Warum gerate ich von einer Beziehungskrise immer gleich in die nächste?

2. Juni 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Beziehungskrise - Zeichnung einer Frau, in gelb und rot gehalten, die sich auf die Nägel beißt.

Warum war es vorher anders? Irgendwann hast du dir diese Frage über den Zustand deiner Beziehung wahrscheinlich auch schon einmal gestellt. Sie weckt Zweifel, Misstrauen und Unsicherheit. Vor allem fühlt es sich für dich so an, als ob ihr – also dein Partner und du – in einer Dauerkrise wärt. Über eine Beziehungskrise sollte man sich jedoch nicht übermäßig den Kopf zerbrechen. Sie tritt dann auf, wenn eine Veränderung vonnöten ist, und das ist in jeder guten Beziehung dann und wann der Fall. Du solltest dir allerdings schon Gedanken darüber machen, wie du mit einer Beziehungskrise umgehen kannst.

Ertappst du dich dabei, der anderen Person die Schuld zu geben? Oder leugnest du, was da gerade vor sich geht? Dann könnte ein kritischer Blick auf dein eigenes Verhalten helfen. Eine weitere und nicht gerade zuträgliche Verhaltensweise liegt im Glauben, dass eine Krise das Ende deiner Beziehung bedeute. Genauso ungesund ist es, bestimmten Überzeugungen blindlings zu vertrauen. Besonders dann, wenn sie das Band, das dich mit deinem Partner verbindet, auf subtile Weise zerstören. Nach ein paar gemeinsamen Jahren in der Beziehung ist es ganz normal, dass sich Herausforderungen auftun. Einige davon hast du dir vielleicht nicht einmal im Traum vorgestellt. Aber das ist alles normal. Das Geheimnis liegt darin, mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Viele Paare schreckt die Veränderung sehr. Wenn die Beziehung nicht mehr dem Anfangsstadium entspricht und Veränderungen notwendig werden, könnte dies vielleicht eine Krise auslösen.

Glaubenssätze und Verhaltensweisen, die eine Beziehungskrise auslösen können

Romantische Beziehungen sind für uns überaus wichtig. Dennoch gibt es so manche Glaubenssätze und Verhaltensweisen, die ihnen ihr Überleben schwer machen. Durch sie kann eine schöne Sache zu einer schlimmen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Antworten auf folgende Fragen: Wie soll eine Beziehung deiner Meinung nach aussehen? Was ist für dich Liebe? Wie sollte sich dein Partner deiner Ansicht nach verhalten? Deine Vorstellungen üben einen Einfluss auf dich aus. Sie können demnach auch zum Auslöser einer Krise werden.

„‚Krise‘ beschreibt einen Zustand, dem eine Veränderung droht.“

Zitat aus der US-amerikanischen Fernsehserie „Webster“

Ein weiteres Beispiel ist die Tatsache, dass die meisten Leute es vorziehen würden, wenn die Flitterwochen nie zu Ende gingen. Wenn die Intensität dieser Phase nachlässt, kannst du in deinem Partner den Menschen erkennen, der er wirklich ist. Dann lösen sich die Erwartungen und Ideale in Luft auf. Dies kann durchaus in eine Krise münden.

Mann mit einer Sprechblase über sich, in der ein Herz zu sehen ist

Sobald du die Augenbinde der Verliebtheit abnimmst und feststellst, dass der besondere Mensch in deinem Leben nicht so perfekt ist, wie du ihn dir vorgestellt hast, versucht du, mit dieser Erkenntnis so gut wie möglich weiterzumachen. Um dir diese Aufgabe zu erleichtern, versuchst du womöglich, deinen Partner zu verändern. Du probierst, ihn deinen Idealen und Erwartungen entsprechend zu formen und in die gewünschte Richtung zu lenken. Das wird allerdings nicht funktionieren.

Allerdings ist das nicht das Gleiche wie deinen Partner genau so zu akzeptieren, wie er nun einmal ist. Du versuchst lediglich, diesen Menschen deckungsgleich zu deinen gedanklichen Vorstellungen zu machen. Wenn du dich so verhältst, könntest du deinen damit Partner verletzen. Dann kommt es zu Problemen. Denn wie würdest du dich fühlen, wenn jemand dein ureigenes Wesen verändern wollte? Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du deinen Partner um eine Veränderung bittest – solange du sie nicht einforderst und zudem auch seine Meinung berücksichtigst.

Ein weiterer Fehler liegt darin zu glauben, dass du dich nicht mehr anstrengen müsstest, sobald du in einer Beziehung bist. Liebe will jeden Tag gehegt und gepflegt werden. Aber aus irgendeinem Grund legen die Beteiligten gern die Füße hoch, wenn sie den Partner als sichere Bank betrachten. Und dann vergessen sie, ihrem Lebenspartner zu zeigen, wie sehr er geschätzt und geliebt wird. Hier geht es um grundlegende Dinge, wenn du eine gesunde Beziehung führen willst, die auf Bewunderung und Respekt beruht.

Wenn du die Schuld für alles, was in der Partnerschaft schiefgeht, auf deine bessere Hälfte abwälzt, bedeutet das nichts anderes als: Du möchtest deinen Teil der Verantwortung nicht tragen. Ein Paar ist ein Team und wenn du deinem Partner für alles den schwarzen Peter zuschiebst, dann gibt es kein Team.

Zweifellos ist der Auslöser für die meisten Krisen ein Mangel an Kommunikation. Es ist nicht gesund, sich über die Dinge, die euch stören, auszuschweigen. Die meisten Menschen tun das: Sie fressen alles in sich hinein, bis sie dann plötzlich explodieren. Wenig förderlich ist es auch, deinem Partner gegenüber Zweifel zu hegen und nicht darüber zu sprechen. In diesem Dauerzustand der Ungewissheit wirst du schließlich Entscheidungen treffen, die die Beziehung auf den Prüfstand stellen. Jeder der Partner wird sich dann selbst der Nächste sein. Alles, was wir aufgezählt haben, wird das Band zwischen euch beschädigen.

Jeder Mensch braucht seinen Freiraum

Eine Beziehungskrise kann auch durch emotionale Abhängigkeit ausgelöst werden. Dies geschieht dann, wenn du der Überzeugung bist, dass der Mensch an deiner Seite die alleinige Quelle deines Glücks sei. Du bist der Ansicht, dass du ohne deinen Partner ein Nichts wärst und hängst dich vollkommen an ihn. Es scheint dann ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, etwas ohne den Partner zu unternehmen. Oder sich auch ohne ihn gut zu fühlen.

In jeder Beziehung ist es aber entscheidend, dass beide Partner persönlichen Freiraum genießen. Beide sollten mit ihren jeweiligen Freunden Zeit verbringen und Dinge unternehmen, die ihnen selbst Spaß machen. Dein Lieblingsmensch ist nicht der Nabel der Welt. Wenn du ihn so behandelst, kannst du ihm die Luft zum Atmen abschnüren. Hängst du vollkommen von der anderen Person ab, löst das zudem Angst, Unsicherheit und Zweifel an der Beziehung aus. Nimmt man diese drei Dinge zusammen, könnte eine Beziehungskrise auf dem Fuße folgen.

Dein Partner ist dein Seelengefährte. Dein Partner vervollständigt dich nicht. Der Mensch, mit dem du dein Leben teilen möchtest, ist ein Reisegefährte. Nicht der Grund, warum du lebst.

Womöglich vergleichst du deine Beziehung auch mit anderen Partnerschaften. Du siehst diese aber nur von außen. Alles scheint dort vollkommen zu sein. Andere Paare unternehmen alle Dinge gemeinsam, sie sind nie getrennt.. Das kann auch Auswirkungen auf deine Beziehung haben. Dann wünscht du dir vielleicht, dass bei euch alles ähnlich gut liefe. Du weißt jedoch nicht, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Deine Traumpaare stecken eventuell täglich in der Krise.

Es ist unfair und sinnlos, deine Partnerschaft mit anderen zu vergleichen. Du unterscheidest dich von anderen Menschen. Dein Lebensweg verlief anders und du musstest dich Dingen stellen, mit denen sich andere nie konfrontiert sahen. Und umgekehrt. Jedes Paar ist einzigartig und es ist extrem wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern.

„Reife Liebe zieht an, ohne Versprechen abzugeben, und führt zusammen, ohne sich aneinander zu fesseln. Sie speist sich aus Dankbarkeit und wächst in Freiheit.“

Ganzheitliches Zentrum Ari Shemoth

Jede Beziehungskrise ist auch eine Chance

Du siehst also, dass Krisen lediglich Chancen sind, deine Beziehung umzukrempeln und sie in eine neue Richtung zu lenken. Die Veränderung könnte entweder darin bestehen, dass sich deine Beziehung weiter entfaltet oder dass es zu einer Trennung kommt. Eine Veränderung bringt dich für einen Augenblick dazu, auf die Pausentaste zu drücken und über deine Beziehung nachzudenken.

Partner halten sich an den Händen

Der erste Schritt, eine Krise zu meistern, ist daher deine eigene Offenheit. In anderen Worten gesagt: Sei bereit, auf die bestmögliche Weise mit dieser Krise umzugehen. Beide Partner müssen dazu über die Beziehung nachdenken und über sie sprechen. Dazu spürt jeder noch einmal einzeln nach.

Wenn du dich mit deinem Partner zu einem Gespräch zusammensetzt, vergiss einmal kurz deine Vorwürfe und versuche, eine praktische und positive Haltung einzunehmen. Es ist nicht gerade hilfreich, wenn du dein Gegenüber an alles erinnerst, was jemals an Fehlern begangen wurde. Der Gegenentwurf dazu wäre, dir Verbesserungsmöglichkeiten auszudenken. Oder auch, wie du das zwischen euch Vorgefallene wieder ausbügeln kannst. Daraus ergibt sich dann womöglich ein Kompromiss. Ansonsten findet ihr keinen Ausweg aus der Dauerkrise. Kommt ihr zu zweit auf keine akzeptable Lösung, sucht Beziehungsexperten auf.

Beziehungskrisen führen vielleicht zu einer Trennung. Oder vielleicht auch nicht. Wie das Ergebnis dann auch aussehen mag – die Erfahrungen sind notwendig und wichtig. Du musst mit Krisen umgehen lernen, wenn du ein besserer Mensch und Beziehungspartner sein willst.

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