Weitermachen – Teil des menschlichen Geistes

29. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Weitermachen - Frau mit Panther

Weitermachen ist keine Option, sondern eine Pflicht. Wir haben es alle schon einmal erlebt, sind in einem entscheidenden Moment unseres Lebens steckengeblieben. Und wenn dies geschieht, gerät unser ganzes Weltbild aus den Fugen; wir wirken dann niedergeschlagen, unausgeglichen und haben das Gefühl, in einer seltsamen, erstickenden Dimension gestrandet zu sein. Und wir alle wissen sehr wohl, dass das, was sich nicht bewegt oder an etwas festhält, irgendwann zugrunde geht. Wie stehendes Wasser fängt es an, zu faulen.

„Das Geheimnis des Weitermachens ist es, anzufangen.“

Mark Twain

Wenn wir schwierige Zeiten durchleben, gibt es einen Teil unseres Gehirns, der uns stets ermutigt, vorwärtszugehen. Es ist die Stimme der Logik, und sie stimmt mit dem überein, was unsere Lieben uns sagen. Sie sind um uns besorgt und versuchen, uns mit ermutigenden Worten zu unterstützen. Es gibt jedoch noch einen anderen Teil unseres Gehirns, der gegen Veränderungen resistent ist und uns an jene schmerzhafte Ereignisse erinnert, die uns unseres Friedens beraubt haben. Dieser Teil unseres Gehirns will uns auch des Gefühls der Sicherheit berauben, das wir vor nicht allzu langer Zeit genossen haben.

Loslassen

Das Loslassen von etwas oder jemandem, das Aufgeben von Dingen, die uns eine Identität gegeben haben, wie ein Job oder eine Freundschaft, lässt unser ganzes Wesen in einen Zustand der Besorgnis geraten. Es entsteht eine komplexe Situation, die wir richtig, sorgfältig und klug meistern müssen.

Wir wollen so weit wie möglich weg von all den negativen Emotionen, die uns packen. Und doch ist es eigentlich sehr vorteilhaft, sich dieses emotionalen Knotens anzunehmen, um ihn dann zu verstehen und zu entwirren. Er symbolisiert eine komplexe Reihe von Umständen, die, wenn wir sie kontrollieren und entschlüsseln, uns den nötigen Impuls zum Weitermachen anbieten.

Zwei verwirrte Menschen kommunizieren.

Manchmal unterschätzen wir die wunderbare Fähigkeit zum Widerstand und zur Selbstverbesserung, die wir all in uns tragen, direkt in unserem Herzen. Sie ist in der Tat ein unzerstörbares Licht, das unsere Wege erhellen kann. Um diese Idee weiterzuverfolgen, wollen wir eine kleine Geschichte zu erzählen, die zum Nachdenken anregen und zu mehr als einer Schlussfolgerung führen soll.

Die Geschichte einer Nachricht ging in einer alten Bibliothek verloren

Wir alle haben das berühmte Plakat mit der Aufschrift „Keep Calm and Carry On“ schon gesehen. Auf Tassen und Tellern, Wandbildern und Stickern. „Ruhe bewahren und weitermachen“ ist wohl eine der meistverkauften Botschaften im Bereich des persönlichen Wachstums. Doch wo stammt sie her? Um ihren Ursprung zu entdecken, müssen wir zurück ins London des Jahres 1940 reisen.

Die Regierung wusste, dass die Situation im Vereinigten Königreich komplizierter kaum sein könnte. Der Krieg wütete und die Bomben der deutschen Armee schlugen regelmäßig in den großen Städten ein. Man brauchte ein Verteidigungsmittel und abgesehen von der Versorgung des Militärs musste die Moral der Bevölkerung gehoben werden. Die Menschen sollten diesen typisch britischen Stoizismus spüren, damit ihre Stimmung unter solch schrecklichen Umständen nicht noch weiter absackte.

Die Regierung hat also Plakate entworfen, um das Weitermachen zu fördern, die sodann auf den Straßen angebracht werden sollten. Der Slogan wurde aus mehreren Vorschlägen ausgewählt und konkurrierte u. a. mit „Dein Mut, Deine Fröhlichkeit, Deine Entschlossenheit wird uns den Sieg bringen“.

Ein englisches Plakat: Keep calm and carry on.

Stärke aus der Not ziehen

Die Frage ist nun, ob dieses auffällige und gut gemeinte Plakat geholfen hat? Die Antwort ist einfach – es war nicht nötig. Die Plakate sahen die Straße nie. Winston Churchill entschied, dass sie nicht geeignet gewesen wären, da die Briten seiner Meinung nach keine herablassenden Botschaften gebraucht hätten. Die Menschen wussten nur zu gut, dass die einzig mögliche Option darin bestand, weiterzukämpfen. Der Mensch verfügt über angeborene Mechanismen, um aus der Not Kraft zu schöpfen und Widerstand zu leisten. Weitermachen ist ein intrinsischer Teil von uns.

Aus diesem Grund versteckte und zerstörte die Regierung einen großen Teil von ihnen, sodass niemand entdecken würde, dass sie eine beträchtliche Menge Geld in etwas investiert hatten, was ganz einfach nicht notwendig war. Erst im Jahr 2000 wurden einige von ihnen zufällig in einer alten Buchhandlung gefunden. Der Fund war überraschend und es dauerte nicht lange, bis ein Ausdruck, der mehrere Jahrzehnte zuvor geschaffen wurde, sich durchsetzte und unglaublich populär wurde.

„Der Erfolg geht vom Scheitern zum Scheitern, ohne die Begeisterung zu verlieren.“

Winston Churchill

Wir wissen vielleicht, dass der Mensch aus unzerstörbarem Material besteht und dass es in seinen Genen liegt, Widerstand zu leisten und zu bestehen. Doch was können wir tun, wenn wir unsere Begeisterung verloren haben? Wie sollen wir reagieren, wenn unsere Füße gefangen sind, unsere Herzen kalt und unser Geist von negativen Gedanken beherrscht wird?

Ein Mann rennt mit einem Wolf.

Schlüssel zum Weitermachen, ohne den Mut zu verlieren

  • Unsere Emotionen fühlen. Darauf haben wir am Anfang hingewiesen. Wir müssen in der Lage sein, unser emotionales Labyrinth zu erkunden, negative Emotionen zu erkennen, sie zu unseren zu machen und sie so zu kanalisieren, dass sie nach und nach an Intensität verlieren.
  • Was verdienen wir? Denken wir darüber nach, vertiefen wir uns in diese Frage und machen eine Liste von dem, was wir verdienen. Glücklich sein, eine weitere Chance, Freiheit. Verantwortung für uns selbst übernehmen, lieben und geliebt werden, Erfolg haben und Hoffnung.
  • Sehen wir, wie unsere Füße den Boden berühren. Es mag dumm erscheinen, aber etwas so Einfaches wie das Gefühl, dass unsere Füße den Boden berühren, gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Mobilität. Wir klammern uns nicht an den Boden und wir haben die Fähigkeit, uns vorwärtszubewegen und zu handeln.
  • Üben wir tiefe Atmung und Meditation. Die Verbindung mit uns selbst und mit allem, was uns umgibt, ist grundlegend. Diese Praktiken werden uns helfen, uns zu konzentrieren, unseren Geist zu klären und uns anderer Perspektiven bewusst zu werden.
  • Bilden wir eine Gruppe von belastbaren Menschen. Unter deinen Freunden und in deiner Familie gibt es Menschen, die schreckliche Zeiten durchgemacht haben und die zweifellos kämpfend herausgekommen sind. Lassen wir uns von ihnen belehren.
  • Erstellen wir ein Mantra. Erstellen wir eine Phrase, die als Ermutigung und Motivation in unserem täglichen Leben dient. Hier sind einige Beispiele: „Ich verdiene“, „Ich bin mutig“  und „Erstaunliche Dinge warten auf mich, ich bin bereit, sie anzunehmen“.

Schließlich tun wir den wichtigsten Schritt – den Moment zu ergreifen. Vorankommen ist ein Sprung des Glaubens, des Vertrauens in uns selbst und in die eigenen Ressourcen. Es ist etwas, das wir alle tun können, um eine vollständigere und befriedigendere Realität zu erschaffen. Die Realität, die wir verdienen.

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