Das Spiegel-Syndrom

· 24. August 2016

Die Gedanken und Gefühle, die wir haben, wenn wir in den Spiegel schauen, können die Art und Weise beeinflussen, wie wir mit anderen Menschen und auch mit uns selbst umgehen. Das sogenannte „Spiegel-Syndrom“ tritt häufiger auf, als wir denken.

Die Gewohnheit, sich im Spiegel anzusehen und genau zu untersuchen, reflektiert unser Bedürfnis, etwas über unseren Körper zu lernen und jegliche vermeintliche „Fehler“ zu finden, bevor andere sie entdecken. Das Spiegel-Syndrom bezieht sich auf eine Besessenheit mit unserem Spiegelbild und auf die Tendenz, es in unserem Kopf zu verzerren, bis wir Fehler entdecken oder die Fehler, die wir glauben zu haben, zu vergrößern. Man kann sagen, dass dieses Objekt, das wir in unserem Schlafzimmer, im Bad oder an irgendeinem Platz in unserem Haus haben, der Vermittler in einer Beziehung ist.

In den meisten Fällen ist die Beziehung zusammengesetzt aus einer „Person und ihrem Abbild“ ziemlich variabel. Sie kann sich aber in eine dauerhaft ungesunde Beziehung voller Probleme, Leiden, Schwierigkeiten, Sorgen und Streit verwandeln. Aber genauso wie wenn man mit jemandem zusammen lebt, müssen wir lernen, täglich mit unserem Körper zu leben und vor allem mit dem, was wir im Spiegel sehen, was nicht mehr als eine Projektion ist, die wir wahrnehmen.

„Spieglein, Spieglein an der Wand… wer ist die Schönste im ganzen Land?“ , fragte die böse Königin in Schneewittchen.  Sie tat das Unmögliche, damit sie sich selbst immer als jung und schön sehen konnte. In der Realität haben wir aber keine Zaubergetränke und Zaubersprüche, die uns glücklich machen. Der Brunnen der ewigen Jugend existiert nicht, aber es gibt die Möglichkeit, uns selbst so zu lieben wie wir sind und uns vor allem selbst zu akzeptieren, unabhängig vom Alter, den Kilos, den Falten oder der Größe. 

Das Spiegel-Syndrom wird dann krankhaft, wenn es zu Fällen von Bulimie und Magersucht kommt. Diese zwei Störungen sind bei Jugendlichen und vor allem bei Frauen sehr häufig. Egal wie dünn sie werden, die Mädchen (und manchmal auch Jungen) sehen sich selbst immer als dick und hässlich, ein Produkt der Verzerrung auf der kognitiven Ebene.

Wie kann man das Spiegel-Syndrom überwinden?

An erster Stelle musst du Voreingenommenheit und Vergleiche ablegen. Wir sind nicht besser oder schlechter als andere, nur eben anders. Dicker, dünner, größer, kleiner, hübscher, hässlicher… das sind nur willkürliche Beurteilungen. Der Stil verändert sich immer und auch die Schönheitsideale verändern sich ständig. Und wenn du das nicht glaubst, schau dir mal Gemälde an, die vor drei Jahrhunderten gemalt wurden.

Jeder von uns ist auf seine eigene Weise schön. Wir sind einzigartig und unersetzlich, die wunderbarsten Wesen der Schöpfung. Das bedeutet nicht, dass wir narzisstisch werden und unser Spiegelbild ständig bewundern sollten. Wir sollten nicht denken, dass wir über allem und jedem anderen stehen und immer zeigen, wie gut und schön wir sind. Vielmehr sollten wir lernen, uns selbst zu lieben und uns so zu akzeptieren, wie wir wirklich sind.

Auf der anderen Seite ist es wichtig, über sich selbst lachen zu können, über die Fehler, die wir machen und über das, was wir nicht mögen. Eine Prise Humor wird unser Leben immer erleichtern und die Beziehung, die wir mit unserem Körper und mit anderen Menschen haben, verbessern.

Es ist auch sehr wichtig, dass wir selbst unser eigener bester Freund und Komplize werden. Wenn du guter Laune, glücklich und zufrieden bist, kümmerst du dich dann wirklich um den Umfang deiner Hüften, deines Bauches oder um die Größe deiner Nase?

Als Schlüsselmaßnahme sollten wir uns selbst lieben, damit wir später andere und diese uns lieben können. Wenn wir uns selbst nicht respektieren, wird das niemand tun. Die einzige Person, mit der du dich vergleichen darfst, bist du und niemand anderes. Du kämpfst einfach darum, dich selbst jeden Tag zu verbessern, ein besserer Mensch zu sein und neue Fähigkeiten zu entwickeln. Du kannst analysieren, wie du gestern warst und wie du heute bist, doch du solltest dich nicht kritisieren, um zu wissen, was du tun musst, um voranzukommen.

Unser Körper ist ein Spiegelbild unseres inneren Zustands. Jenseits dessen, was mit Gesundheit zu tun hat, sollten wir uns keine Sorgen darüber machen, wie unser Körper aussieht. Bestimmt wirst du eine andere Wahrnehmung von deinem Spiegelbild haben, wenn du dich an einem Tag anschaust, an dem du traurig bist und es mit einem Tag vergleichst, an dem du dich glücklich fühlst.

Ab dem Moment, in dem wir uns genau so akzeptieren, wie wir sind, werden wir die Fähigkeit haben, über uns selbst und unsere Fehler zu lachen, ohne uns um über unser Spiegelbild zu kümmern. Das ist der Moment, in dem wir wirklich ausgeglichene und glückliche Menschen sind.

Wenn wir über uns selbst lachen können, dann haben wir auch die Fähigkeit, mit anderen zu lachen.