WhatsApp: freundliche oder feindliche App?

19. Juni 2017 en Psychologie 116 Geteilt

WhatsApp hat sich zu einer Konstante in unseren Leben entwickelt, deren Einfluss weltweit zunimmt. Sie hat nicht nur jegliche andere Nachrichtendienste weit überholt, sondern hat auch eine neue Ära der sozialen Beziehungen über Technologie eingeläutet. Zwar ist dies im Grunde ein bedeutsamer Beitrag, der die Kommunikation erleichtert. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass diese Technologie Risiken mit sich bringt.

Einer Studie des GlobalWebIndex zufolge, welche die Nutzung von WhatsApp in 34 Ländern untersuchte, nutzen geschätzte 40% aller Internetnutzer diese App. Es wurde ferner festgestellt, dass die Nutzung durch Menschen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren zunimmt. Die zehn Länder, in denen es am meisten genutzt wird, sind folgende: Südafrika, Malaysia, Mexiko, Indien, Singapur, Spanien, Argentinien, Hong Kong, die Vereinigten Arabischen Emirate und Brasilien.

„Die ziellose Nutzung von sozialen Netzwerken ist wie ein Schaukelstuhl: Er bewegt sich viel, aber man kommt nirgendwo hin.“

Einer der für den Erfolg von WhatsApp entscheidenden Faktoren ist, dass sich Gruppen sehr einfach und praktisch erstellen und managen lassen. Zwar gibt es auch andere Apps mit ähnlichen Funktionen, aber WhatsApp hat die Kommunikation in der Gruppe in einen Trend verwandelt. Persönlicher Kontakt ist nicht mehr die Methode der Wahl; es wird nun alles auf einem halb-privaten, gemeinschaftlichen Level gehandhabt.

Führt WhatsApp zu Problemen?

WhatsApp führt zu Problemen, aber wie das so oft mit der Technologie ist, liegt der Grund dafür nicht in der App an sich, sondern daran, wie sie durch die Menschen genutzt wird. Es gibt eine besorgniserregende Tendenz, die Kommunikation mehr und mehr elektronisch ablaufen zu lassen.

Anders gesagt, viele Menschen ersetzen den direkten Kontakt mit ihren Mitmenschen durch den Kontakt über ein Gerät. Die erste Lösung war der Telegraph. Dann kam das Telefon und später das Internet, das jegliche Vorstellungen übertraf.

Wenn du in Lima lebst und mit jemandem in Beirut kommunizieren möchtest, ist diese Art von Medien ein wahrer Segen. Ohne sie wäre es unmöglich, in Echtzeit und ohne hohe Kosten zu kommunizieren, wie wir es heute können.

Das Problem entsteht, wenn wir diese Apps sogar dazu nutzen, mit den Menschen zu kommunizieren, mit denen wir zusammenleben, arbeiten oder studieren, Menschen, mit denen wir genauso gut von Angesicht zu Angesicht sprechen könnten. Schlimmer noch, man beginnt zusehends, sich weniger mit den Menschen zu treffen, die man kennt. Stattdessen klebt man mit den Augen am Handy-Bildschirm.

Ganz besonders mit WhatsApp und seinen Gruppen verspürt der Nutzer ein neues Bedürfnis: permanent verbunden zu sein. die ganze Zeit die Nachrichten zu überprüfen, um zu wissen, was jener gesagt hat und was jemand anderes darauf geantwortet hat. Das Komische daran ist, dass diese Gespräche meist unfassbar banal sind. Trotzdem zwingt uns etwas von innen heraus, an ihnen teilzunehmen und nichts zu verpassen.

Sicher ist, dass der unangemessene Gebrauch dieser App zunehmende Probleme in Studium, Arbeit und zwischenmenschlichen Beziehungen verursacht. Genauer gesagt nutzen einige Menschen schließlich WhatsApp, um ihr emotionales Unwohlsein auszudrücken oder zu verschleiern, das sie beispielsweise aufgrund von Einsamkeit, Langeweile, Ärger, Ängste oder Schüchternheit verspüren.

Wie man WhatsApp vernünftig nutzt

Man sollte die Technologie nicht verteufeln, sondern sich ihre Vorteile zunutze machen. Es handelt sich dabei um unumkehrbare Veränderungen, die wir als Menschheit positiv anwenden müssen, statt sie in eine neue Quelle der Sklaverei zu verwandeln.

Zunächst muss man feststellen, ob die eigene Nutzung von WhatsApp problematisch ist. Die folgenden Symptome weisen darauf hin, dass du vielleicht etwas zu weit gehst:

  • Du veränderst einige deiner Lebensgewohnheiten stark, damit du so häufig wie möglich verbunden sein kannst.
  • Du bewegst dich kaum körperlich.
  • Es kommt zu gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit deinem Handy (z.B. müde Augen, Verspannungen vom Verharren in der gleichen Position, Nackenschmerzen).
  • Du schenkst deinen WhatsApp-Kontakten mehr Aufmerksamkeit als den Menschen um dich herum.
  • Du vernachlässigst deine Pflichten in Arbeit oder Studium aufgrund der Zeit, die du in WhatsApp verbringst.
  • Du gehst immer weniger aus, verlierst Freunde und vereinsamst.

Falls du vermutest, dass deine Beziehung zu WhatsApp über das reine Vergnügen hinausgeht oder dir die App Probleme bereitet, folge den hier empfohlenen Maßnahmen:

  • Beginne nicht deinen Tag, indem du dich mit WhatsApp verbindest.
  • Verändere deine Gewohnheiten. Überprüfe deine Nachrichten nicht immer am gleichen Ort oder zur gleichen Zeit.
  • Stelle dir einen Wecker, der dir angibt, wann es Zeit ist, das Handy zur Seite zu legen.
  • Suche und finde ein Hobby, das dir wirklich Spaß macht. Betreibe es.
  • Kontaktiere deine Freunde und triff dich persönlich mit ihnen. Schalte dein Handy in diesen Momenten aus.

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