Wenn du auf der Suche nach jemandem bist, der dein Leben verändert, schau in den Spiegel

· 9. Februar 2017

Wir verbringen unser halbes Leben damit, diesen besonderen, magischen und einzigartigen Menschen zu finden, der in unser Leben treten soll, um es zu verändern. Wir träumen von ihm, wir warten sehnsüchtig auf ihn, so wie wir den Trost für all diese schmerzlichen Gefühle herbeisehnen. Das tun wir so lange, bis wir ihn eines Tages finden. Wir schauen in den Spiegel und uns fällt auf, dass dieser jemand immer da gewesen ist: Wir sind dieser Mensch.

Wir könnten zweifellos sagen, dass viele von uns rationale Gelehrte sind. Wir sind Gelehrte der Tausend-Kenntnis- und Tausend-Fähigkeiten-Schule. Doch niemand hat uns das Leben mit samt der Selbstkenntnis, unserem Selbstwertgefühl und der emotionalen Intelligenz wahrhaft näher gebracht.

„Wer andere beherrscht, scheint stark zu sein; doch mächtig ist derjenige, der sich selbst kennt.“

Lao Tze

So seltsam uns das auch vorkommen mag, gibt es Menschen, die ihr Leben lang emotional auf der Suche nach ihrer Existenz sind. Sie suchen in anderen das, das sie bei sich selbst vermissen. Denn wer nicht seine gesamte innere Schönheit entdeckt hat, erwartet von anderen, dass sie es tun. Wenn jemand noch nicht gelernt hat, sich selbst zu erfüllen, lebt er wie ein ewiger Reisender auf der Suche nach Aufmerksamkeit und gibt sich mit Krümelchen der Zuneigung zufrieden, die seine innere Leere aber nur noch größer werden lassen.

Wir müssen verstehen, dass nicht immer jemand auftauchen wird, um uns unsere Ängste zu nehmen, unsere Leere zu füllen, unsere Unsicherheiten zu bekämpfen und um aus uns mutige Wesen zu machen. Auf Helden sollte man nicht warten. Helden werden geschaffen. Deswegen ist es notwendig, dass wir uns darüber klar werden, dass wir selbst als würdige und fähige Menschen, die ihren eigenen Weg ebnen, ausreichen.

Das gelingt uns nur auf eine bestimmte Art und Weise: Wir müssen uns selbst entdecken. Wir möchten dich dazu einladen, die dafür geeignete folgende Methode selbst auszuprobieren.

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Der positive Dialog mit dieser Person im Spiegel

Carl Rogers pflegte zu sagen, dass der Mensch wie eine einsame Insel sei. Manchmal sind wir weit davon entfernt, unsere Zeit zu investieren, um den Reichtum dieser persönlichen Bereiche zu entdecken und seine Vielfalt und Einzigartigkeit zu akzeptieren, lieber verstecken wir uns. Nur wenn ein Mensch dazu in der Lage ist, sich so zu akzeptieren, wie er ist, wird er auch dazu fähig sein, starke und solide Brücken zu anderen Inseln, zu anderen Menschen, zu errichten.

Um das zu erreichen, gibt es vier verschiedene hilfreiche Dialoge, die wir mit diesem wertvollen Wesen, das wir in unseren Spiegel sehen, aber nicht immer beachten, führen können.

„Ich bin allein und es gibt niemanden im Spiegel.“

Jorge Luis Borges

1. Der rationale Dialog

Um diese erneute Begegnung mit uns selbst zu begünstigen, müssen wir zuerst einen rationalen Dialog führen. Dieser Dialog gleicht einer Herausforderung und sein Ziel ist eindeutig: Er will uns wachrütteln.

Hierbei stellen wir uns grundlegende Fragen in Bezug auf unsere momentane Situation mit dem Ziel, viele dieser kognitiven Ablenkungen, die uns in unserem Inneren aufwühlen, ausfindig zu machen. Einige Beispiele dafür sind:

  • „Wieso sorge ich mich so sehr darum, bei anderen einen guten Eindruck zu hinterlassen?“
  • „Warum habe ich so viel Angst davor, meine Familie, meine Freunde, meinen Partner zu enttäuschen?“
  • „Wieso denke ich, dass man mich zurückweisen wird, wenn ich nicht dieses oder jenes mache?“

Um diesen inneren Dialog zu vereinfachen, sollten wir uns auch Fragen bezüglich unserer kurzfristigen und langfristigen Zukunft stellen:

  • „Wo möchte ich mich in einem Jahr sehen?“
  • „Was mache ich bereits, um das zu erreichen?“
  • „Was hindert mich daran, an diese Ziele zu kommen?“
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2. Der gütige Dialog

Der rationale Dialog dient dazu, die unangenehmen Wahrheiten in unserem Spiegelbild zu erkennen. Jetzt ist der richtige Moment gekommen, uns unsere Gefühle einzugestehen, die wir in diesem Moment verspüren. Wir sind uns vieler Enttäuschungen, tiefgründiger Ängste und enormer Frustgefühle bewusst geworden.

Der gütige Dialog sollte mit Sätzen geführt werden, wie:

  • „Bringe deine Gefühle zum Ausdruck und weine, wenn dir danach ist.“
  • „Habe keine Angst davor, deine Gefühle zu akzeptieren.“
  • „Du bist nicht schwach, weil du dich in diesen Momenten verletzlich fühlst. Stark ist derjenige, der den Mut hat, sich im Spiegel anzusehen und festzustellen, dass es ihm nicht gut geht, dass es Wunden im Inneren gibt, die schmerzen, und dass es notwendig ist, sich Erleichterung zu verschaffen.“

3. Die Stimme der Werte

Die wunderbare Person in unserem Spiegel weiß bereits, dass es Dinge gibt, die sie ändern sollte. Dass es persönliche Aspekte gibt, die man fördern sollte. Gleichzeitig haben wir anerkannt, dass es Sachen und Menschen gibt, die uns öfter traurig als glücklich machen. Unsere Gefühle zu akzeptieren und loszulassen, ermöglicht uns nun, die Dinge klarer und nüchterner zu sehen.

Nach diesem rationalen und emotionalen Erwachen, kommt nun ein wichtiger Moment. Was ist jetzt also der nächste Schritt bei dieser Entdeckung der eigenen Person? Wir müssen uns als nächstes daran erinnern, für welche Werte wir stehen.

Die Stimme der Werte ist sanftmütig und unserem Bewusstsein treu verbunden. Es sind unsere Wurzeln und wir sollten niemals gegen sie arbeiten. Um angemessen darüber nachdenken zu können, welche Werte für uns wichtig sind, können wir uns ein weißes Blatt zur Hand nehmen. Auf diesem machen wir uns eine Liste mit verschiedenen Spalten mit den folgenden Überschriften:

  • „Ich bin“
  • „Ich glaube“
  • „Ich bin gegen“
  • „Ich stehe für“

Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um diese Aufgabe zu erledigen und jede Spalte auszufüllen. Das kann sehr befreiend sein und Verwirrung beseitigen.

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4. Der motivierende Dialog

Sobald wir bei diesem Dialog angelangt sind, ist dieses wunderbare Wesen aus dem Halbschatten im Spiegel hervorgetreten und zeigt sich uns. Nun müssen wir nur noch unsere Arme öffnen und es in unsere Arme schließen, um eins mit ihm zu werden, eine mutige und entschlossene Person.

Der motivierende Dialog wird uns dabei helfen, unsere Ziele zu erreichen, unsere Gefühle und Werte in Einklang miteinander zu bringen. Wir müssen dazu in der Lage sein, gemäß unserer Gefühle mithilfe kleiner bestimmenden und positiven Sätzen für unser eigenes Ich zu handeln. Ein paar Beispiele hierfür wären:

  • „Heute werde ich dazu in der Lage sein, ja ohne Angst und nein ohne Schuldgefühle zu sagen. Es ist an der Zeit, mich frei und selbstsicher zu fühlen.“
  • „Ich werde das Beste von mir geben, ohne mich zu sehr von dem beeinflussen zu lassen, was andere sagen oder tun. Ich will nicht länger unnötig leiden.“

Zusammengefasst können wir sagen, dass dieser besondere Mensch, der in unserem Spiegel haust, sich danach sehnt, gesehen zu werden, eine Stimme zu bekommen und frei zu sein, um der Welt zu zeigen, was er kann. Ob wir es glauben, oder nicht: Dieser jemand kann vieles erreichen und einzig und allein diese Person kann unser Leben verändern.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Carlee Senior, Brent Hollynd Studio