Angst vor dem Verlassenwerden: 5 verstärkende Gedanken

Die Vernachlässigung in der Kindheit hinterlässt tiefe Wunden, die auch im Erwachsenenalter Schmerzen verursachen und Beziehungen negativ beeinflussen.
Angst vor dem Verlassenwerden: 5 verstärkende Gedanken

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 04. September 2022

Menschen, die Angst vor dem Verlassenwerden haben, entwickeln verschiedene Verhaltensweisen, die zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen. Sie fürchten sich vor Ablehnung und neigen deshalb zu Überreaktionen und zu einer abweisenden Einstellung. Die Angst ist ihr schlimmster Feind.

Das Verlassenwerden hinterlässt tiefe Wunden: Menschen, die diese Erfahrung in der Kindheit machen, leiden das ganze Leben lang an den Folgen. Die Eltern müssen nicht unbedingt abwesend sein, es kommt auch häufig vor, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern, obwohl sie anwesend sind. Andere werden im Erwachsenenalter von ihrem Partner verlassen. Sie machen sich Selbstvorwürfe und entwickeln Angst oder Schuldgefühle. Sie glauben, dass sie es nicht würdig sind, geliebt zu werden.

Die Erfahrung des Verlassenseins in der Kindheit führt zur Entwicklung eines fast krankhaften Bedürfnisses, von anderen umsorgt zu werden.

Mann hat Angst vor dem Verlassenwerden
Heute wissen wir, dass viele Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in ihrer Kindheit an Verlassenheit gelitten haben.

Angst vor dem Verlassenwerden: 5 verstärkende Gedanken

Die Angst vor dem Verlassenwerden entsteht durch die Last der Einsamkeit und mangelnder Liebe. Fast immer hat sie ihren Ursprung in der Kindheit. Eine Studie der Arizona State University besagt zum Beispiel, dass Kinder, die den Beziehungskonflikt ihrer Eltern und die anschließende Trennung miterlebt haben, häufig diese Angst entwickeln.

Andererseits ist in den letzten Jahren auch klar geworden, dass klinische Realitäten wie die Borderline-Persönlichkeitsstörung ebenfalls oft darauf zurückzuführen sind. Die fehlende emotionale Bindung an Bezugspersonen sowie Missbrauch sind häufige Auslöser dieses Krankheitsbildes.

Das Gefühl, nicht geliebt, umsorgt und beschützt zu werden, hat verheerende Auswirkungen auf das Gehirn. Erwachsene entwickeln häufig ein fast zwanghaftes Bedürfnis, von anderen umsorgt zu werden. Dadurch geraten viele in abhängige Beziehungen, die großes Leid verursachen. Die Angst vor dem Verlassenwerden dominiert alle Handlungen und Denkmuster.

Die Angst vor dem Verlassenwerden und vor Ablehnung führt vielfach zu abhängigen Bindungsmustern.

1. Du glaubst, nie wahre Liebe zu finden

Es mag widersprüchlich erscheinen: Auch in einer Beziehung hast du manchmal das Gefühl, nicht mit der richtigen Person zusammen zu sein. Dein Partner kann deine Leere nicht füllen, deine Ängste nicht beruhigen und deine emotionalen Bedürfnisse nicht befriedigen. Die Angst vor dem Verlassenwerden macht dich von einer Art von Zuneigung abhängig, die dir niemand geben kann. Hinter deiner Leere verbirgt sich ein Trauma, an dem du zuerst arbeiten musst, um es zu bewältigen.

2. Du glaubst, dass sich niemand um dich kümmert

“Ich bin allein, niemand kümmert sich um mich.” Dieser schädliche und destruktive mentale Diskurs ist eine Konstante, in der sich die Angst vor dem Verlassenwerden ausdrückt. Vielleicht hast du ein gutes Unterstützungsnetzwerk, doch das spielt keine Rolle. Die Wunde von gestern wirkt wie eine innere Abwertung, sie führt zu Negativität, die dich daran hindert, die wahre Liebe und Fürsorge anderer zu sehen.

3. Du bist immer misstrauisch

Die Angst vor dem Verlassenwerden nährt das Misstrauen, das dich in jeder Beziehung verfolgt. Das führt dazu, dass sich dein Gehirn in einem ständigen Alarmzustand und in Hypervigilanz befindet. Es erwartet das Schlimmste und schöpft bei jedem kleinsten Anzeichen, bei jedem Wort und jeder Geste sofort Verdacht. Du interpretierst deshalb alles falsch und deshalb erfüllt sich die Prophezeiung.  Vergiss nicht: Die Grundlage jeder Beziehung ist Vertrauen.

4. Du hast ein geringes Selbstwertgefühl

Du glaubst, es nicht wert zu sein, geliebt zu werden, hast Schuldgefühle, empfindest Scham und Selbstverachtung. Das Trauma der Vergangenheit, das dich enorm belastet, lässt nicht zu, dass du dich selbst liebst.

5. Du pflegst nachtragende Gedanken

Du reagierst immer sehr emotional und kannst widersprüchliche Gefühle nicht kontrollieren. Angst, Leidenschaft und Illusionen, Hass und Groll sind ständig präsent. Wenn du nicht bekommst, was du brauchst, verfängst du dich im Abrgund des Zorns. Du versteckst dich hinter dem Wunsch, allein zu sein, und fügst dir selbst noch größeres Leid zu.

Das ungelöste Trauma der Vergangenheit nährt die gegenwärtigen Gedanken.

Frau hat Angst vor dem Verlassenwerden
Hinter der Angst vor dem Verlassenwerden steht meist ein unbehandeltes Trauma. Eine Psychotherapie ist die beste Option.

Angst vor dem Verlassenwerden: Was tun?

Die Angst vor dem Verlassenwerden ist ein ständiges Gefühl der Unsicherheit. Dieses Gefühl ruft alle Arten von höchst schädlichen mentalen Szenarien hervor. Aufdringliche Gedanken, ein Gefühl der Leere, ängstliche Bindungsmuster, Stimmungsschwankungen und ein Abdriften in krampfhafte und gescheiterte Beziehungen.

Du musst aufhören, dich als fehlerhaft zu betrachten und deine Werte erkennen. Selbstliebe und ein gesundes Selbstwertgefühl sind die Grundlagen, die du entwickeln musst. Das erfordert eine angemessene Psychotherapie und professionelle Unterstützung.

  • Du musst deine Vergangenheit verstehen und wissen, warum du Angst vor dem Verlassenwerden hast.
  • Außerdem musst du wissen, welche Gedankenmuster deine Angst verstärken.
  • Eine gesündere mentale und emotionale Einstellung ist nötig. Du erreichst sie, indem du dein Selbstvertrauen stärkst.
  • Du musst an deinem inneren Dialog arbeiten, um die kritische Stimme auszuschalten und Selbstmitgefühl zu entwickeln.

Mit professioneller Hilfe kannst du deine Angst ablegen und deine Lebensqualität fördern.

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  • Delaunay, Valerie. (2012). Institutional Care and Child Abandonment Dynamics: A Case Study in Antananarivo, Madagascar. Child Indicators Research. 5. 659-684. 10.1007/s12187-012-9141-y.
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