Auch gute Menschen haben das Recht, Grenzen zu setzen

· 2. Februar 2016

Gute Menschen machen keinen Betriebsurlaub oder haben bestimmte Öffnungszeiten. Niemand belohnt sie für das, was sie für andere tun, doch das wollen sie auch nicht. Sie sind aus einem sehr seltenen Holz geschnitzt, aber so verstehen sie die Welt und so ist ihr Herz nun einmal.

Ein guter Mensch zu sein bedeutet demnach nicht, naiv zu sein. Es heißt, eigene Werte zu besitzen, für die wir kämpfen und die uns gleichzeitig definieren, doch sobald wir uns verletzlich oder auf eine egoistische Art und Weise ausgenutzt fühlen, fängt etwas tief in uns an zu zerbrechen.

Wenn sich gute Menschen ihres Verhaltens von anderen beraubt fühlen und in dem Schatten des Egoismus ihrer Mitmenschen stehen, entsteht in ihnen selbst ein Schatten der Enttäuschung. Von diesem Moment an erwarten sie nichts mehr, weil sie nicht mehr an sich selbst glauben.

In Wahrheit ist unsere Situation noch viel komplexer, als wir uns das vorstellen. Wenn wir etwas aus freiem Willen geschehen lassen, dann werden wir von unserem Geist, von Spontanität und eigener Integrität geleitet. Aber wenn andere diese Prinzipien verletzen, um daraus einen eigenen Nutzen zu ziehen, so suchen wir die Schuld immer zuerst bei uns, anstatt diese manipulativen Persönlichkeiten dafür verantwortlich zu machen. Dieses Verhalten ist leider weit verbreitet.

Gute Menschen behaupten von sich selbst, naiv zu sein, zu viel zu geben, die Dinge oder Personen nicht einschätzen zu können. Und dieser gesamte negative Selbstschutzmechanismus untergräbt nach und nach unser Selbstbewusstsein auf eine sehr gefährliche Art und Weise. Schauen wir uns das doch einmal genauer an.

Gute Menschen – Gefangene ihrer eigenen Einstellung

Gefangene Frau

Wenn wir der Meinung sind, dass immer mehr Menschen unseren persönlichen Raum beanspruchen und wir nur noch hinten anstehen, so handeln wir für gewöhnlich nach ganz klassischen defensiven Strategien, um uns selbst zu beschützen. Wir gehen sogar noch weiter und machen andere für diese Situation verantwortlich. Doch im Fall von guten Menschen passiert dies nicht immer auf diese Weise.

Gute Menschen sind oftmals ihr eigener Sündenbock und machen sich selbst für dieses „Eindringen“ in ihren Lebensraum verantwortlich. Sie sehen sich selbst als zu vertrauenswürdig an und sind davon überzeugt, dass sie einen Teil ihrer selbst verlieren und ihre Prinzipien verraten würden, wenn sie die Mauern ihrer eigenen Burg zu hochziehen würden.

Das bedeutet nun also, dass wir alle ein gewisses Kontrollverhalten bzw. persönliche Grenzen brauchen, die es uns erlauben, eine notwendige Mauer um uns herum zu erbauen, damit wir nicht verletzt werden. Um dies einfacher zu verstehen, ist es wichtig, dass du die im Folgenden beschriebenen, einfachen Aspekte beachtest:

Grenzen zu setzen heißt nicht, dass du dich von deinem Umfeld distanzierst

Auch wir guten Menschen haben das Recht, Grenzen zu setzen und zu sagen „es reicht“, ohne als egoistisch hingestellt zu werden. Wir wissen ganz genau, dass unsere Mitmenschen daran gewöhnt sind, dass wir zu allem Ja und Amen sagen, verfügbar sind und sie stets mit einem Lächeln auf den Lippen empfangen.

  • Grenzen zu setzen wird dir dabei helfen, dich selbst und andere besser kennen zu lernen. Du solltest wissen, wie weit du gehen kannst, und von diesem Punkt aus sollten sich deine Mitmenschen an dich anpassen.
  • Sobald du klare Grenzen festgelegt hast, wirst du gesündere Beziehungen entwickeln.
  • Außerdem wird dies dir helfen, eine bessere Selbstkenntnis zu gewinnen.

Sogar die Liebe braucht ihre Grenzen

Schmetterlinge

Wenn jemand jetzt etwas anderes gedacht hat, dann irrt er sich. Gerade in Liebesbeziehungen, familiären Verhältnissen oder Freundschaften ist dies ein wichtiger Kontext. In Wahrheit ist es in diesen Beziehungen am schwierigsten auch einmal bestimmt und ruhig nein zu sagen, ohne uns darüber den Kopf zu zerbrechen, ob sich unser Gegenüber dadurch angegriffen oder verletzt fühlt.

Zu sagen „ich liebe dich“ sollte man nie mit „ich tue alles zu jedem von dir gewählten Zeitpunkt für dich“ verwechseln.

Eine Person zu lieben – sei es den eigenen Partner, einen Freund oder ein Familienmitglied – heißt gemäß unserer Prinzipien, frei zu handeln und zu wissen, dass wir in jedem Moment dafür respektiert werden.

„Nein“ sagen macht dich niemals zu einem schlechten Menschen

Bevor wir andere überzeugen, müssen wir zuerst uns selbst überzeugen. Wir müssen sagen, wenn etwas reicht, und dies mit bestimmter Stimme, ohne uns dafür minderwertig oder schlecht fühlen zu müssen. Stell dir doch nur mal vor, wie es wäre, wenn du Tag für Tag alles für jeden machen würdest. Dir würde im wahrsten Sinne des Wortes die Energie und dein Selbstbewusstsein geraubt werden, und irgendwann wachst du dann auf und musst feststellen, dass du nicht mehr du bist.

Irgendwann einmal würdest du an einen Punkt gelangen, an dem du wirklich jemandem helfen willst, dir aber schlichtweg die Kraft dafür fehlt. Du hast keinen Antrieb mehr, und schlimmer noch, du hast den Glauben an dich verloren. Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass gute Menschen ein Recht darauf haben, nein zu sagen. Das wird dir helfen, dich selbst als Menschen und deine Bedürfnisse besser zu verstehen, und gleichzeitig zeigst du dies auch deinen Mitmenschen.

Die Wichtigkeit der unsichtbaren Grenze zwischen dir und deinem Umfeld

Erleuchtende Sterne

Notwendige Mauern zwischen dir und deinen Mitmenschen zu errichten ist keinesfalls eine Grenze, die du von heute auf morgen ziehst, um sie zu bestrafen, und die dich von ihnen abschottet. Sie sollen genau das Gegenteil davon bewirken…

Sich selbst Grenzen zu setzen ist nicht mit dicken Mauern der Ablehnung zu verwechseln. Stell sie dir als eine Linie des Lichts vor, eine Linie der Energie, die du um deinen Körper herum ziehst, hinter der deine Energie, deine Emotionen und Werte Schutz finden.

Sie werden dir Sicherheit darüber bringen, voller Integrität zu handeln, um wahrhafte positive Beziehungen aufzubauen. Jeder, der dich wirklich liebt, wird diese Grenzen verstehen. Denn auch wenn gute Menschen für ihre selbstlosen Taten nichts im Gegenzug erwarten, brauchen sie doch Gegenseitigkeit und vor allem Respekt. Vergiss das niemals!

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Karen Jones Lee, Miranda Klark, Art Graphic Swit