Warum viele Pornos schauen

Der Konsum von Pornografie scheint nicht mit der Zufriedenheit einer Person mit ihrer Beziehung zusammenzuhängen. Doch warum schauen so viele Pornos?
Warum viele Pornos schauen
Cristina Roda Rivera

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Cristina Roda Rivera.

Letzte Aktualisierung: 18. Oktober 2022

Es ist zwar kein Geheimnis, dass Pornos ein verzerrtes Bild von sexuellen Beziehungen vermitteln, doch für viele sind sie zur Gewohnheit geworden, ganz unabhängig davon, ob sie in einer Beziehung leben oder nicht.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Beáta Bőthe stellte in einer Umfrage fest, dass nur 5,94 % der Befragten Pornos schauen, weil sie sonst keine sexuelle Befriedigung erreichen. In den meisten Fällen ist also der Grund nicht die Unzufriedenheit in der Beziehung, wie so mancher denken könnte. Doch warum schauen sich viele gerne Pornos an?

Warum viele Pornos schauen

Mann schaut Pornos

Mit einem scheinbar grenzenlosen Appetit produziert und konsumiert der Mensch schon seit Langem Pornografie. Die Römer vergnügten sich bereits vor 2.000 Jahren mit den Liebesgedichten oder der Ehebruchsnovelle des Dichters Ovid. Heute finden wir Sexromane wie “Fifty Shades of Grey – Geheimes Verlangen” oder “After” in den Bestsellerlisten.

In den 1960er-Jahren boomte die Pornografie. Plötzlich standen pornografische Zeitschriften in den Schaufenstern der Kioske und auch in den verstecktesten Ecken der Wohnungen. Heute sind Hunderte von pornografischen Filmen und Bildern im Internet für jedermann zugänglich.

Aber was passiert beim Schauen von Pornos im Gehirn? Wie viel Porno ist normal? Und schauen Frauen wirklich weniger Pornos als Männer?

Über die Gründe, die viele dazu verleiten, Pornos zu schauen, gibt es wenige Studien, dich über das Konsumverhalten stehen verschiedenste Forschungen und Theorien zur Verfügung, unter anderem auch die evolutionäre Theorie der Sexualität (Salmon, 2012).

1. Nachahmung von Gelegenheitssex

Da die meisten pornografischen Filme sexuelle Handlungen und Szenen enthalten, die ähnliche Stimmungen und Emotionen hervorrufen wie Gelegenheitssex (Hald & Malamuth, 2008), ist ein Argument, dass der Konsum von Pornografie als Ersatz für Gelegenheitssex dient.

Menschen, die kurzfristige Ziele haben, sehen sich also möglicherweise pornografische Filme an, um ihr Bedürfnis nach Stimulation zu befriedigen, die sie normalerweise beim Gelegenheitssex erhalten.

2. Geweckte Emotionen

Porno weckt bestimmte gemeinsame Empfindungen. Das Problem liegt in der Art, Häufigkeit und Funktion des Konsums.

Pornografische Filme sind von einer Vielzahl von Klischees umgeben. Zunächst einmal argumentieren einige, dass sie ein falsches Bild der Sexualität vermitteln, aber wer glaubt denn noch ernsthaft, dass Filme Kopien der Realität sind?

Niemand ist mehr davon überzeugt, dass romantische Komödien unser Gefühlsleben widerspiegeln oder dass Familienbeziehungen immer so sind wie bei Chabrol. Natürlich können wir uns manchmal wiedererkennen und uns mit bestimmten Situationen identifizieren, aber wir wissen, dass es keine Realität ist.

3. Zur sexuellen Erregung oder zum Vergnügen

Laut Böthe ist der Hauptgrund, warum sich Menschen Pornografie ansehen, das sexuelle Vergnügen. Sexuelles Verlangen ist natürlich und gesund.

In einer Beziehung, in der die Partner unterschiedliche Triebe haben, wird Pornografie oft als eine Möglichkeit betrachtet, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Pornos werden zwar produziert, um zu erregen, aber nicht mit Blick auf die Gesundheit der Konsumenten oder ihrer Beziehungen.

Pornografie verspricht eine Vielfalt an Sex, bedeutet jedoch nicht mehr Sex im wirklichen Leben. Die weltweit anerkannten Beziehungsexperten Dr. John und Julie Gottman haben zum Beispiel ernsthafte Bedenken über die Auswirkungen von Pornografie auf sexuelle Beziehungen geäußert.

Durch das Schauen von Pornos kann es sein, dass ein normaler Reiz viel länger braucht, um die Reaktion zu erreichen, die durch einen übernormalen Reiz hervorgerufen wird. Umgekehrt sind gewöhnliche Anreize nicht mehr interessant. In der Folge kann normaler Sex uninteressant werden.

4. Um etwas über Sex zu lernen

Eine weitere häufige Motivation ist, etwas über Sex zu lernen. Tatsächlich zeigt eine Studie, dass etwa 45 % der Jugendlichen, die Pornografie konsumieren, dies zum Teil tun, um sich zu informieren.

Ebenso zeigen die Umfrageergebnisse, dass einer von vier 18- bis 24-Jährigen (24,5 %) Pornografie als nützlichste Quelle angibt, um zu lernen, wie man Sex hat. Die Neugierde ist groß und Pornografie scheint der einfachste Ort zu sein, um sie zu sättigen, aber ist sie deshalb auch der beste Ort?

5. Um mit negativen Gefühlen fertig zu werden

Ein weiterer häufiger Grund ist die Bewältigung unangenehmer Gefühle. Vor allem Stressabbau und emotionale Ablenkung oder Unterdrückung werden als Motiv für den Pornokonsum genannt. Um diesen Gefühlen zu entfliehen, kann sich eine Person der Pornografie zuwenden.

Es scheint eine schnelle Lösung für vorübergehende Einsamkeit zu sein, aber im besten Fall ist es eine billige Ablenkung und im schlimmsten Fall schürt Pornografie diese Gefühle nur.

Ob es darum geht, am Ende eines schwierigen Tages Stress abzubauen oder Emotionen zu entfliehen, die sich zu schwer anfühlen, die Forschung zeigt, dass Pornografie auf lange Sicht nicht wirklich hilft. Untersuchungen haben ergeben, dass diejenigen, die Pornografie konsumieren, um unangenehmen Gefühlen aus dem Weg zu gehen, am wenigsten über ihr emotionales und geistiges Wohlbefinden berichten.

6. Langeweile

Während Langeweile in manchen Kreisen mittlerweile als positiver Geisteszustand beschrieben wird, der die Kreativität anregt, ziehen es viele Menschen vor, sie zu vermeiden. Unsere digitale Welt hat es geschafft, endlose Mengen an Unterhaltung und Ablenkung für diejenigen zu bieten, die keinen Moment der Langeweile ertragen können.

Aber sieh dir diese Definition von Langeweile an: “die negative Erfahrung, sich mit einer befriedigenden Aktivität beschäftigen zu wollen, aber nicht zu können”. Pornografie kann nicht gegen Langeweile helfen, weil sie eine Person unzufrieden und unengagiert macht. Sicher, am Anfang ist es neu und aufregend, aber wenn das Gehirn regelmäßig durch Pornografie stimuliert wird, kann es sich beim Betrachten der gleichen Inhalte langweilen. Eine Person kann langsam anfangen, sich nach mehr und anderen Arten zu sehnen.

Wenn Pornos zur Sucht werden

Bei der Frage, warum manche Menschen sich für den Konsum von Pornografie entscheiden, müssen wir berücksichtigen, dass es Menschen gibt, die sich die Sucht nicht abgewöhnen können. Die Art und Weise, wie diese Gewohnheit das Gehirn beeinflusst, macht das Aufhören oft schwer. Außerdem können alle diese Filme in aller Ruhe konsumiert werden, ohne dass man irgendwo etwas kaufen oder bestellen muss.

Betroffene erhalten sofortige Befriedigung ohne Zugangsprobleme, deshalb wird diese Gewohnheit für manche zur Sucht. Bei der Planung einer Intervention müssen Psychologen diese einfache Zugänglichkeit berücksichtigen. Schuldzuweisende oder moralisierende Kommentare müssen allerdings vermieden werden. Es ist wichtig, audiovisuelle Inhalte zu fördern, die Sex nicht als unmittelbares, einseitiges und zum Teil gewalttätiges Bedürfnis präsentieren. Filme, die Sex mit Wärme und langfristiger Befriedigung zeigen, können die Sicht verändern und hilfreich sein.

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