Verbales Aikido – eine Technik, um dich vor verbalen Angriffen zu schützen

· 18. März 2018

Aikido entstand im modernen Japan und geht auf Morihei Ueshiba zurück. Es basiert auf dem Prinzip, dass in Konfliktsituationen die Neutralisierung des Gegners angestrebt werden soll, aber nicht, ihm Schaden zuzufügen. Wie bei anderen fernöstlichen Kampfkünsten geht es bei Aikido jedoch nicht nur um den Kampf an sich. Es folgt seiner ganz eigenen Philosophie. Die Menschen, die Aikido ausüben, streben vor allem nach persönlicher Entwicklung. Sie beziehen die physische, mentale und spirituelle Ebene in ihre Praxis mit ein. Dabei verachten sie ihre Gegner nicht, sondern versuchen, diese zu verstehen und von ihnen zu lernen.

Basierend auf diesen Prinzipien begann eine Gruppe von Autoren Aikido auch in der Kommunikation anzuwenden. So entwickelten sie das Konzept des verbalen Aikido. Sie fanden heraus, dass dieses eine hervorragende Möglichkeit ist, alltägliche Konflikte zu verarbeiten oder besser noch zu vermieden. Es wird ausgeübt, um mehr Frieden, Gelassenheit und Glück ins Leben der Menschen zu bringen. Wie jede andere Technik ist auch verbales Aikido etwas, das gelernt werden muss, und die größten Vorteile erreichen wir erst mit ausreichender Praxis.

„Gewalt ist der letzte Ausweg der Inkompetenten.“

Isaac Asimov

Verbales Aikido und die Antwort auf Aggressionen

Die Befürworter von verbalem Aikido weisen darauf hin, dass es beim Verteilen verbaler Aggression primär darum geht, unser eigenes Wohlergehen zu bewahren. Ein verbaler Angriff kann einen Sturm an Emotionen auslösen und den Geist verwirren. Deshalb ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren und sich darauf zu konzentrieren, das Problem zu lösen und nicht zu vergrößern.

Als erste Instanz sollte man daher also nicht impulsiv reagieren, sondern die Kraft des eingehenden Angriffs nutzen, um einen Wandel zu ermöglichen. Dieser sollte uns an jene Stelle bringen, an der sich der Angreifer gerade befindet. Anstatt ihn vom gegenüberliegenden Ufer aus zu betrachten, besteht die Idee darin, das Gleiche zu sehen wie die angreifende Person. Dies kann man nur erreichen, wenn wir uns nicht um unsere Reaktion kümmern, sondern um das Zuhören. Versuche, die Sichtweise deines Gegenübers zu verstehen.

Ein Paar, dass sich streitet

Betrachten wir ein Beispiel für verbales Aikido: Jemand startet einen verbalen Angriff mit den Worten: „Deine Arbeitsleistung ist sehr schlecht und trotzdem behandeln die Chefs dich besser als mich.“  Nach den Prinzipien des verbalen Aikido wäre eine passende Antwort: „Es ist sehr frustrierend, gut zu arbeiten und zu fühlen, dass man uns nicht genug Anerkennung zollt. Ich verstehe deine Wut sehr gut.“

In diesem Beispiel wird bewusst vermieden, über die Person, von der der Angriff ausging, zu urteilen. Ihr Gegenüber reagiert vielmehr, indem er sich in die Position des anderen hineinversetzt. Dies lässt den Konflikt in anderem Licht erscheinen. Hinter einem verbalen Angriff steckt fast immer eine Person, die leidet. Manchmal stellt die Aggression, auch wenn sie grundsätzlich eine kontraproduktive Form der Kommunikation ist, nur einen verzweifelten Versuch dar, um um Hilfe zu bitten.

Techniken des verbalen Aikidos

Verbales Aikido kennt spezifische Techniken, um einem Angriff zu begegnen. Diese sind Mechanismen, die sich im Umgang mit solchen Situationen bewährt haben. Sie sind in verschiedenen Kampfsportarten inspiriert.

Die wichtigsten Techniken sind folgende:

  • Nachgeben und verzichten. Diese Methode sollen wir anwenden, wenn der Angriff uns nicht wirklich gefährdet und wiederholt auftritt. Die Arbeit wird in unserem Inneren erledigt und besteht darin, zu verhindern, dass uns der verbale Angriff Schaden zufügt.
  • Nachgeben und in der Ausgangsposition bleiben. Diese Technik beinhaltet die Erkenntnis, dass in der Position des anderen auch ein Fünkchen Wahrheit stecken könne, aber der eigene Standpunkt behalten und bekannt gemacht werden muss. Sie eignet sich für einen geistigen oder intellektuellen Streit.
  • Schmeicheln. Man kann diese Technik verwenden, wenn die Meinungsverschiedenheit in dem Wunsch des anderen begründet ist, überlegen zu sein. Ein Kompliment oder eine Schmeichelei deaktiviert dessen Aggressivität, da sie das Verlangen des Aggressors befriedigt.
  • Antworte mit einer Entgiftung. Dies bedeutet, auf Aggressionen mit einem Fragezeichen zu reagieren. Diese Art der Reaktion hat zwei bedeutende Vorteile: Auf der einen Seite erlaubt diese Technik dem anderen, die Angemessenheit seines Angriffs zu bewerten. Auf der anderen Seite gibt sie uns einen kleinen Spielraum, um uns zu beruhigen und nicht gewaltsam zu reagieren. Sie ist besonders gut geeignet, wenn schwere persönliche Vergehen vorliegen.
  • Objektive Überprüfung. Diese Technik besteht darin, den anderen merken zu lassen, dass wir sein Unbehagen gegenüber uns bemerken. Gleichzeitig bringen wir jedoch zum Ausdruck, dass wir den Konflikt mittels einer gesunden Kommunikation lösen wollen. Sie entspricht sozusagen der Formel: „Ich merke, dass du dich mit meiner Idee nicht wohlfühlst, aber ich würde dir gern erklären, warum ich so denke.“
  • Konfrontation. Die Konfrontation ist eine Methode, um mangelndem Respekt oder übermäßiger verbaler Aggression Einhalt zu gebieten. Man kann beispielsweise so reagieren: „Ich habe vielleicht einen Fehler gemacht, aber du hast kein Recht, mich so zu behandeln, deshalb bitte ich um eine Entschuldigung.“
  • Mäßige deinen Ton. In diesem Fall ist es das Ziel, dem anderen bewusst zu machen, dass eine Beleidigung vorliegt, auch wenn er es nicht zugeben will. Es ist gleichbedeutend mit: „Wenn du weiterhin in diesen Worten oder in diesem Ton mit mir sprichst, werde ich diese Unterhaltung beenden.“
Diskutierendes Paar

Schließlich ist das Ziel des verbalen Aikidos ein intelligentes Konfliktmanagement. Ohne Energie für unnötige Dinge zu verschwenden können so Probleme gelöst werden. Idealerweise sollten wir lernen, zuerst bis zehn zu zählen, nicht impulsiv zu reagieren und dann einige dieser effektiven Techniken anzuwenden.