Sich nicht länger mit etwas Schmerzlichem herumzuschlagen, ist klug und nicht feige

4. Februar 2017 en Psychologie 0 Geteilt

Uns dafür zu entscheiden, stark zu sein und dem Schmerz die Stirn zu bieten, ist das Beste, was wir tun können. Aber manchmal geht diese Strategie nicht auf, wenn wir etwas immer wieder Revue passieren lassen und der Schmerz unaufhörlich wiederkommt. Einen Umstand zu vermeiden, der dich Kraft kostet und dich vor eine Herausforderung stellt, um das zu erhalten, was du verdienst, ist eine Flucht. Zu vermeiden, sich ständig in der gleichen schmerzlichen Situation wiederzufinden, die dich aufwühlt und es dir unmöglich macht, ein ausgeglichenes Leben zu führen, ist dagegen emotional intelligent.

Frei und stark zu sein, beruht auch auf der Tatsache, nicht zuzulassen, uns immer und immer wieder mit dem herumzuschlagen, das uns schlaflose Nächte bereitet oder uns wehtut. Stark zu sein, bedeutet, dich deinen Ängsten und Monstern zu stellen, z.B. der Angst vor Zurückweisung, weil wir uns so geben, wie wir sind. Und wir sind nun einmal, wer wir sind, mit unseren guten und schlechten Seiten. Deshalb ist es klug und nicht feige, uns nicht länger mit Schmerzlichem herumzuschlagen.

Setze dich nicht länger mit unnützem Schmerz auseinander, der dich daran hindert, zu wachsen

Humanpsychologen wie Carl Rogers erklärten bereits, dass es der Wunsch eines jeden menschlichen Wesens sei, sich selbst zu verwirklichen. Andere, wie Kelly, Royce und Powell, sprachen von der menschlichen Fähigkeit, ein aktiver Akteur zu sein, der seine Realität mit dem Ziel erschafft, sich der Welt anzupassen, und auch um seine eigene Individualität zu finden.

Diese Suche und dieser Erfahrungsprozess ist voller Leidenschaft, solange wir nach und nach das finden, das uns als Menschen wachsen lässt und wir nicht wie ein Roboter immer das Gleiche tun, vollkommen automatisiert, und wir kein einzigartiger und dynamischer Mensch sind, der sich mit der Zeit und den Umständen ändert.

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Der Ursprung von Depression und Angst ist manchmal die Regungslosigkeit. Eine Regungslosigkeit, die uns dazu bringt, zu denken, dass wir gegenüber dem, das wir nicht ertragen, unnötig stark sein müssten, um ein wertvoller Mensch zu sein. Neben dieser Überzeugung haben wir die Vorstellung, dass wir erfolgreich sind, wenn wir etwas überstanden haben und als Sieger hervorgehen.

Viele psychische Störungen treten auf, wenn wir nicht dazu in der Lage sind, „Es reicht!“ zu sagen. Etwas, das in einigen Situationen so einfach erscheint, aber für die Menschen unheimlich schwierig ist, die es vorziehen, sich auf einen unangenehmen Stuhl zu setzen, bevor sie sich bemühen, sich etwas zu stellen.

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Wir müssen auch mal „Es reicht!“  sagen

Wir leben in einer Welt, in der Glück längst kein Gemütszustand mehr ist, sondern ein Muss. Wir sollen glücklich und stark sein und vor allem sollen wir das auch zeigen. Dieses geschaffene Bedürfnis wird zu einem emotionalen Gefängnis, das nicht der komplexen psychischen Dynamik gerecht wird, die Bestandteil des menschlichen Wesens ist.

Eine der Komponenten dieser Dynamik ist das Missfallen und der Schmerz, den bestimmte Personen und Situationen bei uns auslösen. Wir Menschen fühlen Schmerz, wir werden ihn immer verspüren, aber ihn vermeiden zu können, wenn wir die Möglichkeit dazu haben, ist eine gesunde emotionale Strategie. Das heißt nicht, dass wir weniger stark oder stärker sind, sondern wir zeigen damit Intelligenz, um das zu vermeiden, von dem wir wissen, dass es uns stets geschwächt hat.

„Sei stark mein Kind, dieses Kind kann dir nichts, stelle dich ihm.“ – „Sei nach einer Trennung stark, du solltest dich darauf vorbereiten, deinen Ex mit einer anderen zu sehen.“ – „Sei stark und halte es aus, auch wenn dir das nicht gefällt, es wird sich lohnen.“ – „Beziehe jede Art von Mensch in dein Leben mit ein, auch wenn sie dir manchmal schaden, das Leben ist nun mal so.“ – „Du solltest dir die Verachtung deiner Familie nicht so zu Herzen nehmen, Blut ist Blut.“ – Jeder hat solche Sätze doch schon einmal gehört, oder?

Auch wenn das Leben so ist und schwierige Momente mit sich bringt, dürfen wir Stärke und Feigheit nicht mit diesen Begriffen definieren. Stärke hat mehr mit Aussagen zu tun, wie: „Ich muss es eines Tages schaffen, vor anderen einen Vortrag halten zu können, weil das für meine Arbeit wichtig ist“, „ich möchte, dass es mir heute gut geht und ich muss mich nicht am gleichen Ort wie mein Ex aufhalten, wenn ich noch nicht über die Trennung hinweg bin“, „ich werde gemeine Kommentare meiner Mutter in der Öffentlichkeit nicht länger schweigend hinnehmen“,  oder, „ich werde diesen Job kündigen, weil er mir meine letzten Kräfte raubt und das ist nicht das, was ich mir für mein Leben wünsche.“

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Für die meisten Menschen, für unreife oder egoistische Personen, hören sich diese Aussagen utopisch an. Doch die davor genannten Sätze führen dazu, dass uns schmerzliche und ungerechte Situationen noch viel länger verfolgen als wenn wir letztere aussprechen. Denn sie machen aus uns Menschen, die unglücklich mit ihrer Arbeit, dem Partner und Freunden sind. Menschen, die nicht dazu in der Lage sind, sich selbst zu verwirklichen, da sie es nicht verstehen, zwischen unnötigem und sinnvollem Schmerz zu unterscheiden.

Stärke falsch zu verstehen, bringt hinsichtlich der eigenen Gefühle feige Menschen hervor, die Talent und Leidenschaft vergeuden, weil sie sich an falschen Orten herumtreiben und mit den falschen Menschen. Denke daran, dass du nicht so viel Kraft aufbringen musst, um dich komplizierten Situationen zu stellen, wenn du klug handelst. Habe bitte nicht das Gefühl, ein Feigling zu sein, sondern sieh dich als jemanden an, der für etwas kämpft, das ihn stärker macht, und nicht für etwas, das ihn schwächt.

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