir eine andere Person bloßstellen, treten wir auf sie, auf eine aggressive und sogar vernichtende Art und Weise. Wir tun dies entweder, weil wir uns besser als die andere Person fühlen wollen oder weil wir diese Person ablehnen. Oder manchmal sogar aus beiden Gründen.

Wenn jemand beispielsweise in der Öffentlichkeit verspottet wird, kannst du dich über diese Person lustig machen und es wie einen einfach Scherz erscheinen lassen, aber vielleicht ist es eigentlich viel komplexer als das: Der wahre Grund könnte der sein, selbst besser dastehen zu und den anderen angreifen zu wollen.

4. Verführung: Das Spiel mit dem Ego

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Hier schmeicheln oder beeindrucken wir andere Menschen für unsere eigenen Ziele: Wir verschaffen uns einen Vorteil aus ihren Schwächen, die generell mit ihrem Ego zusammenhängen, sodass wir unser Ziel erreichen können.

Die Aggression liegt hier nicht in der möglicherweise guten Zeit, die wir mit jemandem verbringen können, aber darin, mit dessen Gefühlen zu spielen, um die eigentlich Situation zu überspielen, in der man ein selbstsüchtiges Ziel oder verstecktes Motiv verfolgt.

Solch falsche Schmeichelei spielt mit der Ungewissheit des Egos, die ziemlich gewiss in einer Lüge, die die andere Person auf irgendeine Weise glaubt, liegt. Oder sie könnte sogar von einer angeblichen Wahrheit stammen, die übertrieben wird.

Dies ist ohne Zweifel ein lächerliches Spiel, das nicht gelingen wird, da beide Beteiligten verlieren. Diese Art der unterschwelligen Aggression wird genutzt, um Menschen zu manipulieren und zu behandeln, als seien sie Objekte oder Mittel zum Zweck.

5. Abwesenheit: Wenn du da bist, aber nicht präsent

In diesem letzten Fall scheint die Person weit weg von der Situation, dem Objekt oder Konflikt zu sein, obwohl sie physisch, mental oder emotional da ist. Sie verhält sich dann so, als sei ihr alles egal. Sie scheint zu denken: „Du kannst deine Meinungen und Beschwerden woandershin bringen.“

Dieses Verhalten kannst du an ihrer Einstellung, ihrem Schweigen, in der Art, wie sie die andere Person nicht direkt anschaut, ablesen. Sie spielen den Genervten beim Zuhören und sie hat keine Lust, dem, was die andere Person sagt, Aufmerksamkeit zu schenken; sie antworten einsilbig, mit nur wenigen Anregungen oder Argumenten bezüglich des Streitthemas.

Letztlich gilt es zu sagen, dass bezüglich unterschwelliger Aggressionen das Verhalten eines „guten Manipulators“ niemals offensichtlich sein wird.  Und dass jemand, der andere manipuliert, etwas zu verbergen hat; diese Person braucht etwas, das sie sich nicht selbst geben kann oder will.

Frau-Hirsch

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Jennifer Healy