Wenn alles zurückzulassen die einzige Option ist

11. Juli 2017 en Psychologie 814 Geteilt

Manchmal ist die einzige Option ein Neuanfang. Und das ist kein Akt von Feigheit oder Aufgeben. Menschen, die sich dafür entscheiden, ihre Taschen zu packen und ihren Blick auf den Horizont richten, sind wirklich mutig. Denn schließlich hast du irgendwann keine Lust mehr auf dein zerbrochenes Herz und darauf, zu weinen, wenn niemand hinschaut. Bevor der Wind deine Seele davonbläst, musst du etwas Neues beginnen.

Alles zurückzulassen heißt nicht, alles zu vergessen, was du durchgemacht hast. Es heißt auch nicht, deine Identität aufzugeben. Es heißt einfach nur, dich selbst zu wandeln, deine Vergangenheit, Gegenwart und deine Sehnsüchte für die Zukunft zu integrieren. Und zwar so, dass ein einziges Wesen heranwächst, das dazu fähig ist, sich selbst zu erschaffen, anstatt sich mit dem Leid und dem Schmerz zufriedenzugeben. Genauso wie eine Sandburg am Rande des Meeres kann ein Leben in Misere nicht aufrechterhalten werden.

„Wenn du nicht den höchsten Berg erklimmst, wirst du nie den schönsten Ausblick genießen können.“

Pablo Neruda

Auf irgendeine Weise haben wir alle schon einmal Derartiges erfahren: das Gefühl, dass ein Teil deiner Umgebung seine Bedeutung verloren hat oder schlichtweg verwittert ist. Manche Menschen haben das verzweifelte Bedürfnis, Neues zu erfahren, während andere einfach nur Abstand von allem um sie herum gewinnen müssen, um ihre körperliche und/oder mentale Gesundheit zurückzuerlangen.

Was auch immer der Grund ist – ein Neuanfang ist niemals leicht. In deinem Gepäck befinden sich auch Angst und Unsicherheit und selbst dann, wenn dir dein Kopf sagt, dass du gehen solltest, fällt es deinem Herzen schwer, die Koffer zu schließen.

Der Neuanfang als Herausforderung, zu überleben

Oft weisen wir in diesem Blog darauf hin, dass der Mensch keine Veränderungen mag. Veränderungen beinhalten Risiken und stellen deshalb eine Herausforderung dar. In manchen Situationen warnen dich deine Gedanken, Emotionen und Instinkte daher vor dem Schritt in die Unsicherheit.

Ein Beispiel: Du erlebst intensiven Stress und deine fordernde Umgebung hat dich an einen kritischen Punkt gebracht. Anstatt mit diesem Druck umzugehen, lässt du dich von der Woge davontragen, mitten rein in noch mehr Stress. Aber eines Tages, wenn es an der Zeit ist, den Zug zur Arbeit zu erwischen, bewegen sich deine Füße in eine andere Richtung. Du beginnst, zu laufen und zu laufen, bis du, ohne zu wissen wie, an die Grenzen der Stadt gelangst. Dort kannst du Ruhe und dein Gleichgewicht wiederfinden. Du musstest entkommen. Plötzlich hat dein Überlebensinstinkt die Führung übernommen und dir das beschert, was du am meisten gebraucht hast, nämlich Abstand. Der Mensch, sein Geist, mag keine Veränderungen, aber denke daran, dass er alles tun wird, um zu überleben.

Der Gedanke, alles zurückzulassen, deutet auf ein Bedürfnis nach Pflege des Inneren hin, das du nicht ignorieren solltest.

Lasst uns auch die Geschichte von John Tierney betrachten, einem Journalisten der New York Times.  Er schrieb das Buch Willenskraft,  in dem er seine eigenen Erfahrungen mit Stress, Druck von außen und Angst beschreibt und das zu einem Bestseller wurde. Er hat erklärt, dass du dich selbst zerstören könnest, wenn du dich zu lange in Selbstkontrolle übest. In bedrückenden Situationen zu leben, bringe dich früher oder später an deine Belastungsgrenze. Dein Geist würde dich dann alarmieren, sodass du verstehen könntest, dass sich etwas ändern müsse, um nicht alles zu verlieren.

Finde das Leben, was für dich bestimmt war

Wenn das, was du gerade lebst, nicht das Puzzle deines Lebens passt, dann geh. Wenn du dich wie ein Fremder in deinem eigenen Leben fühlst, dann geh und finde dich selbst. Wenn deine Realität voller scharfer Kanten ist, fliege davon. Deine körperliche und emotionale Gesundheit werden es dir danken.

Nur du kannst die Entscheidung treffen, einen Neuanfang zu wagen. Für manche Menschen reicht es aus, kleine Veränderungen durchzuführen, um ihr Wohlbefinden zu verbessern. Für andere reichen diese graduellen Veränderungen nicht aus. Sie würden nichts erleichtern, heilen oder in Ordnung bringen. Sie müssen einen größeren Schritt tun, um Distanz zwischen sie und die Dinge, die sie einst definierten, zu bringen.

Im Folgenden bieten wir dir einige Strategien dazu an.

Tipps, um dein wahres Leben zu führen

Wenn du alles zurücklässt, dann musst du wissen, warum du das tust und welches Ziel du im Kopf hast. Wenn du ein Warum identifiziert hast, kannst du jedes Wie erkennen. Wenn du etwas ändern willst, dann tu es effektiv, sodass du der sein kannst, der du wirklich sein willst: jemand, der glücklich ist, die Kontrolle über sein Leben hat und Chancen nutzt.

Wenn du auf diesen emotionalen Wellen reitest, bedarf es der Selbstreflektion. Die beste Antwort darauf, was und was du nicht tun solltest, liegt in dir selbst. Niemand kann dir garantieren, dass dir eine Veränderung guttun wird, aber sie könnte das Beste in deinem Leben sein. Gehe also mit deinen Ängsten und Unsicherheiten um. Wie? Indem du sie zu Hoffnungen machst.

Alles zurückzulassen heißt nicht, dass du davonläufst. Deshalb solltest du dir sehr deutlich machen, warum du was tust. Übernimm die volle Kontrolle über dein Handeln. Sei selbstsicher bezüglich deiner Sehnsüchte und Bedürfnisse.

Nun erinnere dich schließlich daran, dass dein Ziel im Leben dein Wachstum ist. Du musst einen geeigneten Ort finden, um das zu tun, denn nicht überall ist die Erde so fruchtbar, dass du Wurzeln schlagen solltest.

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