Die Spirale der Beschwerden

· 20. August 2016

Wie oft äußerst du am Tag Beschwerden? Halte einen Moment inne und denke darüber nach.

Jeder von uns hat normalerweise eine ganze Reihe von Beschwerden, die darauf warten, ausgesprochen zu werden. Wir beschweren uns über die Arbeit, über unseren Partner, über diesen einen Freund, darüber, wie wir zuletzt im Restaurant behandelt wurden… Diese Liste könnte ewig so weitergehen. Wenn man einmal in die Welt hört, könnte man glauben, so etwas wie Zufriedenheit gäbe es nicht.

„Wenn dein Unglück eine Lösung hat, warum beschwerst du dich? Wenn es keine hat, warum beschwerst du dich?“

Orientalisches Sprichwort

Sich zu beschweren ist eine Art Sucht in unserer heutigen Gesellschaft geworden. Es ist ein Teufelskreis. Nachdem man alles, was sich nicht gut angefühlt hat, über Bord geworfen hat, kehrt man zur Routine zurück, während die Beschwerden nach und nach begraben und vergessen werden. Doch nur bis sie bei dem nächsten „Auslöser“ wieder zurückkommen.

Es gibt Menschen, die das Beschweren zu einer Lebensform machen. Es gibt keinen einzigen Tag, an dem nichts passiert, worüber sie sich beschweren können.

Manchmal können wir Beschwerden dazu nutzen, um uns zu entladen, oder als eine Art Fluchtmöglichkeit. Doch das Problem kommt, wenn wir daran festhalten und es zu etwas Unverzichtbarem in unserem Leben machen. Auf diese Weise fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit auf das Negative.

Wenn wir darüber nachdenken, bringt uns die Spirale der Beschwerden nirgendwo hin. Im Gegenteil, sie lähmt uns. Der Psychologe Joan Garriga bestätigt das: „Sich zu beschweren senkt die Vitalität.“  Sich zu beschweren ändert weder eine Situation, noch die Menschen oder die Dinge. Es informiert nur andere darüber, dass wir mit der Realität nicht glücklich sind. 

Sich zu beschweren, löst keine Probleme, außer dass es eine Möglichkeit ist, ein bisschen Dampf abzulassen. Aber wenn sich das Beschweren wiederholt, dann bietet es uns nicht einmal mehr diese Befreiung, sondern ist einfach nur nutzlos und bietet keine Lösungen. Oder denkst du, dass sich die Situationen ändern, wenn du dich ständig beschwerst? Oder dass alles wie durch Zauberhand gelöst wird?

Manchmal zeigt das Beschweren auch einen Mangel von Eigenverantwortung gegenüber Personen oder Situationen, oder dass man es genießt, ein Opfer zu sein. Bestimmt kennst du jemanden, der sich ständig über seine Situation beschwert, aber nichts dafür tut, sie zu verbessern. Derjenige will nur darüber reden und sich auf das Negative fokussieren, ohne nach Lösungen oder Alternativen zu suchen.

Du musst daran denken, dass wir andere oder bestimmte Umstände für unser Unglück verantwortlich machen, wenn wir uns beschweren. Wir bleiben dann von jeglicher Verantwortung entbunden, als würde unser Wohlergehen von der Außenwelt abhängen. Und wir sind die Opfer unserer Realität. 

Sich zu beschweren stärkt einen nicht. Es ist ein Weg, sich der Verantwortung zu entziehen, wobei wir uns lähmen und die Zukunft blockieren. Wenn wir uns beschweren, erklären wir, dass die Dinge nicht so gelaufen sind, wie wir es uns vorgestellt hatten, oder dass die andere Person nicht so gehandelt hat, wie wir es wollten. Deshalb suchen wir nach einer Lösung. Doch eine Beschwerde wird nicht von der Außenwelt geklärt, sondern aus unserem Inneren heraus. Es bringt gar nichts, sich zu beschweren, wenn man danach nicht nach Lösungen oder Alternativen sucht. Manchmal reicht es auch schon, innezuhalten, zu beobachten und zu verstehen, was passiert ist. Es ist unsere Entscheidung, unsere Energie in das Leben zu stecken oder nach und nach zu sterben. 

Wir sollten uns selbst ehrlich fragen, was uns die Beschwerde bringt, oder ob sie uns erlaubt, das zu entdecken, was wir brauchen?

Heute gibt es eine Initiative im Internet, die vorschlägt, dass wir aufhören sollten, uns über alltägliche Dinge zu beschweren. Die Urheber dieser Bewegung, Blancpain und Pelgrims, beschreiben die Wichtigkeit und die Vorteile davon, wenn man einen Monat aufhört, sich zu beschweren. Einerseits werden wir dadurch glücklicher und andererseits bekommen wir ein tieferes Verständnis dafür, wie wir mit den Menschen kommunizieren, die uns umgeben, versichern sie.

Und du, könntest du einen ganzen Monat ohne Beschwerden leben?