Welche Spuren eine oftmals abwesende Mutter bei ihrem Kind hinterlässt

18. Juni 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Abwesende Mutter - trauriges Mädchen

Die Wärme, Aufmerksamkeit und Liebe unserer Mutter zu spüren, ist vielleicht eines der größten Bedürfnisse, das ein Mensch im Laufe seines Lebens verspüren kann. Es gibt nur wenige Dinge, die wir mehr brauchen. Die erste Angst, die wir kennenlernen, ist die Angst davor, die Mutter zu verlieren oder eine abwesende Mutter zu haben, die uns nicht hilft, wenn wir sie brauchen. Falls das passiert, gibt es so gut wie nichts auf der Welt, das dieses Gefühl kompensieren kann.

In diesen ersten Augenblicken unseres Lebens können wir akzeptieren und aushalten, was auch immer sie tut. Wenn sie uns hart kritisiert oder uns missachtet, sind wir dazu in der Lage, ihr im Handumdrehen zu vergeben. Wir wagen nicht einmal, zu hinterfragen, was sie uns angetan hat, sondern machen uns selbst Vorwürfe, dass wir sie wütend gemacht haben. Denn was wir in diesen ersten Jahren am meisten fürchten, ist, dass sie uns verlässt.

„Die Hand, die die Wiege schaukelt, ist die Hand, die die Welt regiert.“

William Ross Wallace

So sehr eine Mutter auch verfügbar sein mag, muss sie manchmal abwesend sein. Sie lässt uns manchmal allein, auch wenn nur für kurze Zeit. Aber wir geben uns nicht damit ab, denn in so jungen Jahren sind wir uns der Zeit nicht bewusst und wir wissen nicht, ob sie wiederkommen wird. Nach und nach lernen wir, mit diesen kurzen Phasen der Abwesenheit umzugehen, auch wenn sie Schmerz und Angst bedeuten.

Wenn unsere Mutter aus irgendeinem Grund nicht für kurze Zeit, sondern häufig lange abwesend ist, entsteht in unserem Herzen eine Wunde, die sich vielleicht niemals schließt. Und wenn eine Mutter völlig abwesend ist, ist der emotionale Schaden so groß, dass er in unserer Seele Spuren hinterlässt, besonders dann, wenn dies in den ersten sechs Lebensjahren passiert.

Eine abwesende Mutter

Es gibt Menschen die, wenn sie erwachsen werden, sich in jeglicher Situation unwohl fühlen, in der sie allein sein müssen. Wenn zum Beispiel niemand im Haus ist, entsteht in ihrem Inneren ein Brunnen der Angst, indem sie zu ertrinken drohen. Manchmal wirken diese Menschen sehr nett und normal auf andere. Der Grund dafür ist, dass sie gelernt haben, sich angemessen zu verhalten und so zu sein, wie es andere von ihnen erwarten. Doch wenn sie allein sind, fühlen sie sich wie kleine Kinder, die von ihrer Angst überwältigt werden.

Mutter steht mit ihrer Tochter auf einem Steg

Die Abwesenheit einer Mutter könnte auch die Ursache von Schlaf- und Essstörungen sein. Es kann sein, dass eine Mutter möchte, dass ihr Baby isst und schläft, und dass sie es manipuliert, ohne bedingungslos für es da zu sein. Nicht zu schlafen und zu essen kann hin und wieder zu einer Art Protest werden, mit dem das Kind von seiner Mutter Aufmerksamkeit fordert, obwohl derjenige, der am Ende dafür zahlen muss, das Kind selbst ist.

Eine oft und lang abwesende Mutter kann bei ihrem Kind eine starke Angststörung hervorrufen. Es verspürt Angst, wenn sie geht, aber auch, wenn sie zurückkommt, weil das Kind nicht weiß, wann sie wieder weggehen wird. Es gibt Mütter, die sich dieser Angst bedienen, um ihre Kinder zu kontrollieren: Sie drohen ihnen damit, sie zu verlassen, wenn sie nicht gehorchen. Das Kind hat somit keine Fluchtmöglichkeit, wenn es nicht auf eine gute Mutter zählen kann.

Welche Folgen es hat, wenn eine Mutter oft abwesend ist

Ein Kind, das mit einer abwesenden Mutter zusammenlebt, entwickelt ihr gegenüber ein Verhalten, das normalerweise diese Abfolge hat: Protest, Verzweiflung und Entfremdung. Die Abwesenheit führt dazu, dass keine Zuneigung entsteht, sondern lässt Gefühle aufkochen. Letztendlich folgt daraus, dass Gefühle der Liebe blockiert werden. Manchmal wird auch blinder Hass entwickelt, weil das Kind in diesen Teufelskreis aus ständigem Lieben und Verlieren hineingezogen wurde.

Schwarz-Weiß-Bild eines trauriges Mädchens am Boden

Eine abwesende Mutter kann einen distanzierten, wütenden und traurigen Menschen hervorbringen. Ihre Kinder lernen Stück für Stück und mit einer gebrochenen Seele, dass sie schlussendlich der Welt ganz allein gegenüberstehen. Um diese Situation zu überleben, die die Kinder als sehr gefährlich empfinden, setzen sie sich Masken auf: der Sympathische, der Gehorsame, der Rowdy aus der Nachbarschaft, der Unsensible etc. In ihrem Erwachsenenleben fällt es diesen Menschen schwer, anzuerkennen, was sich hinter dieser falschen Persönlichkeit verbirgt, die sie erfunden haben, um damit umgehen zu können, dass sie verlassen wurden.

Was sie im Grunde genommen durch eine abwesende Mutter verloren haben, ist das Vertrauen in andere. Auch die Hoffnung darauf, dass jemand auf ihre Bedürfnisse eingeht oder sie sogar liebt. Deshalb versuchen sie, was ihre Liebesbeziehungen im Erwachsenenalter anbelangt, Bindungen, die auf vollkommener Abhängigkeit beruhen, einzugehen, die aber jedes Mal scheitern. Darüber hinaus sind ihre Beziehungen zu anderen manchmal mit Argwohn erfüllt oder sie verlangen von ihren Mitmenschen Unmögliches.

Was eine abwesende Mutter hinterlässt, ist demnach ein Mensch, der lernt, Bindungen aufzubauen, die voller Wut, Angst und vor allem Misstrauen sind.

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