Wenn es einen tief sitzenden Konflikt gibt

11. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Tief sitzende Konflikte - Ein Mädchen hält einen blauen Regenschirm, aus dem blauer Rauch quilt.

Konflikte beginnen mit einer Meinungsverschiedenheit oder der Ablehnung von Werten, Überzeugungen oder Interessen zwischen zwei oder mehr Menschen. Dabei ist der Mangel an Übereinstimmung kein Konflikt an und für sich; er ist lediglich die Ursache. Ein Konflikt entsteht, wenn die Meinungsverschiedenheit dazu führt, dass wir unseren Gegner ausschalten, übertrumpfen oder marginalisieren wollen.

Manchmal ist die Konfrontation verbal. Das Ziel hierbei ist, die andere Person zu überzeugen, die vorgebrachten Gründe zu akzeptieren und der eigenen Logik zu folgen. Bei anderen Gelegenheiten führen Konflikte zu direkteren Aktionen. Diese Aktionen können unmittelbare oder verdeckte Gewalt beinhalten. In allen Fällen ist das Ziel dasselbe: dass eine Position die jeweils andere besiegt.

Dennoch gibt es Umstände, unter denen keine der beiden Parteien gewinnen kann. In diesen Fällen gibt es drei mögliche Lösungswege:

  • Der erste besteht darin, Vergangenes auf sich beruhen zu lassen. Das bedeutet, dass die Gegensätze ignoriert werden und wir uns auf jene Dinge konzentrieren, die wir gemeinsam haben. Eine Variante dieser Lösung besteht darin, dass ein Kompromiss gefunden wird, welcher Elemente beider Seiten berücksichtigt.
  • Der zweite Lösungsweg besteht darin, Grenzen zu setzen und Abstand zu gewinnen. In diesem Fall beendet der Konflikt die Beziehung der Konfliktparteien.
  • Der dritte Weg besteht darin, trotz der Meinungsverschiedenheit gleichgültig und gelassen zu bleiben. Auf diesem letzten Weg wird das Problem zwar zunächst schwächer, endet dann jedoch in einem tief sitzenden Konflikt.

„Gewalt löst niemals Konflikte, noch mindert sie ihre dramatischen Folgen.“

Johannes Paul II.

Eine Frau wird von Rabenvögeln angeflogen, die sich auf ihren Armen niederlassenTief sitzender Konflikt

Konflikte schwelen weiter, auch wenn keiner der Beteiligten den anderen attackiert. Mit anderen Worten sind beide Seiten einander ebenbürtig, anstatt jedoch die Konfrontation auch auszutragen, bleibt die Meinungsverschiedenheit einfach bestehen. Das ist dem Umstand geschuldet, dass niemand gewinnen kann. Die Situation ändert sich daher nicht und bleibt ungelöst.

Diese Art von Szenario tritt nur auf, wenn starke Bindungen zwischen den Konfliktparteien bestehen. Wäre dies nicht der Fall, würden sich die Parteien von dem Problem distanzieren oder Maßnahmen ergreifen, um sich von der jeweils anderen fernzuhalten.

Auf der anderen Seite beinhaltet ein tief sitzender Konflikt eine ganze Reihe gemeinsamer Werte, Überzeugungen und Interessen. Deshalb ist diese Art von Problemen sehr häufig in romantischen Beziehungen, unter Freunden und innerhalb der Familie anzutreffen.

Wo immer Menschen sind, gibt es Konflikte. In der Tat sind viele Konflikte unlösbar. Wir lernen jedoch, mit ihnen umzugehen. Wir wissen, dass diese eine Person mit uns bei einem bestimmten Thema nicht einer Meinung ist, aber anstatt Öl ins Feuer zu gießen, beschließen wir, die Unterschiede nicht zu priorisieren. Das ist eine anpassungsfähige und gesunde Art, mit solchen Problemen umzugehen. Was jedoch nicht gesund ist, ist das Anheizen einer Meinungsverschiedenheit und immer wieder an die Grenzen zu gehen.

Gibt es eine Lösung für tief sitzende Konflikte?

Es gibt immer einen gewaltfreien Ausweg. Manchmal braucht der nur ein bisschen guten Willens. Ohne den Willen zur Lösung können selbst kleinste Meinungsverschiedenheiten eine Beziehung ruinieren. Es ist ein klassischer tief sitzender Konflikt, wenn beide Seiten mehr Wert auf ihren Standpunkt legen als auf eine gemeinsame Lösung. Sie gehen dann davon aus, dass es nicht möglich sei, der anderen Partei die eigene Überzeugung zu vermitteln.

Eine Gruppe von Forschern der israelischen Universitäten von Tel Aviv, Jerusalem und Herzliya ermittelte einige interessante Fakten über Konflikte. Sie betrachteten Personen, die tief in einen Konflikt verwickelt waren. In diesen Fällen verstanden sie die Argumente ihrer Gegner als Drohungen. Mit anderen Worten, sie fühlten sich, als ob das Einverständnis mit dem Gegenüber ein Angriff auf die eigene Position wäre. Sie hatten jedoch Angst, sich selbst zu opfern oder sich kleiner zu machen, als sie eigentlich waren.

Eine im Wald sitzende Frau hält eine Lichterkette. Dabei denkt sie über die Lösung tief sitzender Konflikte nach.

Vor dem Hintergrund dieser Entdeckung führten die Forscher einen Test durch. Sie führten einer Gruppe israelischer Fanatiker ein Video vor, dessen Inhalt sich auf ihre Überzeugungen bezog. Das gezeigte Material unterstützte ihre Ansichten über Palästinenser, aber es enthielt ebenfalls eine Verschärfung derselben. Zum Beispiel war von totaler Eliminierung, Degradierung und sogar Steinigung von Muslimen auf der ganzen Welt die Rede. Die Videos widersprach in keiner Weise den Überzeugungen der Studienteilnehmer. Im Gegenteil, sie haben diese noch auf die Spitze getrieben.

Das verblüffende Ergebnis der Studie war, dass diejenigen, die die Videos sahen, ihre Überzeugungen neu bewerteten. Mit anderen Worten, das Video öffnete ihnen die Tür zu Selbstkritik und Reflexion. Und die Forscher konnten belegen, dass die nachfolgende Änderung der Einstellung von dauerhafter Natur war. Psychologen nennen dies „das Gedankenparadoxon“: die Fähigkeit zuzugeben, dass zwei gegensätzliche Positionen nebeneinander existieren können. Denkst du, dass dies auch auf dein persönliches Leben zutrifft?

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