Empathie ist nicht gleich Sympathie

· 3. Februar 2016

Wir alle haben schon einmal von Empathie gehört und oft wurde sie uns erklärt als „die Fähigkeit, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen.“

Trotzdem funktioniert dies normalerweise nicht gut in der Praxis. Auch wenn wir uns natürlich manchmal in die Situation eines anderen versetzen, machen wir das in den meisten Fällen nur, weil wir mit der anderen Person übereinstimmen, also mit ihr sympathisieren.

Sympathie

Also können wir sagen, dass Sympathie Übereinstimmung fordert, ebenso wie gleiche Wertevorstellungen. Wir sympathisieren mit Freunden und mit Menschen, mit denen wir etwas im Leben teilen und deshalb erscheint es uns einfach, „uns in deren Situation hineinzuversetzen.“

Allerdings wird es uns nicht einfach fallen, uns in die Situation von irgendeiner Person zu versetzen, mit der wir rein gar nichts gemein haben. Und genau das ist der Schwachpunkt dieser vereinfachten Definition von Empathie.

Was ist Empathie?

Empathie (oder Mitgefühl) ist eine kommunikative Haltung, die es uns erlaubt, alle zwischenmenschlichen Aktionen zu respektieren, unabhängig von der Person, unabhängig davon, ob wir mit ihr einverstanden sind oder nicht, ob wir mit ihr sympathisieren oder nicht.

Empathie

Wir können die Empathie also folgendermaßen definieren: Als die Fähigkeit, Respekt gegenüber der Position, aus der die andere Person heraus agiert, auszudrücken, ob wir mit ihr übereinstimmen oder nicht.

Empathie ist nicht gleich Sympathie

Die Empathie fordert Respekt gegenüber der anderen Person, und unsere persönliche Situation und Meinung ist egal, sie kann ebenso gut im Gegensatz zu der der anderen Person stehen. Anderenfalls, wenn die Meinungen oder Situationen übereinstimmen, sympathisieren wir mit unserem Gegenüber.

Wie wendet man Empathie an?

Wir fühlen mit Menschen mit, die anders sind als wir, wenn wir sie in ihrer Position respektieren. Dafür drücken wir unserem Gegenüber Mitgefühl aus, indem wir Verständnis für seine Lage zeigen, weil wir beobachten, aus welcher Position heraus er mit uns spricht, und wir verurteilen ihn nicht dafür. Einige Beispiele, um Empathie auszudrücken, könnten folgende Sätze sein: „Ich verstehe, dass das, was du mir erzählst, wichtig für dich ist“, „ich verstehe, dass dich diese Ungerechtigkeit wütend macht.“

Wann sollten wir unsere persönliche Meinung ausdrücken?

Um Empathie zu zeigen, ist es nicht notwendig, unsere eigene Meinung zum Thema auszudrücken, schließlich fordert Empathie das Zuhören, die Beobachtung und den Respekt gegenüber der Lage der anderen Person.

Empathie

Natürlich gibt es andere Möglichkeiten, unsere Meinung auszudrücken, und dabei Respekt zu zeigen, zum Beispiel durch versichernde und angemessene Kommunikation.

Andere Verwirrungen

Manchmal glauben wir in unserem Alltag, dass wir empathisch sind, während wir uns in Wirklichkeit nur mit den anderen gut stellen wollen, der anderen Person „gefallen“ wollen, um ihre Billigung zu erhalten. Hier handelt es sich aber nicht um Mitgefühl, sondern wir versuchen zu sympathisieren, um etwas im Gegenzug zu erhalten, nämlich deren Wertschätzung. Und das ist keine Empathie.

In anderen Fällen sind wir einfach mit der anderen Person einverstanden und zeigen Sympathie ihr gegenüber.

Was bedeutet „Respektieren“?

Respekt fordert Kenntnis und Empathie. Denn wir müssen die andere Person kennen und beobachten, um ihr in ihrer Lage unseren Respekt zeigen zu können.

Respektieren setzt voraus, dass wir alle das Recht haben, zu entscheiden, wie wir leben, denken, handeln und fühlen wollen, ohne dass wir dafür verurteilt werden. Wir respektieren die Entscheidungen anderer Menschen über deren eigenes Leben.

Wenn wir respektieren, verstehen wir, aus welcher Position heraus der andere spricht, entsprechend seinen eigenen Wertevorstellungen. Das heißt, wir zeigen Empathie für seine Lage, ohne uns in diese hineinversetzen zu müssen, denn unsere Wertevorstellungen können auch ganz anderes. Wir verstehen die Situation des anderen, wir respektieren sie und drücken unser Mitgefühl aus.

Es kann sein, dass wir seine Werte nicht teilen, und trotzdem zeigen wir Empathie der anderen Person gegenüber, wenn wir ihre Position respektieren, ohne sie verändern zu wollen.

Sympathisieren bedeutet, Werte, Neigungen etc. zu teilen.
Empathisieren bedeutet, Respekt gegenüber den Unterschieden zu zeigen, ohne zu urteilen.
Im Zusammenleben von zwei oder mehreren Personen erlaubt Respekt uns, die Dinge so zu tun, wie jeder Einzelne es entscheidet, und Empathie zu zeigen bedeutet, unseren Respekt zu zeigen, ohne dass wir versuchen, dem anderen Änderungen aufzuerlegen, die nicht dessen Werten entsprechen.

Deshalb ist die Empathie ein wunderbares Werkzeug für zwischenmenschliche Beziehungen, besonders in beruflichen Beziehungen und solchen, in denen sich besondere Unterschiede zeigen.