Was ist posttraumatisches Wachstum?

21 Oktober, 2020
Einige Menschen sind verzweifelt und am Boden zerstört, wenn sie mit Widrigkeiten und Schwierigkeiten konfrontiert werden. Für andere wiederum ist dies ein beispielloser Prozess persönlicher Transformation. Aber was genau kennzeichnet diesen Veränderungsprozess? Lies weiter und erfahre mehr über posttraumatisches Wachstum!

Niemand möchte in seinem Leben schwierige Situationen erleben. Dennoch wirst du dich früher oder später mit schmerzhaften Erlebnissen auseinandersetzen müssen. Diese Erfahrung ist für manche Menschen verheerend und kann sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Allerdings eröffnen derartige Situationen für andere Menschen die Möglichkeit, persönlich daran zu wachsen. Posttraumatisches Wachstum führt dann zu einer positiven Veränderung ihres Lebens.

Die Vorstellung mag schwierig erscheinen, dass ein emotionales Trauma irgendetwas Positives bewirken könnte. Dennoch gelingt es vielen Menschen, Widrigkeiten zu überwinden und in der Folge eine wirkliche persönliche Transformation zu erleben. Aber was genau ist ein posttraumatisches Wachstum und welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?

posttraumatisches Wachstum - Frau mit Blume

Posttraumatisches Wachstum

Du kannst posttraumatisches Wachstum als positive Veränderungen definieren, die eine Person infolge eines Kampfprozesses erfährt, den sie aufgrund eines traumatischen Ereignisses durchlaufen hat.

Allerdings bezieht sich dieses Wachstum nicht nur auf die Tatsache, dass ein Mensch eine widrige Erfahrung bewältigen und seinen vorherigen Zustand wiedererlangen kann, ohne eine Erkrankung zu entwickeln. Posttraumatisches Wachstum impliziert eine wahre Transformation in der Art und Weise, wie ein Mensch sich selber wahrnimmt.

Daher können nach einem negativen Erlebnis deutliche Veränderungen in der Sichtweise dieses Menschen wahrgenommen werden:

  • Zuerst einmal bewerten sie ihr Leben irgendwie neu. Darüber hinaus verändern sie auch ihre Prioritäten.
  • Ihre sozialen Kontakte und Beziehungen werden intimer und wärmer. Zwischenmenschliche Bindungen stärken sich angesichts von Widrigkeiten und Leiden trägt zur Entwicklung von Empathie und Mitgefühl bei. Dies geschieht beispielsweise bei Eltern, deren Kinder an einer schweren Erkrankung leiden. Viele von ihnen berichten, dass sie nach dieser Erfahrung mehr Nähe und größere Verbundenheit miteinander fühlten.
  • Außerdem erleben Menschen ein intensiveres Gefühl von persönlicher Stärke. Daher steigert das traumatische Ereignis das Selbstvertrauen dieser Menschen erheblich. Außerdem verbessert sich ihre Fähigkeit, mit künftigen Schwierigkeiten besser umzugehen.
  • Darüber hinaus entdecken und erkennen sie neue Möglichkeiten und Wege, die sie im Leben beschreiten können. Häufig passiert dies bei Menschen, die zuvor sehr strikte und unterdrückte Rollen innehatten. Außerdem finden sie  Möglichkeiten, wie sie ihr Leben nach der negativen Erfahrung in neue Bahnen lenken können.
  • Und schließlich erfolgt auch eine spirituelle Entwicklung. Moral und Spiritualität verändern sich. Daher erfolgt eine Neubewertung der Werteskala und infolgedessen entwickeln diese Menschen eine transzendentere Lebensperspektive.

Ein Transformationsprozess

Allerdings solltest du bedenken, dass dies alles nicht von einem Moment auf den nächsten erfolgt. Diese Transformation geschieht auch nicht zufällig oder weil ein Mensch besonders viel Glück hat. Posttraumatisches Wachstum ist das Resultat eines tiefgreifenden individuellen Veränderungsprozesses. Angesichts einer traumatischen Erfahrung geraten auch tiefsitzende Paradigmen und kognitive Schemata ins Wanken. Denn ihr bisheriges Verständnis der Welt und das gesamte Bedeutungskonstrukt dieser Menschen wird infrage gestellt.

Wenn ein Mensch mit einer neuen und schmerzhaften Realität konfrontiert wird, setzt sich ein Prozess in Gang, bei dem zunächst die Perspektiven, Annahmen und Glaubenssätze eines Menschen dekonstruiert und anschließend wieder neu konstruiert werden. Dies führt zu positiveren und funktionaleren Ansätzen. Daher ist niemand nach einem posttraumatischen Wachstum derselbe Mensch, der er zuvor gewesen ist. Denn dies ist ein Prozess tiefgreifender Veränderung und Transformation.

Allerdings ist das kein schmerzloser Weg. Während des Prozesses manifestieren sich negative Emotionen und diese bleiben auch bestehen. Aber genau das ist ein unverzichtbares Element, damit ein Wachstum erfolgen kann. Aber was genau führt dazu, dass manche Menschen aus widrigen Situationen stärker und transformiert hervorgehen, während andere in ein tiefes Loch mit all den damit verbundenen Konsequenzen fallen?

posttraumatisches Wachstum - Frau läuft der Sonne entgegen

Die richtige Bewältigungsstrategie

Ein Großteil der Unterschiede wird von der individuellen Persönlichkeit und dem Temperament eines Menschen bestimmt. Nicht jeder Mensch ist gleichermaßen optimistisch, positiv und psychisch widerstandsfähig. Genetische Faktoren und die Umwelt haben höchst wahrscheinlich die Eigenschaften und Fähigkeiten dieser Menschen geprägt.

Daher fällt es einigen Menschen leichter als anderen, sich hilfreiche und funktionale Bewältigungsstrategien anzueignen. Studien zeigen, dass die Menschen, die intensiver reflektieren und größeren Wert auf den emotionalen Ausdruck legen, auch größeres posttraumatisches Wachstum erleben.

Wenn dich deine aktuellen Bewältigungsstrategien also angesichts schwieriger Situationen im Leben zu endlosem Leiden und dem Gefühl der Hilflosigkeit führen, solltest du darüber nachdenken, diese zu verändern. Jeder Mensch kann sich Bewältigungsmechanismen aneignen, die ihn zu mehr Selbstvertrauen und Optimismus führen. Obwohl du negative oder schmerzhafte Erlebnisse nicht vermeiden kannst, kannst du posttraumatisches Wachstum erfahren und aus jeder deiner negativen Erfahrungen lernen.

  • Bustos Caro, A. C. (2011). Cuando se acaba el amor: Estrategias de afrontamiento, duelo por pérdidas amorosas y crecimiento postraumático en estudiantes universitarios (Bachelor’s thesis, Quito: USFQ, 2011).
  • Acero, P. (2012). Crecimiento postraumático y construcción de sentido en la adversidad. Cuadernos de crisis y emergencias2(11), 7-12.