Essstörung durch Fressattacken

18. Januar 2016 en Psychologie 56 Geteilt

Wenn niemand sie sieht, macht sie sich auf zu ihrer besten Freundin, der Speisekammer: Schokolade, Kekse, Chips, alles geht. Sie isst mit Angst, schnell und gierig. Wenn sie fertig ist, übergibt sie sich niemals, sondern spürt nur große Gewissensbisse und Schuldgefühle, weil sie auf diese Weise gegessen hat.

Sie ist unsicher und muss sich als schlank ansehen, um sich gut zu fühlen. Immer wieder beginnt sie Diäten, die einen solchen Hunger verursachen. Ihr Körper ist ihr Gefängnis und ihre schlimmste Feindin ist sie selbst. Wenn sie nach Hause kommt, zieht sie ihre Schuhe aus, sieht sich im Spiegel an und spürt eine tiefe Traurigkeit, die nur gestillt werden kann, indem sie nichts mehr isst oder exzessiv isst. Sie ist in einer Spirale gefallen, aus der sie nicht mehr herauskommt, und das ist ihr größtes Geheimnis.

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Essstörung durch Fressattacken

Die Geschichte, die wir gerade erzählt haben, könnte von einer Person handeln, die an einer Essstörung leidet, in der es immer wieder zu Heißhungeranfällen kommt. Offiziell wird das Syndrom binge eating  genannt. Nur Spezialisten können diagnostizieren, ob du an dieser Störung leidest, die immer mehr Menschen betrifft. Normalerweise leiden mehr Frauen als Männer daran und es trifft mehr Menschen, die an Übergewicht leiden und die sich regelmäßig strengen Diäten unterziehen. Außerdem ist diese Krankheit häufiger als die Anorexie oder Bulimie.

Im Folgenden wollen wir die typischen Anzeichen dieser Essstörung zeigen.

  • Die Person nimmt eine große Menge an Essen in kurzer Zeit auf (Fressanfälle), obwohl sie keinen Hunger hat, bis sie sich voll fühlt und ihr schlecht wird. Der Angstzustand vor der Heißhungerattacke ist verantwortlich für diese Verhaltensweise.
  • Die Personen befriedigen dieses Verlangen immer heimlich, aus Angst oder Scham. Nachts, wenn niemand im Haus ist, nach einem hoch emotionalen Moment oder Ähnlichem.
  • Sie essen vor allem dann, wenn sie unter Druck stehen oder sich psychisch schwach fühlen.
  • Im Unterschied zu anderen Essstörungen wie der Anorexie oder der Bulimie, gibt es keine nachträglichen Methoden der Reinigung, wie sich zu übergeben, exzessiv Sport zu machen, fasten oder Ähnliches.
  • Normalerweise betrifft es Menschen, die an Stress, Angst oder Depression leiden, welche mit einer großen Unzufriedenheit mit dem Aussehen ihres Körpers, mit ihrem Gewicht, ihrem geringen Selbstbewusstsein oder anderen emotionalen Problemen verbunden sind
  • Die betroffene Person hat häufig unnormale Essewohnheiten mit regelmäßigen Gewichtsschwankungen.
  • Sie hat das dauerhafte Gefühl, dass sie einer strengen Diät folgen müsse, um abzunehmen. Je strenger die Diät ist, desto größer ist das Ausmaß der Unkontrolliertheit und des Durcheinanders.
  • Wenn die Person diese Verhaltensweise mindestens zweimal pro Woche in einer Zeitspanne von mindestens sechs Monaten zeigt, könnte sie an einer Essstörung durch Fressattacken leiden.

Selbstschutz

Wie können wir jemandem helfen, der an dieser Essstörung leidet?

Wenn wir entdecken, dass ein Freund, ein Verwandter oder sogar wir selbst am binge eating  leiden könnten, ist es am besten, so schnell wie möglich einen Psychologen oder Psychiater zu Rate zu ziehen. So jemand kann uns in verschiedenen Einzel- oder Gruppen-Therapien unterstützen, die mit einer Ernährungsberatung kombiniert werden. Nur ein Experte wird auch einschätzen können, ob der Patient eventuell eine Medikamentierung benötigt, um seine Impulse zurückzuhalten.

Diese Therapien versuchen, uns zu helfen, uns richtig zu ernähren, indem sie eine Essstörung bekämpfen, die unerwünschte Folgen mit sich bringen kann, und zwar sowohl für unsere psychische als auch für unsere physische Gesundheit.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Corepics VOF

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