Wer der Ursprung deiner Wut ist, hat die Macht über dich

20. Januar 2016 en Emotionen 1804 Geteilt

„Wer der Ursprung deiner Wut ist, hat die Macht über dich.“

Wenn du einmal genau darüber nachdenkst, ist da etwas Wahres dran, oder? Wenn eine Situation nicht so verläuft, wie wir uns das wünschen, oder wenn jemand nicht nach unseren Vorstellungen reagiert, uns das Verhalten oder die Worte einer Person missfallen, drücken wir dieses Missfallen für gewöhnlich mit folgenden Ausdrücken aus: „Du machst mich wütend!“ – „Du hast mir damit wehgetan!“ – „Du bringst mich auf die Palme!“

Aber wenn wir einmal genauer darüber nachdenken, so steckt hinter diesen Worten eine Botschaft, die besagt: „Du bist daran schuld daran, wie ich mich nun fühle.“ – „Du bist dafür verantwortlich, dass ich jetzt so reagiere.“ – „Du hast mich verletzt.“  Kurz: „Du bist schuld daran, dass es mir schlecht geht.“

Vorsicht

Verärgert uns jemand, so passiert dies aus dem einfachen Grund, weil wir ihm das gestattet haben. Denn in Wahrheit schreit in einer Situation, die uns Wut empfinden lässt, etwas in unserem Inneren: „Was du über mich denkst, ist wichtiger, als das, was ich selbst über mich denke.“  Erkennst du dich darin wieder?

In solch einer Situation machen wir unsere Gefühle von anderen, also von äußeren Umständen, abhängig und deshalb passt sich unsere Gefühlslage dementsprechend an.

Anstatt uns selbst für unsere Emotionen und Gefühle verantwortlich zu machen und in uns zu gehen, erscheint es uns einfacher, diese Last auf den Schultern einer anderen Person abzulegen. Denn eigentlich kann doch niemand ohne unser Wissen Wut in uns erzeugen oder?

Und es stimmt natürlich, dass all diese Last, die das Gefühl von Wut mit sich bringt, kompliziert und schwer zu bewegen ist, und das sogar noch mehr, wenn wir daran gewöhnt sind, die Schuld bei anderen zu suchen. Es ist selbstverständlich einfacher, jemanden zu beschuldigen, für unsere Wut verantwortlich zu sein, als zu sagen: „Ich selbst bin für meine Wut verantwortlich.“  Doch wenn wir uns so verhalten, werden wir nie zu uns selbst finden.

Verantwortung uebernehmen

Das passiert aus dem einfachen Grund, weil wir ab und an von unserem Ego geleitet werden, was uns allgemein dazu dient, herauszufinden, was wir besitzen, machen und wie wir uns wertschätzen.

Sobald wir uns von unserem Egoismus entfernt und getrennt haben, sind wir dazu in der Lage, mehr Verantwortung sowohl für unsere eigenen Gedanken und Handlungen als auch für unsere Gefühle zu übernehmen. Und niemand kann uns in irgendeiner Form Schaden zufügen, weil wir uns dann darüber bewusst werden, dass die Person, die wir wirklich sind, viel mehr wert ist als jegliche materielle Dinge, Taten oder Meinungen anderer.

Wir können uns also selbst helfen, indem wir uns vorstellen, dass, wenn uns jemand beleidigt oder etwas tut, das uns missfällt, dies einem Geschenk gleicht. Wenn wir es nicht annehmen, bleibt das Geschenk weiterhin bei der anderen Person. Doch wenn wir es annehmen, so besitzen wir es. Am Ende des Tages liegt die Entscheidung bei uns.

Demnach sind Beleidigungen, Provokationen oder sogar Handlungen unserer Mitmenschen also wie Geschenke, und wir sind es, die darüber entscheiden, sie anzunehmen oder eben nicht. Daher können wir unsere Entscheidung niemandem in die Schuhe schieben, wir können nur uns selbst für unsere Taten, unsere Wahl, verantwortlich machen.

Außerdem müssen wir bedenken, dass unsere schlechten Erfahrungen auch durch unser Ärgernis verursacht worden sein könnten, da Situationen anders verliefen, als wir sie uns zuvor ausgemalt hatten.

Ja Nein

Wir können weder Umstände noch Personen kontrollieren, aber unsere Antwort darauf sehr wohl. Aus diesem Grund können wir nicht ändern, was jemand zu uns sagt, oder uns in irgendeiner Art und Weise antut. Doch wir können selbstverständlich unsere Einstellung dahingehend ändern, wie wir dem Leben die Stirn bieten.

Verantwortung macht Angst, aber sie erlaubt uns, Herr über unser Leben zu sein.

Unsere Emotionen und Gefühle deuten zu können und sie selbst in die Hand zu nehmen, verschafft uns die Freiheit darüber, uns kennenzulernen und unsere Lebenseinstellung selbst zu bestimmen.

„Zu erkennen, dass ich selbst derjenige bin, der auswählt und entscheidet, welchen Wert eine Erfahrung für mich hat, ist etwas, das Bereicherung aber auch Angst mit sich bringt.“

Carl Rogers

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