Was Eltern fühlen, wenn ihre Kinder zu Hause ausziehen

· 8. März 2017

Der Dichter der spanischen Romantik Gustavo Adolfo Bécquer sagte einst: „Die Einsamkeit ist wunderschön… wenn man jemanden hat, dem man das erzählen kann.“  Doch manchmal wird unser Gemütszustand vom Lärm der Veränderung bestimmt, und das betrifft jeden Lebensbereich hin und wieder vorkommt, auch die Familie.

Eine der natürlichsten Veränderungen, die das Familienleben beschreibt, ist der Prozess, in dem Kinder unabhängig werden. Viele Eltern freuen sich, ihre Kinder bei diesem wichtigen Schritt, diesem Abnabelungsprozesses begleiten zu können und auch darüber, nun Zeit für all das zu haben, was sie nach hinten verschieben mussten, als ihre Kinder, die jetzt ausziehen, auf die Welt kamen.

Doch sie beobachten diesen Schritt mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil sie spüren, dass die „Kinder“ fortan ihren eigenen Weg gehen und wahrscheinlich nie mehr wieder zu Hause einziehen werden. Dieses Gefühl, das in solch einer Situation entsteht, kann sehr intensiv sein und lange andauern und so zum Empty-Nest-Syndrom führen.

„Die Einsamkeit ist manchmal der beste Weggefährte, und ein bisschen Zurückgezogenheit führt zu einer süßen Rückkehr.“

John Milton

Das Empty-Nest-Syndrom: wenn Kinder zu Hause ausziehen

Wenn ein Kind – vor allem wenn es das letzte ist – das Elternhaus verlässt, verspüren seine Eltern eine große Leere. Daheim auszuziehen und eine eigene Familie zu gründen, ist etwas, das gesellschaftlich gesehen vollkommen normal ist, den Gemütszustand der Hinterlassenen allerdings erheblich beeinflusst.

Die Hinterlassenen? Im Grunde genommen wird niemand hinterlassen. Ein Kind, das zu Hause auszieht, lässt niemanden zurück. Es geht nur seinen eigenen Weg und ändert seinen Wohnort, aber seine Eltern werden immer ein wichtiger Teil seines Lebens bleiben.

Die Tatsache, dass ein Kind das Heim der Familie verlässt, um in seine eigenen vier Wände zu ziehen, kann bei den Eltern eine große Angst auslösen. Diese neue Situation kann vor allem für Mütter besonders schmerzhaft sein und eine große Leere erzeugen, weil sie das Gefühl entwickeln, dass ihr Kind auf einmal ganz weit weg ist.

Laut der Psychopathologin und Expertin für Kognitive Verhaltenstherapie Sara Montejano handele es sich hierbei um Situationen, die Eltern sehr treffen könnten. Was Mütter anbelange, die ihr ganzes Leben danach ausgerichtet hätten, sich um ihre Kinder zu kümmern, wäre es eine enorme Veränderung, da das „Kind“, das Sinn des Lebens war, nun aber nicht mehr sei. Als Fürsorgerin werde sie nun nicht mehr gebraucht, was ein Gefühl der großen Leere erzeuge.

Ein Gemütszustand, der von Einsamkeit und Leere bestimmt wird

Letztendlich können wir sagen, dass das Empty-Nest-Syndrom ein Phänomen unserer Gesellschaft ist, das die Gefühlslage gewisser Menschen stark beeinflusst. Diese Menschen sind ein wichtiger Teil einer Gesellschaft wie unserer, die sehr viel Wert auf die Familie legt. Solch eine Gesellschaft kann nur fortbestehen, wenn sich diese Familien und deren Nachkommen fortpflanzen. Eines Tages verlässt ein Kind das Elternhaus, um seine eigene Familie zu gründen. Das bedeutet, dass zwei Familien ihre Struktur geändert haben: Eine neue Familie entsteht und eine bestehende verändert sich. Das ist etwas vollkommen Natürliches und Normales.

Doch eine Situation, die uns normal erscheint, kann dennoch Schmerz, Frust und Einsamkeit zur Folge haben. Dieser Gemütszustand reißt gewisse Familienmitglieder in ein Loch.

Wenn ein Kind zu Hause auszieht und wir das Gefühl haben, dass mit ihm die Farben unseres Lebens und die Freude daran verschwinden, kann es sein, dass uns dieses Gefühl des „leeren Nestes“ überkommt, um nicht zu sagen, uns überrollt:

  • Achte darauf, ob du dich unnütz und sehr einsam fühlst.
  • Frage dich, ob du wegen vergangener Zeiten sehr nostalgisch bist und in der Vergangenheit festhängst.
  • Finde heraus, ob du die meiste Zeit traurig bist.
  • Alltägliche Aufgaben, die du früher gern getan hast, fallen dir jetzt sehr schwer, weil du sehr demotiviert bist?
  • Erschöpfung und Angst belagern deinen Verstand?
  • Das Sexleben und die Kommunikation mit deinem Partner leiden?

Von der Herausforderung, das Empty-Nest-Syndrom zu überwinden

Es ist nicht zu übersehen, dass der Auszug deines Kindes deine Gefühlslage verändert hat. Nun stehst du vor der Herausforderung, wieder einen Sinn im Leben zu finden. Jahrelang hast du für deine Kinder gelebt, hast viel Zeit in ihre Entwicklung und Förderung gesteckt. Jetzt ist es aber an der Zeit, an dich selbst zu denken.

Es ist wichtig, dass du die Unabhängigkeit deiner Kinder als eine Möglichkeit siehst – zumindest solltest du das teilweise so sehen. Du hast auf einmal mehr Zeit für dich und vielleicht weißt du nicht, was du damit anfangen sollst, doch das herauszufinden, kann an sich schon eine inspirierende Aufgabe sein. Eine gute Möglichkeit ist, neue Verhaltensweisen und Fähigkeiten zu entwickeln, sowie dein Sozialleben dahingehend zu bereichern, andere Prioritäten zu setzen.

Die Psychologin Sarah Montejano ist der Meinung, dass diese neuen Routinen und Abenteuer dazu beitragen können, das Empty-Nest-Syndrom zu überwinden. Das soll heißen, dass es also hilfreich ist, Fähigkeiten zu entwickeln, um die ohrenbetäubenden Gefühle leiser zu stellen.

Eltern, die nicht nur Mutter oder Vater sondern auch Partner sind, müssen auch der Herausforderung ins Auge sehen, sich als Ehepartner wiederzufinden und die neue Situation zusammen anzugehen. Dafür sind die Kommunikation und der Ausdruck von Gefühlen sehr wichtig und wie wir bereits zuvor gesagt haben, sollten beide ihre gemeinsame und individuelle Zeit neu einteilen.

Zuhören ist das beste Mittel gegen Einsamkeit.

Zu diesem Zeitpunkt kann alten Vorlieben wieder nachgegangen, können neue Hobbys entdeckt werden und man kann sich Freunde suchen, mit denen man sich über für sich neu entdeckte Aktivitäten, die einen motivieren, unterhalten kann. Und natürlich können wir uns auch anderen mitteilen und zugeben, dass wir leiden, solange wir nicht unseren Kindern das Gefühl geben, dass sie für unser Leiden verantwortlich sind. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir letztendlich verantwortlich für unsere Gefühle sind.