Warum werden wir mürrisch, wenn wir hungrig sind?

Hunger verändert unsere Gemütsstimmung, wir verlieren die Geduld und werden launisch... Warum ist das so?
Warum werden wir mürrisch, wenn wir hungrig sind?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 12. Juli 2022

Die Wissenschaft ist unverzichtbar, um bestimmte Zusammenhänge zu erkennen, die sehr offensichtlich sind. Hunger zum Beispiel bringt fast alle von uns in schlechte Stimmung. Es stimmt zwar, dass manche Menschen ihre Laune besser verstecken als andere, aber wenn wir kleine Kinder beobachten ist eindeutig, dass sie bei Hunger mürrisch werden.

Sie weinen und zeigen negative Verhaltensweisen, wenn sie hungrig sind. Solange sie nicht selbst ausdrücken können, was mit ihnen geschieht, erleben sie diesen grundlegenden Instinkt auf intensive, schmerzhafte und beunruhigende Weise. Aber auch Erwachsene, egal welchen Alters, experimentieren bei Hunger unangenehme Gefühle.

Es kommt nicht nur zu den charakteristischen Darmgeräuschen, die in der Fachsprache als Borborygmus bezeichnet werden. Hungergefühle lösen oft auch Frustration oder Wut aus. Erfahre heute, warum viele mürrisch werden, wenn sie hungrig sind.

Hunger kann manchmal zu aggressivem Verhalten führen.

Frau ist mürrisch, da sie Hunger hat
Unser Gehirn braucht “Treibstoff”, um Emotionen regulieren zu können. Wenn es ihm an Energie fehlt, kann es seine Wut nicht kontrollieren.

Warum sind wir mürrisch, wenn wir Hunger haben?

Nach einem langen Arbeitstag kommst du erschöpft zu Hause an und spürst vielleicht Unbehagen. Dies muss nicht unbedingt mit dem Arbeitsumfeld zu tun haben, sondern könnte auch auf Hunger zurückzuführen sein. Wenn dein Körper lange Zeit keine Nährstoffe erhält, leidet das Gehirn, denn es braucht kontinuierlich Energie. Es aktiviert deshalb das physiologische Gefühl des Hungers.

Wenn du hungrig bist, kannst du auch deshalb mürrisch sein, da du nicht in der Lage bist, emotionale Zustände zu regulieren. Du erlebst Reizbarkeit, Ärger oder Frustration intensiver und kannst dich nicht kontrollieren.

Obwohl unser Gehirn nur 2 % unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es 20 bis 30 % unserer gesamten Energie.

Der Schlüssel liegt im Abfall des Blutzuckerspiegels

Eine Studie der Universität von Guelph in Kanada untersuchte den Zusammenhang zwischen Hunger und unserer Stimmung. Die Erklärung für dieses Phänomen liegt im Absinken des Glukosespiegels. Wenn die Blutzuckerwerte fallen, leidet das Gehirn an emotionalem Stress.

Hypoglykämie ist daher ein entscheidender Faktor für das Auftreten von physiologischem und psychologischem Stress. Diese Realität ist nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren zu beobachten. Das Verhalten ist enthemmter und kann sogar aggressiv sein, was in der Tierwelt den Jagdinstinkt fördert.

Wenn sich das Mittagessen nach einem anstrengenden Vormittag verzögert, kann das Arbeitsklima unangenehm werden.

Hunger, Angst und Heißhunger auf ungesunde Lebensmittel

Hunger macht nicht nur mürrisch, er fördert auch die Lust auf ungesunde Lebensmittel. Dies ist ebenfalls darauf zurückzuführen, dass das Gehirn Energie benötigt. Junk Food liefert schnell große Mengen an Energie und fördert deshalb das Gefühl der Zufriedenheit. Pizza, Pommes, Hamburger & Co. sind reich an gesättigten Fettsäuren, allerdings wirken sie nur kurzfristig. Nach wenigen Stunden benötigt das Gehirn mehr und reagiert erneut mit Hunger.

Du kannst zwischen den Mahlzeiten ein Stück Obst essen, um dein Gehirn mit Energie zu versorgen.

Frau isst Pizza und ist nicht mehr mürrisch
Kalorienreiche, ungesunde Lebensmittel wie Pizza oder Hamburger wirken nur sehr kurz. Der Hunger kehrt bald zurück und stimmt dich wieder mürrisch.

Manche Menschen sind bei Hunger nicht mürrisch. Warum?

Zwar sind bei Hunger viele Menschen mürrisch, doch es gibt auch Personen, die sich davon nicht beeinflussen lassen. Die chemischen und neuronalen Körperprozesse sind komplex und bei jedem anders. Manche Menschen sind immer ruhig und gut gelaunt, andere sind jederzeit unausstehlich. Unabhängig davon macht Hunger alle müde und reduziert die kognitive Leistungsfähigkeit. Es fällt dir schwer, klar zu denken, aufmerksam oder kreativ zu sein… Dies ist deshalb so, weil Hunger ein grundlegender, primärer Instinkt ist, der unser Überleben sichert.

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  • Thomas Horman, Maria Fernanda Fernandes, Yan Zhou, Benjamin Fuller, Melissa Tigert, Francesco Leri. An exploration of the aversive properties of 2-deoxy-D-glucose in rats. Psychopharmacology, 2018; DOI: 10.1007/s00213-018-4998-1
  • Swami V, Hochstöger S, Kargl E, Stieger S. Hangry in the field: An experience sampling study on the impact of hunger on anger, irritability, and affect. PLoS One. 2022 Jul 6;17(7):e0269629. doi: 10.1371/journal.pone.0269629. PMID: 35793289; PMCID: PMC9258883.