Bewegungssucht: Sport als ungesunde Obsession

Sport kann zu einer ungesunden Sucht und einer Praxis werden, um Problemen zu entkommen.
Bewegungssucht: Sport als ungesunde Obsession

Letzte Aktualisierung: 04. August 2021

Kann Sport süchtig machen? Alles scheint darauf hinzudeuten. Wenn Sport zum Mittelpunkt des Lebens eines Menschen wird und er die Kontrolle über andere Bereiche seines Lebens verliert, weil er Sport treiben “muss”, um sich gut zu fühlen, besteht die Gefahr einer Bewegungssucht.

In diesen Fällen wird Sport oft als „Ausweg“ aus anderen Problemen genutzt. Manche Menschen versuchen unbewusst, ihre Emotionen damit zu regulieren. Andere wiederum praktizieren Sport, um ihre Unsicherheit zu überwinden oder ihr ständiges Bedürfnis nach Stimulation zu befriedigen.

Bewegungssucht kann zu Bigorexie (Muskelsucht) führen. Es handelt sich um eine psychische Störung, die eine Verzerrung des Körperbildes beinhaltet. Wir sehen uns nachfolgend an, wie diese Sucht entsteht, an welchen Symptomen sie zu erkennen ist und welche Folgen sie hat.

Bewegungssucht: Was ist das?

Die Sucht nach körperlicher Betätigung ist eine Verhaltenssucht. David González-Cutre, Forscher an der Fakultät für körperliche Aktivität und Sportwissenschaften der Universität Elche, erklärt, dass die Bewegungssucht relativ neu ist. Daher gibt es diesbezüglich noch wenige Daten.

Laut González haben Verletzungen durch diese Praxis zugenommen, was in der Primärversorgung deutlich wird. Andererseits weist der Forscher darauf hin, dass die Bewegungssucht primär sein kann, wenn Sport selbst die Sucht erzeugt, oder sekundär, wenn sie von einer anderen Störung (zum Beispiel einer Essstörung) herrührt.

Es ist wichtig klarzustellen, dass diese Störung im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of mental Disorders ) nicht als diagnostische Einheit betrachtet wird, allerdings ist die zukünftige Aufnahme möglich.

Bewegungssucht: Sport als ungesunde Obsession

Endorphinausschüttung

Beim Sport werden große Mengen an Endorphinen ausgeschüttet. Deshalb machen sportliche Aktivitäten Spaß und erzeugen Wohlbefinden sowie Zufriedenheit. Sport ist wie wir alle wissen sehr gesund. Wenn er jedoch zur Sucht wird, können wie bei jedem anderen Suchtverhalten negative Folgen entstehen.

Eine Sucht bedeutet, die Kontrolle über die Situation zu verlieren und das Gefühl zu haben, ohne das Suchtmittel nicht leben zu können, ganz egal ob es sich um Alkohol, Sport oder eine andere Droge handelt.

Symptome der Bewegungssucht

Wenn eine Person süchtig nach körperlicher Bewegung ist, zeigt sie eine Reihe von charakteristischen Symptomen oder Verhaltensweisen. Dies ist unter anderem an ihrem Lebensstil zu erkennen, der sich vorwiegend auf sportliche Aktivitäten konzentriert. Oft spielt dabei auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Die Routinen sind obsessiv und übertrieben. Wenn die betroffene Person den geplanten Aktivitäten nicht nachkommen kann, fühlt sie sich schlecht.

Dazu kommt manchmal ein unkontrollierter Konsum von Proteinen und Kohlenhydraten (insbesondere bei Bigorexie), oder auch Steroiden (Substanzen, die das Muskel-Skelett-Wachstum und die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale anregen).

In vielen Fällen geht die Bewegungssucht mit strikten Diäten einher, die bezwecken, Muskelmasse aufzubauen (Bigorexie) oder an Gewicht zu verlieren.

Ursachen der Bewegungssucht

Wie entwickelt sich die Sucht nach Sport? Die Ursachen sind sehr vielfältig, einige davon sind:

  • Fluchtweg, um Problemen zu entkommen
  • Die Suche nach Emotionen, um Schwierigkeiten auszuweichen
  • Verzerrtes Körperbewusstsein
  • Unsicherheit und geringes Selbstbewusstsein
  • Bedürfnis nach ständiger Stimulation (Endorphien)

Wie bereits erwähnt, kommt es durch körperliche Bewegung zur Freisetzung von Endorphinen, die Wohlbefinden und Zufriedenheit auslösen. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an diese Empfindungen und benötigt sie ständig.

Darüber hinaus regen Endorphine schmerzstillende Mechanismen an, die unangenehme Gefühle beruhigen. Auch dies kann das Suchtverhalten bei Sport beeinflussen.

Andere Erklärungen: positive Verstärkung und Aktivierung

Eine andere Hypothese, die die Sucht nach körperlicher Betätigung erklärt, hat mit der Aktivierung des sympathischen Nervensystems zu tun. Nach dieser Hypothese neigen Menschen, die sich körperlich betätigen, dazu, das Niveau kontinuierlich zu erhöhen, um den vollen Aktivierungszustand zu erreichen.

Eine andere mögliche Erklärung hängt mit dem Temperaturanstieg beim Sport zusammen. In diesem Fall wird ein Zustand der Entspannung und des Abbaus von Ängsten oder Stress erzeugt. Mit der Zeit möchte man dieses angenehme Gefühl wieder spüren, sodass es auf lange Sicht ein Faktor für die Aufrechterhaltung der Sportsucht ist.

Was ist Bigorexie?

Wir haben bereits erwähnt, dass Bewegungssucht zu Bigorexie führen kann. Diese Besessenheit, Muskelmasse aufzubauen, ist auch als Muskeldysmorphie oder Adonis-Komplex bekannt. Betroffene haben ein verzerrtes Bild ihres Körpers. Bewegungssucht und Bigorexie sind zwar ähnlich, müssen jedoch differenziert werden. An einer Muskeldysmorphie leiden Bodybuilder sehr häufig.

Mann mit Bewegungssucht

Bewegungssucht: Wann ist professionelle Hilfe erforderlich?

Wenn die Besessenheit den Alltag stört und die betroffene Person keine Kontrolle mehr hat, ist es an der Zeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für Betroffene ist es wichtig, sich über ihre verzerrte Körperwahrnehmung oder ihren übermäßigen Bewegungsbedarf bewusst zu werden und eine entsprechende Therapie zu erhalten.

Glück liegt in erster Linie in der Gesundheit.

Anonym

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  • Barbero, J.I. (1988). La cultura de consumo, el cuerpo y la educación física. Revista Educación Física y Deporte, 20(1).
  • Gadea, S. (2006). La adicción al ejercicio se convierte en enfermedad que combina problemas psicológicos. Director técnico de medicina deportiva y cultura física del IMSS.