Humanpsychologie – was ist das?

· 6. November 2015

„Mir ist bewusst geworden, dass ich bereits tot wäre, wenn ich beständig, vorsichtig und statisch vor mir her leben würde. Deshalb akzeptiere ich die Verwirrung, die Unsicherheit, die Angst und die emotionalen Höhen und Tiefen – denn das ist der Preis, den ich bereit bin für ein fließendes, perplexes und aufregendes Leben zu zahlen.“

Carl Rogers

Das Hauptmerkmal der Humanpsychologie besteht darin, den Menschen als ein Ganzes anzusehen und zu begreifen, dass es verschiedene Faktoren gibt, die die psychische Gesundheit bestimmen. Diese sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren sind: unsere Emotionen, unser Körper, unsere Gefühle, unser Handeln, unser Denken, etc.

Was ist die Humanpsychologie?

Die Humanpsychologie ist ein Bestandteil der Psychologie, die Mitte des 20. Jahrhunderts als eine Alternative zu ihren Hauptgegnern dem Behaviorismus und der Psychoanalyse auftauchte. Sie gilt als eine Art Gegenantwort auf diese, um die Probleme des Menschen zu erklären. Sie bezieht sich dabei auf die mentale Gesundheit und weniger auf die Krankheit an sich.

Die Humanpsychologie rückt die mentale Gesundheit und die positiven Aspekte des Lebens in den Vordergrund. Sie betrachtet den Menschen als Individuum und das auf eine multidimensionale und persönliche Art und Weise.

Der Ursprung der Humanpsychologie liegt im europäischen Existenzialismus, den viele berühmte Philosophen prägten, zum Beispiel die im Folgenden genannten:

Jean Paul Sartre

„Der Mensch wird frei, verantwortungsvoll und ohne Ausreden geboren.“

Jean Jacques Rousseau

„Der Mensch ist von Natur aus gut, es ist die Gesellschaft, die ihn bricht.“

Erich Fromm

„Wenn ich bin, was ich habe und ich verliere, was ich habe – wer bin ich dann?“

Viktor Frankl

Der Mensch verwirklicht sich selbst in der gleichen Art und Weise, wie er auch selbst den Sinn seines Lebens bestimmt.“

Diese Wissenschaftler glauben daran, dass die Lebensbedingungen des Menschen auf der Freiheit, dem Lebenssinn, den Gefühlen und der Verantwortung beruhen. Sie betrachten das Individuum als jemanden, der eigenverantwortlich für sein Leben und seine Taten ist, fähig seinen eigenen Weg zur Freiheit hin zu finden.

Die wichtigsten Vorreiter der Humanpsychologie

Man könnte Abraham Maslow und Carl Rogers zweifellos als die wichtigsten Vorreiter der Humanpsychologie bezeichnen:

Abraham Maslow: Er ist vor allem für die Bedürfnispyramide nach Maslow berühmt, in der er die verschiedenen menschlichen Bedürfnisse hierarchisch in einer Pyramide aufführt. Die Pyramide beginnt unten mit den (philosophischen) Grundbedürfnissen und führt bis hoch zur Spitze, in der die Selbstverwirklichung zu finden ist. Dieses Konzept wurde von Maslow unter Berücksichtigung der Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse erstellt. Demnach zeigt sie die menschliche Entwicklung auf der Grundlage der Lebensimpulse auf.

Carl Rogers: Er hatte eine neuartige Vision von einer Therapiemöglichkeit, die eine engere Verbindung zum „Klienten“ (Begriff, der sich fest in der Psychologie als angemesseneren Ersatz für das Wort „Patient“ etablierte)  herstellen sollte.

In seinem Buch Klientenzentrierte Psychotherapie  erklärt er, wieso er herkömmliche Therapiemethoden ablehnt und durch seine eigene eine engere Bindung zu seinen Klienten aufbaut, die  ihnen bei der Selbstwahrnehmung und Selbstfindung helfen.

Sein Beitrag zur Psychologie war dank dieser Erkenntnis eine wahrhafte Bereicherung für diese Wissenschaft, da er der Meinung ist, dass das Individuum – der Mensch – in der Lage ist, mit seinen eigenen „inneren Waffen“ für ein Gleichgewicht in seinem Leben zu kämpfen.

Rogers ist davon überzeugt, dass Menschen, die sich schlecht fühlen, „eingeschlafen sind“ und sie sich selbst, dank ihrer inneren Weisheit, wieder aufwecken können. Der therapeutische Ratgeber dient als eine Art Leitfaden, um sich selbst seine eigenen Fragen zu beantworten. Denn seiner Überzeugung nach kann sich jedes Individuum selbst heilen und neu anfangen.

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Merkmale der Humanpsychologie

  • Sie beinhaltet eine breit gefächerte und tiefgründige Betrachtung der menschlichen Psyche, d.h. dass sie sich dadurch auszeichnet, dass sie den Mensch als Ganzen, global betrachtet. Jeder Faktor wird gleichgestellt: Gedanken, Körper, Gefühle, Geist und Seele. Die Aspekte sind alle miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Sie sind der Hauptpfad auf dem Weg zur Selbstfindung.
  • Die menschliche Existenz beruht auf dem Sein jedes einzelnen Individuums. Dies ist letztendlich ein sehr wichtiger und notwendiger Standpunkt, um Beziehungen aufzubauen und dabei den Kontext, in dem diese vorkommen, nicht aus den Augen zu verlieren, um sich als Mensch weiterzuentwickeln.
  • Der Mensch trifft seine eigenen Entscheidungen, die dazu führen, verantwortlich für sich selbst zu handeln und seine eigenen Potenziale auszuschöpfen.
  • Sie hat als Ziel, die persönliche Entwicklung zu vereinfachen. Der Psychologe dient nur als Werkzeug des jeweiligen Menschen. Mithilfe seiner eigenen Fähigkeiten kann er sich selbst verstehen lernen und sich weiterentwickeln.
  • Die Selbstverwirklichung ist dem Menschen angeboren. Der Mensch kann sich auf seine Weisheit verlassen, die in ihm schlummert. Jeder Weg hin zu Heilung liegt in seinen eigenen Antworten. Dafür muss er verstehen, dass er weder sein Umfeld noch die eigenen unterdrückten Gefühle kontrollieren muss.
Die Humanpsychologie konzentriert sich auf den Mensch als Ganzen. Sie versteht, dass jeder Aspekt, der den Menschen ausmacht, wichtig ist. Sie sieht ihn als Individuum, verantwortlich für seine eigenen Erfahrungen, fähig, seine eigenen Mittel zu erkunden, um sich weiterzuentwickeln, zu sich selbst zu finden und seine Potenziale zu entdecken.

„Die Grundlage des Wissensstandes ist die eigens gemachte Erfahrung. (…) Für die Erfahrung gibt es keinen Ersatz.“

Abraham Maslow