Vom Ja zum Nein: Wie viele Vielleicht?

13. März 2016 en Psychologie 4 Geteilt

Wir sagen nicht, was wir sagen wollen. Wir sagen ja, wenn wir eigentlich nein sagen wollen; wir verneinen, was wir bejahen wollen. Ein Vielleicht kann nein oder auch ja bedeuten – was fürchten wir, wenn wir unsere Meinung kundtun?

Zweifellos finden wir uns oft in Situationen wieder, in die wir hineingerutscht sind, weil wir nicht nein sagen konnten. Oft aus Angst vor den Reaktionen anderer, oder auch, weil wir uns verpflichtet gefühlt haben.

Es mag auch gar nicht wichtig sein, die Gründe dafür zu kennen. Wichtig ist aber, dass wir uns selbst verneinen, indem wir das, was wir denken und wünschen, abkapseln von dem, was wir sagen.

“Das Glück liegt darin, wenn das, was du denkst, was du sagst und was du tust, in Harmonie sind.

Mahatma Gandhi

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Nein sagen können

Für unser Glück und für eine Kohärenz uns selbst gegenüber ist es wichtig, dass wir lernen, nein zu sagen zu dem, was uns nicht gefällt oder wobei wir uns schlecht fühlen.

Es gibt viele Gründe, die es sehr wichtig machen, nein sagen zu können:

Nicht gefällig sein

Es ist notwendig, nein sagen zu können, wenn wir, nur um jemandem gefällig zu sein, ja sagen wollen (Partner, Eltern, Freunden etc.) Wenn wir es vermeiden, von anderen Personen abhängig zu sein und ihnen ständig gefällig sein zu wollen, werden wir uns viel freier fühlen.

Wir können selbst wählen

Unser Leben kann nicht in den Händen anderer Menschen liegen. Wenn wir nicht selbst entscheiden und wählen, was wir tun wollen, wo wir hingehen wollen, welchen Menschen wir an unserer Seite haben wollen, dann leben wir das Leben von anderen und nicht unser eigenes.

Die Menschen, die uns lieben, denken oft, dass sie wissen, was das Beste für uns ist. Aber oft werden sie dabei trotz aller guter Absichten von ihrer Angst geleitet, die nicht die unsrige ist.

“Die Seele nimmt die Farbe ihrer Gedanken an. Sie denkt nur an jene Dinge, die auf einer Linie mit deinen Prinzipien liegen und die das Tageslicht sehen können. Das Wesen deines Charakters bestimmst du selbst. Dadurch, was du Tag für Tag wählst, was du denkst, was du tust, wirst du der, der du bist. Deine Rechenschaft ist deine Bestimmung. Sie ist das Licht, das dir auf deinem Weg leuchtet. ”

Heraklit

Sage nein und beseitige die Angst

Wenn wir nein sagen wollen und es auch sagen, fühlen wir uns befreit, in Harmonie mit unserem Denken und unserem tiefsten Fühlen.

Wenn wir uns hingegen in einer Situation wiederfinden, in die wir aus Angst davor, nein zu sagen, geraten sind, dann überkommen uns Unwohlsein, Stress und Angst.

Mach dich glücklich, nicht die anderen

Es stimmt, dass wir manchmal nachgeben müssen. Aber niemals um den Preis unseres Glücks. Die Entscheidungen, die wir aus Angst vor den Reaktionen anderer Menschen oder aus einem Gefühl der Verpflichtung jemandem gegenüber treffen, haben mit großer Wahrscheinlichkeit negative Wirkungen auf unsere Zukunft, weil wir nicht glücklich sind und nicht für uns selber entschieden haben.

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Ratschläge, damit wir lernen, das zu sagen, was wir sagen wollen

Sei bestimmt

Bestimmtheit lässt uns unsere Gefühle und das, was wir denken, auf klare Weise ausdrücken, ohne dass Unwohlsein oder Feindseligkeit entsteht.

Bestimmtheit kann man lernen, indem man Unterhaltungen führt, in denen man seine Wünsche zum Ausdruck bringt, während man dem Gesprächspartner mit Empathie gegenübertritt, ohne aber das, was man wirklich sagen will, aus dem Blick zu verlieren. Es geht darum, mit Liebe, Respekt und Bestimmtheit das zu sagen, was wir wünschen und wollen.

Verstärke dein Selbstwertgefühl

Das Selbstwertgefühl oder die Vorstellung, die wir von uns selbst haben, sind grundlegende Werte, um das, was wir wollen, sagen zu können. Mit einem niedrigen Selbstwertgefühl sind wir der Meinung anderer Menschen ausgeliefert. Und das ist nicht unsere Meinung.

Es ist wichtig, zu lernen, eine eigene Meinung zu haben, und uns als Personen Raum und Geltung zu verschaffen, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen, das Leben, das wir uns wünschen.

Verwirf jedes Schuldgefühl

Denk an all die Situationen, in denen du gesagt hast, was du denkst, und dich absolut nicht schuldig gefühlt hast, sondern befreit und in Frieden mit dir selbst. Dieses Gefühl sollte vorherrschen.

Sei du selbst, mit deinen Fehlern und Tugenden, aber du selbst. Fühle dich nicht schuldig, weil du der bist, der du bist.

Denk an all die Dinge, zu denen du ja sagst, wenn du nein sagst. Wenn man dir zum Beispiel bei der Arbeit aufträgt, Überstunden zu machen, und du nein sagst, dann sagst du ja dazu, die Zeit mit deiner Familie zu verbringen, dich mit deinen Freunden zu vergnügen und das in deiner Freizeit zu tun, was dir gefällt.

“Bereits die Tatsache, dass man eine Wahlmöglichkeit hinterfragt, verfälscht und trübt das Wählbare. Ja, nein, da halten wir uns auf… Es scheint, dass eine Wahl keine Dialektik sein kann, dass ihr Protest sie verarmt, das heißt, verfälscht, das heißt, sie in eine andere Sache verwandelt. Zwischen dem Yin und dem Yang, wie viele Äonen?

Zwischen dem Ja und dem Nein, wie viele Vielleicht?“

Julio Cortázar

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