Was passiert, wenn Liebe nicht erwidert wird

30. März 2016 en Emotionen 12 Geteilt

Nicht erwiderte Liebe ist wahrscheinlich eine der schmerzhaftesten Erfahrungen, die man im Leben machen kann. Wer dies selbst erlebt hat, weiß wovon ich spreche, denn er hat es am eigenen Leibe zu spüren bekommen.

Gleichzeitig bietet eine solche Erfahrung die Möglichkeit, wertvolle Lektionen über uns selbst zu lernen. In solch einer Situation sind wir sehr verletzlich und sensibel gegenüber allem, was passiert.

Solch eine Situation zu erleben kann traumatisch und beängstigend sein, aber auf gleiche Weise bereichernd und erhellend.  Sie bringt uns in eine einzigartige Lage, in der wir uns dabei beobachten, wie wir eine Vielzahl an Facetten durchleben, von denen wir gar nicht wussten, das wir sie besitzen.

Plötzlich scheint es, als würde die Zeit stillstehen und unser Herzschlag beschleunigt sich, jedes Mal, wenn wir an diesen liebenswerten Menschen denken, in den wir uns verguckt haben.

Frau Augenbinde Herz

Die Melancholie der Liebe

Der treue Begleiter der nicht erwiderten Liebe ist die Melancholie. Sie ist die Krankheit des unglücklichen Liebhabers, wegen der fehlenden Gegenseitigkeit, wegen des Wunsches und wegen des ständigen Verlangens nach Verbundenheit.

„Jeden Liebenden, dessen Liebe aufrichtig ist, der aber den Bund der Liebe nicht eingehen kann, sei es wegen einer Trennung, wegen der Geringschätzung des Geliebten, 0der weil er das Geheimnis seiner Gefühle für sich bewahrt, wird die Krankheit überkommen und sie wird ihn erschöpfen und an ihm zehren, so sehr, dass es ihn zuweilen an sein Bett fesseln wird.“

Ibn Hazm

Alles, was wir erleben, würden wir gern mit diesem Menschen teilen und alles erinnert uns an ihn. Alle Orte, an denen er sich aufgehalten hat, werden heilig, wir schwärmen von ihm und verderben jedes Mal mehr, wenn wir ihn anschauen.

Wir hoffen auf jeden noch so kurzen Kontakt mit ihm, und wir schwelgen in Nostalgie, nachdem es dazu gekommen ist: eine beharrliche Traurigkeit in der Tiefe unseres Herzens. In solchen Momenten fühlen wir wirkliche Einsamkeit, weil wir nicht mit dem Menschen zusammen sein können, den wir so sehr verehren.

Diese Krankheit, die die Melancholie der Liebe ist, der die mittelalterlichen Minnesänger Nachdruck verliehen, kommt von demjenigen, der uns von ihr heilen könnte: dem Geliebten.

Frustration wegen fehlender Gegenseitigkeit

Früher oder später wird uns im Verlaufe des Prozesses, in dem wir solch tiefe Liebe verspüren, Frustration überkommen, wegen unserer Erwartungen, Vorstellungen und Fantasien, die niemals befriedigt werden werden.

Fehlende Gegenseitigkeit entsteht, wenn wir uns in jemanden verlieben, der diese Liebe aber nicht erwidert, und auch, wenn Liebe verlorengeht, obwohl sie zuvor auf Beidseitigkeit beruht hatte.

In beiden Fällen kann die Frustration verschiedene Probleme mit sich bringen, sowohl physische als auch psychische, aufgrund der Selbstzerstörung durch die Aufrechterhaltung von unerfüllten Erwartungen und Hoffnungen.

Vereistes Herz

Wann verliert man die Hoffnung und den Wunsch, mit dieser Person zusammen zu sein? Dies ist eine Frage die von denjenigen beantwortet werden kann, die solch eine Situation schon einmal durchlebt haben. Aber sie hat eine Eigenart: die Antworten und Lösungen werden sich von einer Person zur anderen unterscheiden.

Fehlende Gegenseitigkeit akzeptieren

Dieser gesamte Prozess des Reifens und des sich selbst Kennenlernens endet mit der Akzeptanz. Mit der Fähigkeit, zu begreifen und zu verstehen, dass man die Liebe nicht kontrollieren kann, dass sie nicht von unserem Willen abhängt, und dass die andere Person sie nicht erwidert, auch wenn man das gern hätte.

„Nicht geliebt zu werden ist einfach Pech; aber wahres Unglück ist, nicht zu lieben.“

Albert Camus

Natürlich können wir nicht von jetzt auf gleich aufhören, verliebt zu sein. Wir können einzig beobachten, wie sich unser Empfinden verändert und wie wir die Situation erleben.

Die Liebe ist eine spirituelle Angelegenheit, die man nicht intellektualisieren kann. Sie ist ein tiefes Glück, das uns überkommt und uns mit Sehnsucht nach dem Geliebten erfüllt, das Gefühl, dass nichts wichtiger ist als das Wohlergehen des anderen.

Nur die Person allein, die sich in solch einer Situation befindet, weiß, wo ihre Grenzen sind, wann sie anfangen muss, die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist.

Wenn wir Verzweiflung, Unglück und Melancholie mit dieser Intensität erlebt haben, ohne uns von der nicht erwiderten Liebe komplett niederwerfen zu lassen, werden diese Gefühle Stück für Stück schwächer werden.

Sich zu bemitleiden,weil man geliebt hat und die Liebe nicht erwidert wurde, zeugt von großer Undankbarkeit, denn erlebt zu haben, was es bedeutet zu lieben, ist das größte Geschenk, was man bekommen kann. Die Größe und Intensität der Liebe lässt unsere Seele aufblühen, aber zeichnet uns auch mit Wunden.

„Sicher ist, dass ich alles, was ich erlebe, intensiver fühle, je mehr es wehtut. Aber trotzdem ist es besser, geliebt zu haben und verloren zu haben als niemals geliebt zu haben.“

Lord Alfred Tennyson

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