Verbindung mit anderen: Eine Herausforderung für neue Formen der Kommunikation

· 26. Juni 2018

Neue Formen der Kommunikation bilden die Dualität, die unser Handeln bestimmt, bestens ab: Auf der einen Seite bereichern sie uns mit Erfahrungen. Andererseits bergen sie eine ernste Gefahr, weil sie uns von der Realität trennt. So wird es einfacher und gleichzeitig schwieriger, sich mit anderen zu verbinden.

So ermöglichen uns beispielsweise soziale Netzwerke, das, was wir haben, anderen näherzubringen. Wir können mit Menschen in Kontakt bleiben, die Tausende von Kilometern entfernt leben. Unsere Nachrichten erreichen sie in einem Augenblick. Außerdem können wir sehen, welche Orte sie besuchen, was sie dort tun, was ihre Hobbys sind oder wie sich ihr sozialer Kreis entwickelt.

Zur Gefahr wird das Ganze, wenn das, was sich hinter den Bildschirmen abspielt, als Ersatz für traditionelle Kommunikationsformen dienen soll. Sich mit anderen zu verbinden ist viel mehr als nur einen Beitrag zu „liken“. Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht impliziert eine Vielzahl an Nuancen, die in WhatsApp verloren gehen. Fotos haben selten die Kraft, eine vollständige Realität wiederzugeben, oder zumindest eine so umfangreiche, wie wir sie persönlich einfangen könnten.

Partner umarmen sich, während sie auf ihre Telefone schauen

Wir laufen Gefahr, von den sozialen Netzwerken abhängig zu werden, und die Verbindung zu Menschen durch Blicke und Gesten zu vergessen. Wir interpretieren nonverbale Sprache nur noch in (häufig gestellten) Fotos. Der Schlüssel zu einer glücklichen Zukunft liegt allerdings darin, das Beste aus den neuen Technologien zu machen, aber nicht ausschließlich auf sie zu vertrauen.

Verbinden, weil wir es müssen oder wollen?

Wir definieren unser Leben, indem wir unser Leben täglich in soziale Netzwerke hochladen. Oft ist eine Erfahrung nicht gültig, wenn sie nicht auf Facebook veröffentlicht wird. Es reicht nicht aus, eine Veranstaltung zu leben und zu genießen. Wir brauchen andere, die darüber Bescheid wissen und den Daumen nach oben halten.

Eine Studie der der University of Wisconsin, des Haverford College, der Northwestern University und der University of Toronto (USA und Kanada) ergab, dass Paare, die mehr Beiträge in soziale Netzwerke stellen, tendenziell unglücklicher sind.

Generell kann man sagen, dass die Menschen, die am meisten Anerkennung von außen benötigen (Likes, Besuche auf ihrem Profil, etc.), in ihrem Inneren am meisten benachteiligt sind. Eine Person mit gutem Selbstwertgefühl braucht nicht die Zustimmung anderer, zu Fotos, Reisen, Partnern oder Freunden. Sie wird von Zeit zu Zeit soziale Netzwerke nutzen, um sich zu verbinden, aber nie aus der Not heraus.

Partner machen mit ihren Handys Fotos

Vergiss nicht, dass Reden oder ein Gespräch mehr bedeuten, als nur die Augen auf dem Bildschirm zu halten oder Nachrichten zu schreiben. Ebenso wenig sieht man Fotos, die emotionale Landschaften widerspiegeln.  „Liken“ bedeutet nicht, eine Meinung zu äußern, es bedeutet einfach, den entsprechenden Beitrag geladen zu haben.

Die Kamera in unserem Gedächtnis ist viel besser als die unserer Handys

Die wahre Essenz unseres täglichen Lebens ist in unserem Gedächtnis festgehalten und es ist nicht gut, seinen Wert auf ein Smartphone-Foto zu reduzieren. Ein Moment kann einen emotionalen Augenblick beinhalten, den wir verlieren können, wenn wir ihn nur durch eine Kamera sehen.

Du solltest dein Smartphone einfach mal zu Hause lassen. Nimm dir Zeit für einen Kaffee, gesellschaftliche Veranstaltungen, reisen, umarmen, lächeln, Händchen halten und die Realität abseits der sozialen Medien.

Glückliches Paar

Es stimmt, dass es vielleicht nicht nur wir sind. Es scheint, dass viele Menschen neue Formen der Kommunikation verteidigen, ja die digitale und der persönlichen Kommunikation vorziehen, ohne diese Entscheidung zu reflektieren. Mit solchen Menschen entspannen zu können, ist praktisch ein Wunder. Wer sie also nicht aus den Augen verlieren will, hat keine andere Wahl, als dorthin zu gehen, wo sie die meiste Zeit verbringen – in der digitalen Welt.

Das wirkliche Leben steht hinter den sozialen Medien. Hinter jedem Profil steckt ein Leben. Wir sind mehr als ein Bild oder hundert Kontakte. Jeder Mensch ist eine Welt, die sich kaum in seinen Profilen widerspiegelt. Sich mit anderen zu verbinden ist also mehr als online zu sein. Lass deinen Bildschirm hinter dir und du wirst sehen, was die Realität wirklich für dich bereithält.