Warum wir erröten

Erröten ist ein Ausdruck von Unbehagen, aber in den meisten Fällen hat es keine großen Auswirkungen. Es hat sich sogar herausgestellt, dass die Röte im Gesicht für manche Menschen attraktiv ist. In manchen Fällen kann es jedoch der sichtbare Teil eines ernsteren Problems sein.
Warum wir erröten
Sophie Aurélie Elpel

Geprüft und freigegeben von Sophie Aurélie Elpel.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 08. September 2022

Erröten ist ein einzigartiges menschliches Phänomen. Kein anderes Tier läuft rot an, deshalb bezeichnete Darwin dieses Phänomen als “die menschlichste aller Äußerungen”. Es handelt sich um eine unwillkürliche, physiologische Reaktion, die jedoch durchaus psychologische und soziale Auswirkungen haben kann.

Manchmal ist das Erröten nur vorübergehend und hat keine weiteren Folgen. In anderen Fällen tritt es häufig auf und bestimmt das Leben der betroffenen Menschen. Und es gibt auch Fälle, in denen die Konditionierung so stark ist, dass sich eine Phobie vor dem häufig erlebten Erröten entwickelt. Es ist bekannt, dass sich Menschen aufgrund dieser extremen Angst, die Erythrophobie genannt wird, völlig isolieren.

Obwohl wir alle schon einmal errötet sind, wurde dieses Thema in der Medizin oder Psychologie bislang nicht ausgiebig behandelt. Das Rotwerden wird im Allgemeinen als unbedeutender Ausdruck betrachtet und ist für viele Menschen sogar attraktiv. Es gibt jedoch auch Fälle, die intensivere Untersuchungen verdienen würden.

“Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das erröten kann – und einen Grund dazu hat.”

Mark Twain

Frau ist das Erröten peinlich
Wenn wir erröten, steigt die Durchblutung der Haut.

Das Erröten aus körperlicher Sicht

Das Erröten ist eine physiologische Reaktion, die sich im Kopf abspielt und über die Haut äußert. Das liegt vor allem daran, dass die Haut eine unendliche Anzahl von Nervenenden hat.

Es gibt soziale Situationen und Emotionen, die zu einem erhöhten Blutfluss in der Haut führen. Das passiert, wenn wir Scham, Bedauern, Schuldgefühle, Nervosität, aber auch Wut oder Verdrängung empfinden. Dadurch verändert sich die Farbe des Teints. Das Phänomen ist bei Menschen mit einem helleren Hautton noch stärker ausgeprägt.

Außerdem wird das Erröten oft von einem Gefühl der Wärme begleitet. Es ist eine völlig unwillkürliche Reaktion und wird als Teil der nonverbalen Körpersprache betrachtet. Rötungen im Gesicht treten auch bei sexueller Erregung und anstrengenden körperlichen Aktivitäten auf. Der physische Grund ist jedoch immer derselbe: ein Anstieg des Blutflusses.

Erröten und die soziale Situation

Erröten kommt viel häufiger in sozialen Situationen vor, obwohl es auch auftreten kann, wenn eine Person allein ist. Schüchterne Menschen werden schneller und öfter rot, wenn sie sich exponiert fühlen. Sobald sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, fühlen sie sich unwohl. Auch Scham treibt vielen die Röte in die Wangen, wenn sie glauben, einen Fehler gemacht zu haben oder sich peinlich zu verhalten.

Für einige Experten ist das Rotwerden ein physiologischer Zustand, den eine Person erlebt, wenn private Informationen entdeckt werden oder die Gefahr besteht, dass dies geschieht.

Peter J. de Jong hat dieses Thema besonders intensiv untersucht und seine Schlussfolgerungen in dem Buch “The Psychological Significance of the Blush” vorgestellt. Darin weist er darauf hin, dass aus verschiedenen Experimenten geschlossen werden kann, dass Menschen, die erröten, auf andere vertrauenswürdiger wirken – und sogar attraktiver erscheinen.

Frau versteckt ihr Erröten hinter der Hand
Erröten wird oft als Zeichen von Ehrlichkeit und Edelmut angesehen.

Wann wird dieses menschliche Phänomen zum Problem?

Erröten an sich ist kein Problem. Problematisch wird es nur, wenn eine Person darunter psychisch leidet. In diesem Fall sprechen wir nicht mehr von vorübergehender Verlegenheit oder Nervosität, sondern von einem Zustand der Angst, der sich beim Erröten noch verstärkt. In extremen Fällen führt dies zu Erythophobie, einer intensiven oder irrationalen Angst vor dem Erröten.

Die Lebensqualität ist in diesem Zustand stark beeinträchtigt. Sie wird daher als Ausdruck schwerer sozialer Ängste angesehen. Aus dieser Sicht zeigt das Erröten nicht mehr eine vorübergehende Stimmung, sondern das Symptom eines tieferliegenden psychologischen Problems. Wir sprechen von einem Vermeidungsverhalten, das eine Person daran hindert, sich in der Gesellschaft anderer wohlzufühlen.

Unbehandelt kann diese Art von Problem dazu führen, dass sich Betroffene aus Angst vor Reaktionen beim Erröten isolieren oder soziale Erfahrungen vernachlässigen. Das ist allerdings durchaus eine Situation, die durch eine Psychotherapie gelöst werden kann, um die Bedeutung dieser Angst zu erforschen.

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  • Augsburger, Ana Cecília. La inclusión del sufrimiento psíquico: un desafio para la epidemiologia. Psicologia & Sociedade [online]. 2004, v. 16, n. 2 [Accedido 6 Septiembre 2022], pp. 71-80. Disponible en: <https://doi.org/10.1590/S0102-71822004000200009>. Epub 30 Nov 2004. ISSN 1807-0310. https://doi.org/10.1590/S0102-71822004000200009.
  • Crozier, W., & Jong, P. (Eds.). (2012). The Psychological Significance of the Blush. Cambridge: Cambridge University Press. doi:10.1017/CBO9781139012850
  • Rebel, G. (2002). El lenguaje corporal: lo que expresan las actitudes, las posturas, los gestos y su interpretación. Edaf.