Wenn du lernst, effektiver um etwas zu bitten, erreichst du mehr

14, April 2017 en Psychologie 110 Geteilt

Bevor du die Kerzen ausbläst, wünsche dir etwas! – Das ist ein paradoxes Beispiel, bei dem wir jemanden auffordern, um etwas zu bitten. In diesem Fall ist der lodernde Docht einer Geburtstagskerze der Inbegriff der Magie der Wünsche. Häufiger treffen wir aber auf unsere alltäglichen Bitten, die von „Reich mir bitte mal das Brot“  bis hin zu „Hol du bitte heute die Kinder ab, weil ich es nicht schaffe“  reichen.

In der Kindheit wird uns von unseren Eltern beigebracht, beim Bitten „Bitte“  zu sagen und mit einem „Danke“  zu antworten, wenn uns die Umsetzung unserer Bitte zufriedenstellt. Doch wir bitten noch früher, beispielsweise wenn wir mit dem Finger auf die Wasserflasche oder das Spielzeug zeigen, an das wir nicht herankommen.

Dieser Artikel befasst sich mit einer Handlung, die Teil unseres alltäglichen Lebens ist, die wir in jedem Bereich unseres Lebens antreffen und die uns von klein auf beigebracht wird, die wir aber für gewöhnlich nicht korrekt angehen. Wenn wir nicht effektiv um etwas bitten, ist die wahrscheinliche Konsequenz daraus, dass wir nicht das erhalten, was wir erstreben, und schon allein aus dem Grund ist es es wert, zu lernen, effektiv um etwas zu bitten.

Die Umstände einer Bitte

Was wir uns als Antwort auf eine Bitte erhoffen, ist ein Versprechen. Ein Versprechen, dass jemand unserem Wunsch nachkommt. Die meisten Bitten sind im Grunde genommen in dem Moment, in dem wir eine Antwort erhalten, keine mehr, was nicht das ist, worauf wir abgezielt haben.

Eine Bitte drückt aber auch ein Bedürfnis aus und zeigt somit eine gewisse Verletzlichkeit. Aus diesem Grund möchten viele Menschen nicht um etwas bitten. Sie möchten nicht herausfinden, in welchen Punkten sie sich selbst als schwach erachten und wobei sie Hilfe benötigen. Anstatt dessen ziehen sie es vor, zu versuchen, selbstständig einen Ausweg aus ihrer Situation zu finden.

Abgesehen davon gibt es sehr interessante Phänomene, die die Akzeptanz einer Bitte verbessern können. Eines dieser ist die sogenannte Fuß-in-der-Tür-Technik. Wer diese Strategie anwendet, zielt darauf ab, dass jemand anderer einer Bitte nachkommt, die er ihm eigentlich ausschlagen würde, wenn er sie direkt formulierte. Aus diesem Grund kommt er erst mit einer kleinen Bitte, danach mit einer größeren zum anderen, und so geht es sukzessiv weiter, bis er seinen eigentlichen Wunsch vorbringt:

„Wir sind heute nicht daheim. Könntest du am Mittag nach dem Haus sehen und schauen, ob alles in Ordnung ist?“
„Natürlich!“
„Wenn du schon dabei bist, würde es dir etwas ausmachen, mit dem Hund etwas laufen zu gehen?“
„Ähm, okay.“

Eine andere Art der Überzeugungstechnik basiert auf dem umgekehrten Verfahren. Dieses Mal beginnt derjenige, der eine Bitte hat, damit, um etwas zu bitten, von dem er weiß, dass der andere das nicht tun wird, um daraufhin eine viel kleinere Bitte zu formulieren, die im Grunde genommen das beinhaltet, woran er interessiert ist.

„Mach bitte die Küche sauber und sauge dein Zimmer durch, bevor du gehst.“
„Ich kann nicht, ich habe dafür keine Zeit.“
„Gut, dann geh wenigstens mit dem Hund raus bevor du gehst.“
„Ja, gut.“

Bevor wir uns mit den vier Bestandteilen einer effektiven Bitte auseinandersetzen, müssen wir zuerst zwischen ihr und einer Beschwerde unterscheiden. Viele Menschen weichen einer Bitte aus, indem sie sich beschweren. Anstatt beispielsweise den Chef um einen besseren Bürostuhl zu bitten, beschweren sie sich ganz offen darüber, dass sie keinen guten Bürostuhl haben.

Einer der häufigsten Gründe, eine Beschwerde einer Bitte vorzuziehen, ist, dass wir uns beim Beschweren nicht verletzlich fühlen. Denn wir haben beim Bitten zuweilen Angst davor, dass uns unser Gegenüber als schwach abstempelt. Oder wir denken, dass man unserer Bitte nicht nachkommen wird und eine Beschwerde die letzte Chance ist, unserem Unwohlsein Ausdruck zu verleihen.

Die vier Bestandteile einer effektiven Bitte

Kommen wir nun zu den Bestandteilen einer effektiven Bitte. Zuallererst sollten wir unserer Bitte ein Subjekt zuschreiben. Die effektivste Bitte wird mit „ich“ oder anderen Subjekten und nicht unpersönlich formuliert: „Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir einen geeigneteren Bürostuhl genehmigen könnten.“  Auf diese Weise erfährt derjenige, der um etwas gebeten wird, um wen es geht und diese Person bleibt ihm im Gedächtnis. Außerdem ist es einfacher, nein zu einem unbestimmten Subjekt als zu einem bestimmten zu sagen.

Zweitens sollte die Bitte einen Empfänger haben. Also nicht: „Könnte sich jemand um diesen Stuhl kümmern? Und könnte jemand morgen meine Schicht übernehmen?“  Besser wäre es, zu sagen: „Peter, kannst du dich bitte um einen neuen Stuhl kümmern?“  So richten wir unsere Bitte an eine konkrete Person, die sich einfach angesprochen fühlen muss, weil sie direkt genannt wird. Dieser Aspekt ist auch bei Bitten auf beruflicher Ebene wichtig. Es ist immer besser, ausfindig zu machen, wer in Bezug auf unsere Bitte eine Entscheidung treffen wird und sie direkt an diesen Menschen zu richten, anstatt an das Unternehmen im Ganzen.

Drittens sollte unsere Bitte beinhalten, in welchem Zeitraum wir uns eine Antwort wünschen. Das passiert häufig bei Bitten oder Anfragen, die auf dem Postweg versandt werden. Diese sind viel effektiver, wenn wir konkret sagen, bis wann wir uns eine Antwort erhoffen. Außerdem wird so überhaupt erst klargestellt, dass wir eine Antwort erwarten.

Der vierte Bestandteil einer effektiven Bitte ist, dass sie klar formuliert werden soll. Es besteht ein Unterschied zwischen „Ich möchte, dass du dich gut benimmst“  und „Ich möchte, dass du dich während der Zeremonie ruhig verhältst und wenn sie vorbei ist, deine Cousinen und Cousins begrüßt“.  Mit der ersten Bitte macht sich das Kind selbst seine Vorstellungen darüber, was es heißt, sich gut zu verhalten, aber es kann nicht genau wissen, was von ihm erwartet wird. Das ist im zweiten Fall anders. Das ist sowohl bei der Erziehung, als auch im Erwachsenenalter und in jeglichem Lebensbereich wichtig.

Wie wir bereits gesagt haben, sprechen wir jeden Tag Bitten aus, aber wirklich gut sind wir meistens nicht darin. Die meisten unserer Bitten sind nicht eindeutig und teilweise gänzlich unverständlich formuliert, weil sich hinter ihnen verschiedene Ängste verbergen, nämlich die Angst vor Zurückweisung, die Angst davor, um zu viel zu bitten oder andere zu belästigen, oder die Angst vor einer Gegenbitte. Und es ist doch ein Stück weit so, dass uns außer einem Bitte und Danke niemand beigebracht hat, effektive Bitten zu formulieren. Ich hoffe, dass dir dieser Artikel dabei helfen wird!

Ich gehöre zur Generation des „Bitteschön“,
des „Dankeschön“ und des Respekts

Bitte und Danke sind zwei magische Wörter, die uns ganz
einfach viele Türen öffnen können… >>> Mehr

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