Was passiert in deinem Gehirn, wenn du wütend wirst?

Wenn du wütend wirst, laufen in deinem Gehirn automatische Prozesse ab, die bestimmen, wie du dich fühlst und wie du reagierst. Erfahre mehr darüber.
Was passiert in deinem Gehirn, wenn du wütend wirst?
Elena Sanz

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Elena Sanz.

Letzte Aktualisierung: 06. Dezember 2022

Wut ist ein unangenehmes Gefühl, das dich aus der Fassung bringt und zu falschen Entscheidungen drängt. Wir versuchen, sie zu beschwichtigen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Doch wenn du verstehst, was in deinem Gehirn passiert, wenn du wütend bist, erkennst du, dass auch diese negativ gewertete Emotion wichtige biologische Funktionen hat.

Ungerechtigkeit, Kränkungen oder ein falsches Wort lösen häufig das Gefühl der Ohnmacht aus, das schließlich durch Wut zum Ausdruck kommt. Die Reaktionen sind meistens unvorhersehbar und schädigen die Beziehung zu anderen. Wenn sich die Wogen wieder glätten, bedauern viele ihr Verhalten.

Was passiert in deinem Gehirn, wenn du wütend wirst?

Was passiert bei Wut in deinem Gehirn?

Wut ist eine emotionale Reaktion, die durch das Gefühl der ungerechten Behandlung oder der Bedrohung entsteht. Sie führt zu einer Affekthandlung, die mit einem Kontrollverlust einhergeht. Viele steigern sich in den Wutausbruch hinein und erleben sehr intensive Gefühle. Wenn dich die Wut packt, hat dein Verstand keine Chance, du handelst kopflos und impulsiv.

Es handelt sich um eine Schutzreaktion, denn du befreist dich durch die Wut von inneren Spannungen, setzt Grenzen und forderst Veränderungen. Die Prozesse, die in deinem Gehirn bei Wut ablaufen, wurden in vielen Studien erforscht. Erfahre anschließend mehr darüber.

Das Hormonsystem

Bei Wut schüttet der Körper höhere Mengen an Noradrenalin aus, was zu einer erhöhten körperlichen und emotionalen Aktivierung führt. Der Blutdruck und die Herzfrequenz steigen, auch der Dopaminspiegel (der dich dazu bringt, wettbewerbsfähig zu sein und dich bei Gefahr zu verteidigen) ist höher. Die Serotonin- und Vasopressinwerte sind allerdings niedriger.

Auch Testosteron und Cortisol spielen eine wesentliche Rolle. Testosteron wird allgemein mit Aggression und dominantem Verhalten in Verbindung gebracht. Dieses Hormon steigt bei Wut nachweislich. Im Gegensatz dazu wird das Stresshormon Cortisol mit unterwürfigem Verhalten und Hemmungen assoziiert und scheint die Wirkung von Testosteron zu vermitteln.

So haben einige Studien herausgefunden, dass Testosteron nur zu Aggression führt, wenn der Cortisolspiegel niedrig ist. Umgekehrt schwächt ein hoher Cortisolspiegel die Wirkung von Testosteron auf das Verhalten ab.

Neurologische Korrelate

Jede Emotion hat ein bestimmtes Aktivierungsprofil im Gehirn, das im Fall von Wut von der Amygdala gesteuert wird. Dies ist eine kleine subkortikale Struktur, die Teil des limbischen Systems ist. Die Amygdala wird angesichts bedrohlicher Reize aktiviert , um das Überleben zu sichern, und zwar indem sie die Kontrolle über das Verhalten übernimmt.

So deaktiviert sie Gehirnbereiche wie den präfrontalen Kortex, der mit logischem Denken, Argumentation und Impulskontrolle zu tun hat. Infolgedessen hemmt sie deine rationale Seite und du reagierst impulsiv.

Eine weitere Veränderung, die in deinem Gehirn stattfindet, wenn du wütend wirst, ist eine stärkere Aktivierung oder Veränderung der linken Gehirnhälfte. Nach dem motivationalen Richtungsmodell wird die linke Frontalregion mit der Annäherung an Emotionen in Verbindung gebracht; wenn wir also wütend werden, zeigen wir die Tendenz, uns der Sache zu nähern, die unsere Wut verursacht, um sie zu beseitigen.

Was passiert in deinem Gehirn, wenn du wütend wirst?

Welche Auswirkungen hat das?

All das führt zu kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Veränderungen, die für Wutausbrüche charakteristisch sind:

  • Du bereitest dich auf Flucht oder Kampf vor.
  • Es ist schwieriger, dich zu täuschen, da du vermehrt auf Details achtest.
  • Du fühlst dich im Recht, deshalb kannst du dich kaum beruhigen.
  • Außerdem bist du nicht in der Lage, die Situation objektiv und in Ruhe zu analysieren und darüber nachzudenken.

Wie zuvor erwähnt, entbinden uns all die biologischen Prozesse, die bei Wut in Gang gesetzt werden, nicht von unserer Verantwortung. Tatsächlich können (und sollten) wir lernen, mit Wut auf gesunde Weise umzugehen.

Das bedeutet nicht, sie zu unterdrücken, sondern zu lernen, Wut zu verarbeiten, ohne dich von ihr mitreißen zu lassen. Versuche, die Logik zu aktivieren und zur Mitte zurückzukehren. Du kannst dich kurz zurückziehen, um zur Ruhe zu kommen, bevor du in einer Weise reagierst, die du danach bedauern könntest.

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  • Denson, T. F., Ronay, R., von Hippel, W., & Schira, M. M. (2013). Endogenous testosterone and cortisol modulate neural responses during induced anger control. Social neuroscience8(2), 165-177.
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