Was ich liebe, ist mir immer nah

25. Juli 2016 en Emotionen 3 Geteilt
Auf eine Fensterscheibe gemaltes Herz

Es trennen uns 587 Kilometer, 27 Tage und etwa 17 Städte in unserer physischen Realität, aber wie es schon Julio Cortazar formulierte: „Was ich liebe, ist mir immer nah“,  und wir sind uns näher als je zuvor. Wir sind der beste Beweis, dass Beziehungen langsam wachsen, mit Konstanz und oft noch viel mehr Einsatz, wenn eine Distanz zwischen beiden liegt.

In anderen Worten, kennst du dieses Gefühl, von den dir geliebten Menschen für längere Zeit getrennt zu sein, dann zurückzukommen, und alles ist so, als hätte sich in eurer Beziehung nichts verändert? Das ist es, was uns passiert: Du bist mir immer nah und ich dir, obwohl wir uns voneinander entfernen mussten, weil wir nicht zugelassen haben, uns zu vergessen.

Unser Heim ist uns stets nah, wohin wir auch gehen

Aus verschiedenen Gründen müssen wir uns dann und wann räumlich und für eine bestimmte Zeit von jemandem trennen, den wir lieb haben: Wir werden in eine andere Stadt versetzt, wir müssen an einem anderen Ort ein Studium aufnehmen, oder wir haben Familie, die im Ausland auf uns wartet.

„Dir könnte ich sagen, dass jeder Ort mein Zuhause sein kann,
solange du es bist, der mir die Tür öffnet.“

Elvira Sastre

Paar auf dem Bahnhof

Die größten Sorgen, die vor der Abreise auftreten, betreffen die eigenen Gefühle und die der Zurückgelassenen: Werden sie mich vergessen? Wird sich unsere Beziehung zueinander verändern? Können wir mit eventuellen Änderungen umgehen? Das sind Fragen, die sich derjenige, der geht, genauso stellt wie derjenige, der bleibt. Aber letzterer bleibt nicht allein.

Die Menschen, die wir zurücklassen, sind unser Zuhause und es fällt schwer, sich vorzustellen, dass wir uns von ihnen trennen müssen. Wenn wir jedoch an unserem Ziel ankommen, dann bemerken wir, dass das, was wir Zuhause genannt haben, mit uns gereist ist und uns weiterhin umgibt. Wir betrachten es weiterhin als unser Zuhause, weil wir es in allem, was wir tun, was wir sind und was wir denken, in uns tragen: Es ist Teil unserer Essenz, die zwar durch neue Menschen bereichert wird, die aber nicht vergisst.

Die Komplizenschaft ist größer als die Hindernisse

„Ich weiß nicht, was es war, aber wir schufen etwas Besonderes zwischen uns, und wir wussten es. Du konntest es an der Art sehen, wie wir uns bewegten und miteinander redeten. Wir redeten nicht viel, vieles haben wir als selbstverständlich vorausgesetzt, und dies hat alle anderen so verrückt gemacht, dieses Gefühl der Sicherheit, das wir ausstrahlten.“

Charles Bukowski

Die Komplizenschaft, die man sich vor der Abreise aufgebaut hat, ist die Ursache für das Überdauern der Beziehung während der Zeit der Trennung und bei der Rückreise: Man sagt, dass Bindungen, die Distanzen überwinden, stärker seien, aber sie müssen es bereits zuvor sein, um die Herausforderung Entfernung überwinden zu können.

Du bist mir immer nah, egal wo du dich befindest.

Sicherlich fallen einem solche Anstrengungen leichter, wenn wir jemanden wirklich lieben, denn nur so ist der Wille, zusammenzubleiben, auch langfristig gegeben: Was ich liebe, bleibt mir immer nah, weil ich weiß, was es für mein Leben bedeutet und dass ich es um nichts auf der Welt verlieren will.

Im Moment des Wiedertreffens scheint es, dass die Welt, die wir zurückgelassen haben, ohne uns weitergegangen ist: Die Personen haben ihr Leben gelebt und jetzt ist es die Aufgabe des Heimkehrers, sich wieder einzufügen.
Wenn die Komplizenschaft aber erhalten geblieben ist, dann wird er schnell verstehen, dass die Beziehungen sich nicht wesentlich verändert haben und dass in kurzer Zeit ein Faden zwischen dem, was war, und dem, was wird, gespannt werden kann.

Leidet der mehr, der wartet, oder der, der noch nie auf jemanden gewartet hat?

Trennungen bringen Leid mit sich, da es schwierig ist, sich von den Lieben zu entfernen, und sei es auch nur für kurze Zeit: Abschiede sind für die meisten Personen sehr schwierig, auch wenn es ein Wiedersehen geben wird.

Es kommt die Frage auf: Leidet der mehr, der auf jemanden wartet, oder der, der niemanden hat, auf den er warten kann? In anderen Worten, es tut uns weh, uns einsam zu fühlen, und es schmerzt uns, denjenigen nicht umarmen zu können, der weit von uns entfernt ist, aber auch wenn uns die Ferne desjenigen, der uns nah ist, schmerzt, so beruhigt uns die Nähe desjenigen, der weit weg ist doch.

Wie auch immer du diese Frage beantworten würdest, empfehlen wir, die Unabhängigkeit genießen zu lernen, die uns gegeben ist: Die, die uns lieben, werden uns immer nah sein und werden mit noch größerer Lust zurückkommen wollen, wenn wir sie in ihrem Abenteuer unterstützen.

„Manchmal braucht es nur 56 Sekunden einer drahtlosen Verbindung, um jemandem den Tag zu verschönern, der Kilometer weit entfernt ist.
Und wir alle haben 56 Sekunden Zeit.“

Carlos Miguel Cortés

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