Warum uns Selbstzufriedenheit am persönlichen Wachstum hindert

Selbstzufriedenheit hilft, unveränderbare Realitäten zu akzeptieren, sie kann dich jedoch auch in der Bequemlichkeit festhalten und zu Unzufriedenheit führen.
Warum uns Selbstzufriedenheit am persönlichen Wachstum hindert

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 10. August 2022

Selbstzufriedenheit ist in einer fordernden Welt, die uns immer das Beste abverlangt und von uns fordert, uns selbst zu übertreffen, eine solide Säule des Wohlbefindens. Diese Säule ist jedoch nicht immun gegen Konformismus oder systemische Akzeptanz. Selbstzufriedenheit kann uns zurückhalten, persönliches Wachstum verhindern und uns in die Falle der Unzufriedenheit locken. Wir laden dich heute ein, mit uns über dieses Thema nachzudenken.

Du bist nicht dazu verpflichtet, immer das Beste zu geben und dich ständig selbst zu übertreffen. Nur weil deine Freundin oder dein Partner Sport liebt und Höchstleistungen schätzt, bedeutet dies nicht, dass du diese auch dir selbst abverlangen musst. Wenn dein Freund oder deine Partnerin entscheidet, eine restriktive Diät durchzuführen, musst du nicht zwanghaft mitmachen, wenn du kein Interesse daran hast.

Jeder Mensch ist anders, auch die Motivation und Vorlieben unterscheiden sich. Du selbst musst wissen, was für dich wichtig ist. Du darfst jedoch nicht vergessen, dass Selbstzufriedenheit oft ein Hindernis ist und dich davon abhält, dich persönlich weiterzuentwickeln. 

Frau denkt über Selbstzufriedenheit nach
Im positiven Sinne ist Selbstzufriedenheit wichtig, um im Leben erfolgreich zu sein.

Was ist Selbstzufriedenheit?

Selbstzufriedenheit zeugt von innerem Ausgleich: Du bist zufrieden mit dir, deinen Handlungen und deinen Umständen. Es geht um Akzeptanz und die Fähigkeit, mit der eigenen Realität in Frieden zu leben. Selbstzufriedenheit hat also einen positiven und leuchtenden Aspekt. Sie ermöglicht es dir, Dinge zu akzeptieren, die du nicht ändern kannst und ein zufriedenes Leben zu führen. Diese Eigenschaft kann dir also Leid ersparen.

Selbstzufriedenheit ist auch für Menschen nützlich, die dazu neigen, sehr anspruchsvoll und starr zu sein. Diejenigen, die das Gefühl haben, dass sie nie genug sind, dass sie sich verbessern müssen und nie aufhören dürfen, um ihren Wert unter Beweis zu stellen. In diesen Fällen ist es sehr gesund zu lernen, den Selbstwert zu schätzen, eigene Verdienste anzuerkennen und das Jetzt zu akzeptieren.

Wenn du jedoch zu sehr auf die Selbstzufriedenheit vertraust, schadest du dir in verschiedenen Bereichen.

Warum dich die Selbstzufriedenheit an persönlichem Wachstum hindert

Die dunkle Seite der Selbstzufriedenheit ist, dass du dich von deiner Verantwortung dir selbst gegenüber löst. Du behinderst dein persönliches Wachstum und verbleibst in deiner Komfortzone, ohne die Tür zu öffnen und andere Möglichkeiten zu erwägen. Drei wesentliche Auswirkungen dieser Einstellung sind folgende:

Beschuldigung und Viktimisierung

Wenn du mit dir und deinen Handlungen zufrieden bist, jedoch nicht mit deinem Leben, liegt es auf der Hand, anderen die Schuld dafür zu geben. Du gibst deinen Eltern, deinen Kindern, deiner Chefin, deinem Freund, deiner Partnerin oder deinem Lebensgefährten die Verantwortung für deine Frustration oder dein Unglück, denn sie verhalten sich nicht so, wie du dir dies erwartest.

In dieser Selbsttäuschung glaubst du, alles nur mögliche getan zu haben, doch die fehlende Selbstkritik hindert dich daran, Veränderungen und Verbesserungen vorzunehmen und die Verantwortung für dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Mangelndes Selbstvertrauen

Selbstzufriedenheit macht dich manchmal dir selbst gegenüber übermäßig nachsichtig. Du verzeihst dir “Ausnahmen” oder akzeptierst Ausreden. Wenn du dir beispielsweise vornimmst, am Montag mit dem Training zu beginnen und das am Donnerstag noch immer nicht gemacht hast, schaffst du einen Präzedenzfall: Du kannst dir selbst nicht vertrauen, da du dich nicht an deine eigenen Abmachungen hältst.

Selbstzufriedenheit sollte nicht in Bequemlichkeit abdriften: Wenn du gerade keine Lust hast, redest du dir ein, dass das in Ordnung ist und du Ruhe verdient hast. Wiederholst du diese Einstellung jeden Tag, kommst du nie voran und wirst nie Verbesserungen oder Ziele erreichen.

Schwächeres Selbstwertgefühl

Übermäßige Selbstgefälligkeit führt zu Selbstlob oder auch zu Prahlerei und verhindert gleichzeitig das persönliche Wachstum. Ein Beispiel dafür sind Eltern, die ihre Kinder übermäßig loben und belohnen: Ihre Worte sind leer, sie haben ihre Bedeutung verloren.

In Wirklichkeit beruht das Selbstwertgefühl auf Fakten, auf den Herausforderungen, die du bewältigst, die Ziele, die du erreichst. Wenn du dich zu sehr anpasst, Ausreden suchst und dich selbst betrügst, wirkt sich das auf dein Selbstbild aus und du fühlst dich vielleicht immer weniger fähig und immer mehr demotiviert.

Mann mit verbundenen Augen denkt über Selbstzufriedenheit nach
Die negative Seite der Selbstzufriedenheit ist, dass sie uns an unserem persönlichen Wachstum hindert. Wir betrügen uns damit selbst.

Die goldene Mitte

Selbstzufriedenheit hat positive und negative Eigenschaften, es liegt an dir, Ausgleich zu finden und das Beste daraus zu machen. Die Grenzen zwischen Zufriedenheit und Konformismus verschwimmen zum Teil, was dich in einer unbefriedigenden Realität gefangen halten kann. Es geht darum, jene Dinge zu akzeptieren, die du nicht verändern kannst, jedoch an jenen Aspekten zu arbeiten, die dir helfen, im Leben voranzukommen.

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  • Germer, C. (2009). The mindful path to self-compassion: Freeing yourself from destructive thoughts and emotions. Guilford Press.
  • Kawall, J. (2006). On complacency. American Philosophical Quarterly43(4), 343-355.