Wenn die Selbstbefriedigung zum Problem wird

· 26. Oktober 2016

Die Sexualität ist eine bunte Welt voller Praktiken, Selbstkenntnis und Befriedigung. Die Selbstbefriedigung ist Teil dieser Welt und auf unterschiedliche Weise gewinnbringend für uns. Über sie gibt es viele Mythen, doch die Realität hat mit diesen fälschlichen Behauptungen nichts zu tun.

Die Masturbation ist kein egoistischer, unmoralischer Akt und wird auch nicht nur von Singles ausgeübt. Jeder, der geschlechtsreif ist, kann sich selbst befriedigen. Ganz gleich, ob man einen Partner hat oder sexuell unabhängig ist – die Selbstbefriedigung ist gesund.

Jedoch verhält es sich mit der Masturbation wie mit dem Alkoholkonsum. Ein oder zwei Gläser Wein am Tag können gesund sein, aber wenn jemand täglich eine Flasche Wein trinkt, bekommt er davon höchstwahrscheinlich Bauchschmerzen, Probleme im Alltag und kann sogar zum Alkoholiker werden.

„Die Tugend ist ein freigewählter Mittelzustand zwischen zwei Übeln: Mangel und Übermaß.“

Aristoteles

Ich kann nicht damit aufhören, mich selbst zu befriedigen

Für die meisten ist die Selbstbefriedigung etwas Gesundes und sie ist auch empfehlenswert. Im Allgemeinen wird häufig masturbiert, was den Alltag nicht belastet und sogar hilft, Druck abzubauen. Jedoch erlebt nicht jeder die Masturbation auf diese Weise.

In manchen Fällen kann die Selbstbefriedigung die Kontrolle über das Leben der Betroffenen haben und zu einer Sucht werden. Sie verbringen den Tag und Stunden damit, den Moment herbeizusehnen, ungestört zu sein. Sie ändern Pläne und Routinen, um intime Momente mit sich selbst zu haben und das verursacht ihnen Probleme.

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„Ich befriedige mich mindestens sechsmal am Tag selbst, aber wenn ich Spielzeuge benutze, kann das auch öfter passieren und daraus können zwölfmal täglich werden, vielleicht jede halbe Stunde. Ich habe wegen meiner Sucht acht Arbeitsplätze verloren und einige davon waren ziemlich gute Jobs, doch ich musste gehen, als sie Verdacht hegten.“

Aus dem Dokumentarfilm „No puedo parar de masturbarme“ (zu deutsch: Ich kann nicht damit aufhören, mich selbst zu befriedigen)

Manchmal tauchen wegen der Häufigkeit der Masturbation Probleme auf. Je öfter man sich täglich selbst befriedigt, desto mehr kann der Körper darunter leiden und die Masturbation kann sogar Schmerzen verursachen. In anderen Fällen entstehen die Probleme durch die Veränderung der Routine und des Alltags. Beispielsweise kann derjenige seinen Aktivitäten nicht mehr nachgehen oder bleibt  aufgrund des Bedürfnisses, sich selbst zu befriedigen, häufiger der Arbeit fern.

Wenn uns das Leben zu viel wird

Durch die Masturbation bauen wir Druck ab und erhalten Befriedigung. Manche Menschen benutzen sie auch, um Angst und Stress zu verringern, den sie in ihrem Leben verspüren. Auf diese Art und Weise empfinden sie Freude und sind nur für sich, was ihnen oft im Alltag fehlt.

„Der Schmerz war unerträglich und ich griff auf das beste Schmerzmittel zurück, das ich kannte: die Selbstbefriedigung. Ich isolierte mich. Für mich begann damit eine Zeit, in der ich sehr häufig masturbierte. Ich befriedigte mich zwischen 10 und 15-mal am Tag selbst. (…) Die Masturbation und die Fantasien waren die einzige Möglichkeit, diese so schmerzliche Realität und die Versagensängste zu ertragen.“

Die Sucht nach Masturbation (Geschichte von Josué). Ramiro Calderón

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Phasen, in denen mehr masturbiert wird, treten normalerweise in schwierigen Zeiten auf, zum Beispiel bei persönlichen Krisen, Beziehungsproblemen, in der Schwangerschaft oder bei Überbelastung am Arbeitsplatz. Diese Problematik verschlimmert all die Schwierigkeiten noch, da Betroffene immer tiefer in ein Labyrinth hineingeraten, aus dem sie nur schwer wieder einen Ausweg finden.

Brich dein Schweigen

Die Selbstbefriedigung ist noch immer ein Tabuthema. Betroffene machen das Problem einer übermäßigen Masturbation für gewöhnlich mit sich selbst aus, schämen sich und fühlen sich allein, weil sie sich nicht mit anderen über ihre Erfahrung austauschen können.

Um sich von diesem Unbehagen zu befreien, wird manchmal auf Hausmittel, Ratschläge von Freunden oder Übungen zurückgegriffen, die aber keine Wirkung haben oder sogar schädlich sein können. Zu versuchen, eine Lösung für dieses Problem zu finden und festzustellen, dass es einem nicht gelingt, kann zu noch mehr Angst führen und das Problem vergrößern.

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Es ist gesund und auch zu empfehlen, sich selbst zu befriedigen, aber für manche Menschen und in schwierigen Lebenssituationen kann daraus ein Problem werden, für das eine Lösung gefunden werden muss. Wenn du unaufhörlich daran denkst, zu masturbieren, wird das auf Dauer zu physischen Problemen führen oder wird dein Leben einschränken. Genau aus diesem Grund solltest du gleich jetzt dein Schweigen brechen und die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch nehmen.

„Die Sucht sucht nicht die Probleme und korrigiert sie: Sie lässt sie aus dem Nichts entstehen, ernährt sie und macht sie stärker.“

Aus dem Film „Un paso en falso“ (zu deutsch: Ein Fehltritt) von Harlan Coben

 

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