Warum fällt es uns so schwer, gesunde Gewohnheiten anzunehmen?

Wir wünschen uns zwar alle gesunde Gewohnheiten, doch die Daten zeigen uns, dass die meisten bereits beim Versuch scheitern. Warum ist das so?
Warum fällt es uns so schwer, gesunde Gewohnheiten anzunehmen?

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 24. Mai 2022

Warum essen wir nicht jeden Tag Obst und Gemüse, wenn wir wissen, dass es gut für uns ist? Weshalb bewegen wir uns nicht regelmäßig, obwohl die Vorteile allgemein bekannt sind? Sich neue, gesunde Gewohnheiten anzueignen, ist keine leichte Aufgabe. Es braucht Zeit, Hingabe und Anstrengung.

Der menschliche Verstand mag keine Veränderungen, da sie einen großen Energieaufwand erfordern. Er hält sich lieber an das Bekannte, das Vorhersehbare. Er möchte, dass alles stabil bleibt, um unvorhergesehene Ereignisse und Neuerungen zu vermeiden.

Stell dir vor, du kommst am Flughafen an, um deinen Flug zu erwischen, und hörst über die Lautsprecher, dass er auf unbestimmte Zeit storniert wurde. Wie würdest du dich fühlen? Wahrscheinlich bist du gestresst, weil diese neuen Informationen deinem Gehirn zusätzliche Arbeit abverlangen, mit der es nicht gerechnet hat. Deshalb neigen Menschen dazu, Veränderungen zu vermeiden.

Wir erklären anschließend etwas genauer, warum es nicht einfach ist, sich gesunde Gewohnheiten anzueignen und diese beizubehalten. Außerdem haben wir einige Tipps für dich, damit du dieses Ziel erreichen kannst.

Warum fällt es uns so schwer, gesunde Gewohnheiten anzunehmen?

Gewohnheiten sind Verhaltensweisen, die wir systematisch wiederholen. Dadurch festigen wir sie immer mehr und verinnerlichen sie in unserer Lebensweise. Sobald eine Handlung zur Gewohnheit wird, muss sich der Geist nicht mehr anstrengen. Er versucht so, Verhaltensweisen zu automatisieren und belohnt dich damit, dass du dich gut fühlst.

Es gibt jedoch vielfältige Gründe dafür, dass es uns allen schwerfällt, gesunde Gewohnheiten zu festigen und in unsere Routine zu integrieren. Anschließend nennen wir die häufigsten.

Frau versucht, gesunde Gewohnheiten in ihre Routine zu integrieren
Der Verstand sträubt sich gegen Veränderungen, weil sie mit dem Verlassen der Komfortzone und mit Energieaufwand verbunden sind.

1. Du konzentrierst dich auf Ergebnisse

In den meisten Fällen konzentrieren wir uns auf die Zielerreichung. Wir wünschen uns konkrete Ergebnisse wie weniger Gewicht, mehr Muskelmasse, weniger Schmerzen… Wenn du gesunde Gewohnheiten in deinen Alltag integrieren möchtest, hat dieses Vorgehen jedoch kontraproduktive Effekte. Zwar können etwa restriktive Diäten schnelle Resultate erzielen, doch du wirst langfristig nicht in der Lage sein, sie durchzuhalten.

Der Rebound-Effekt ist wahrscheinlicher, wenn du dich nur auf die Ergebnisse konzentrierst. Du wirst schnell zu einem sitzenden Lebensstil zurückkehren, dich von leckeren (aber ungesunden) Snacks verführen lassen und dein ursprüngliches Gewicht zurückgewinnen.

In seinem Buch “Atomic Habits” stellt der Experte James Clear Folgendes fest:

“Die angemessene Alternative ist, Gewohnheiten aufzubauen, die auf einer Identitätsänderung basieren. Mit diesem Ansatz beginnen wir damit, uns darauf zu konzentrieren, wer wir werden wollen.”

2. Deine Überzeugungen reden dir ein, dass du nichts tun kannst

Bei den meisten kognitiven Prozessen gehen wir von unserem Glaubenssystem und unseren Überzeugungen aus. Es handelt sich um Annahmen, die unser Verhalten leiten und uns befähigen können, Ziele zu erreichen. Sie können jedoch auch ein Hindernis ode reine Einschränkung darstellen und uns davon abhalten. Was wir tun, spiegelt wider, wer wir glauben zu sein.

“Der Mensch handelt, fühlt und verhält sich immer so, wie er sich selbst und seine Umwelt vorstellt. Wir handeln und fühlen nicht nach der Realität, sondern nach dem Bild, das wir uns von ihr gemacht haben. Gewohnheiten, ob gut oder schlecht, werden auf die gleiche Weise geformt.”

Maxwell Maltz

Wenn jemand sein ganzes Leben lang gedacht hat, dass er gut im Sport ist, wird es ihm viel leichter fallen, Sport zu treiben als jemandem, der denkt, dass Sport nicht sein Ding ist. In beiden Fällen steht die sportliche Aktivität im Einklang mit dem, für den man sich hält: Es besteht eine Harmonie zwischen dem Verhalten und der Identität, allerdings profitiert das eine davon, während das andere eingeschränkt ist.

Tiefe innere Arbeit, um Überzeugungen zu hinterfragen und den Selbstdialog wiederherzustellen, ist ein wertvoller Weg, um neue gesunde Verhaltensweisen zu übernehmen und schädliche hinter sich zu lassen.

Frau praktiziert gesunde Gewohnheiten
Wenn du glaubst, dass du nicht in der Lage bist, etwas zu tun, wird ein Widerstand größer und du schaffst es tatsächlich nicht.

3. Du verlierst die Motivation, gesunde Gewohnheiten beizubehalten

Unser Verstand mag Einfachheit: Er misst die Kosten-Nutzen-Bilanz. In diesem Sinne ist es oft sehr demotivierend, wenn wir trotz großer Anstrengungen keine unmittelbaren Ergebnisse erzielen. Es handelt sich um eine der Hauptausreden, die schließlich dazu führen, aufzugeben. Wir möchten unsere Ziele mit möglichst wenig Aufwand erreichen, was in den meisten Fällen ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Um gesunde Gewohnheiten zu automatisieren, musst du sie oft wiederholen und dafür brauchst du Zeit. Erstelle einen einfachen, realistischen Aktionsplan, in dem du festlegst, wie, wann und wo du die neue Gewohnheit praktizieren möchtest. Dies hilft dir, auch in widrigen Situationen die Motivation nicht zu verlieren.

Einfache Tricks helfen dabei: Du isst eher Obst, wenn du es in einem Korb auf dem Tisch siehst. Packe immer eine Wasserflasche ein, denn so erinnerst du dich daran, dass du diese gesunde Gewohnheit automatisieren möchtest. Mach es dir einfach!

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  • Cenarruzabeitia, J. J. V., Hernández, J. A. M., & Martínez-González, M. Á. (2003). Beneficios de la actividad física y riesgos del sedentarismo. Medicina clínica121(17), 665-672.