Was ist ein Workaholic?

15. Februar 2019

Bestimmte Arbeitsbedingungen können Angstzustände und Stress verursachen, und ein Workaholic mag an eben diesen Symptomen leiden. Aber das Besondere ist, dass er sich irritiert fühlt, wenn er nicht arbeitet. Ein Workaholic ist im Wesentlichen jemand, der süchtig nach seiner Arbeit ist.

Diese Arbeitstiere legen ihren gesamten Fokus auf ihre Arbeit, aber nicht auf andere Bereiche ihres Lebens, wie familiäre, soziale oder persönliche Angelegenheiten. So neigen Workaholics dazu, ihre Urlaubstage nicht zu nutzen. In einigen extremen Fällen wird Urlaub überhaupt nicht in Anspruch genommen, um weiterarbeiten zu können. Außerdem ist ein weiteres Anzeichen, dass jemand arbeitssüchtig ist, wenn er morgens als Erster ins Büro kommt und abends als letzter wieder geht. Workaholics genießen ihre Freizeit nicht. Stattdessen neigen sie dazu, ihre „Freizeit“ damit zu verbringen, über ihre Arbeit nachzudenken, daheim zu arbeiten oder ins Büro zugehen, um dort zu arbeiten. Außerdem sprechen sie meist nur über ein Thema: ihre Arbeit.

Ihre Unfähigkeit, sich von der Arbeit zu trennen, gefährdet ihre Gesundheit. Laut Marisa Bosqued, einer klinischen Psychologin mit viel Erfahrung in arbeitsbezogenen Angelegenheiten, verliere ein Workaholic allmählich an emotionaler Stabilität. Er könne sogar einen Punkt erreichen, an dem er süchtig nach Kontrolle oder Macht werde.

Und wie zeigt sich, dass jemand ein Workaholic ist?

Für gewöhnlich werden die Symptome, die ein Workaholic zeigt, in drei Kategorien eingeteilt, abhängig von der betroffenen Dimension:

  • Kognitiv Auswirkungen: Angst, Reizbarkeit, ständige Sorge, Depression
  • Physiologische Folgen: Stress, erhöhter Blutdruck, Schlaflosigkeit
  • Verhaltensrelevante Konsequenzen: das Bedürfnis nach Kontrolle, extreme Planung und Trennung vom sozialen Umfeld
Eine Frau sitzt abends noch im Büro und macht Überstunden.

Das Zentrum ihres Lebens

Für Workaholics wird ihre Arbeit allmählich zum Mittelpunkt ihres Lebens. Tatsächlich bestimmt ihre Arbeit ihr Leben und ersetzt andere wichtige Aspekte. Normalerweise neigen Betroffene dazu, wenig soziale Kontakte zu haben. Das führt aber dazu, dass sie sich ihrer Arbeit noch stärker zuwenden, um ihren persönlichen Problemen zu entkommen.

Laut Wayne Oates, einem Psychologen, Arzt und Pädagogen, sei die Beziehung, die ein Workaholic zu seinem Job habe, der eines Alkoholikers zum Alkohol ähnlich. Workaholics verspüren ein unstillbares Bedürfnis, weiterzuarbeiten. So sehr, dass ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen davon beeinträchtigt werden und die meisten ihrer sozialen Beziehungen darunter leiden.

Marisa Bosqued ist zudem überzeugt, dass diese Sucht von einem unverhältnismäßigen beruflichen Ehrgeiz herrühre. Betroffene arbeiten ihrer Hypothese nach intensiv, weil sie der Meinung seien, dass dies der einzige Weg sei, um ihre Ziele zu erreichen. In der Tat versuchen sie, herauszustechen, weil sie überzeugt seien, je mehr sie sich anstrengen, desto mehr Macht würden sie erlangen.

Gibt es positive Nebeneffekte?

Die positive Seite eines Workaholic-Lebensstils besteht darin, dass er berufliche Erfolge ermöglichen kann. Workaholics werden oft zum Vorbild, sowohl für ihren Chef als auch für ihre Kollegen, denn sie nehmen sich viel Zeit für Projekte, engagieren sich in Unternehmensangelegenheiten und sind motiviert. Am Ende bringen all ihre Opfer Belohnungen in Form von Beförderungen, Macht und Geld.

Diese Belohnungen verstärken jedoch das Suchtverhalten. Dadurch wird es für den Workaholic immer schwieriger, seine Sucht aufzugeben. Den er glaubt, dass sein Verhalten sie mit mehr Macht und Einfluss belohne. Doch zu welchem Preis? Ein Chef gratuliert seinem Mitarbeiter und klopft ihm auf die Schulter.

Es ist schwierig, dieses Verhalten als Krankheit zu identifizieren, denn normalerweise wird Überarbeitung nicht als negativ betrachtet. Wenn jemand regelmäßig Drogen nimmt oder sich in Alkohol flüchtet, um seinen Problemen zu entgehen, missbilligt sein soziales Umfeld dieses Verhalten in der Regel. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn jemand von seiner Arbeit abhängig ist. Niemand sieht darin etwas Schlechtes.

Trotzdem: Arbeitssucht ist immer noch ein problematisches Verhalten. Es ist dysfunktional, da es die anderen Grundpfeiler des Lebens nicht mit einbezieht: Familie, Freizeit und soziale Beziehungen. Diese Einschränkung, ein „normales“ Leben zu führen, macht die Arbeitssucht problematisch.

Stellen wir uns vor, dass unsere beste Freundin ihr ganzes Leben ihrer Familie widmet, weil einer ihrer engsten Verwandten abhängig ist. Nach und nach verbringt sie mehr Zeit mit diesem Familienmitglied und lässt ihre Arbeit, Ausbildung und Freunde zurück. Am Ende entwickelt unsere Freundin wahrscheinlich ein Pflege-Syndrom. Der Fall des Workaholics weist Parallelen auf, denn beides wird nicht als negatives Verhalten verstanden, da die Verantwortung und Verpflichtung besteht, Arbeit bzw. Pflege auf hohem Niveau zu leisten.

Uns ausschließlich unserer Arbeit zu widmen, ist daher keine gute Idee. Es kann zu schweren emotionalen Problemen führen. Am besten versuchen wir, ein Gleichgewicht zu finden, damit unser Glück nicht nur von der Arbeit abhängt.