Ursprünge der pädagogischen Psychologie

· 21. April 2019

Aristoteles sagte angeblich: „Die Wurzeln der Erziehung sind bitter, aber ihre Frucht ist süß.“  Nun, seit Aristoteles haben sich viele Dinge in unserer Gesellschaft geändert, und trotzdem können wir sagen, dass Aristoteles Aussage auch heute noch gültig sei.

Die pädagogische Psychologie entwickelte sich im Laufe der Jahre als eine Kombination von Pädagogik und Psychologie. Denn vor einigen Jahren kam vermehrt Interesse auf, die psychologischen Grundlagen für unsere Bildungsarbeit zu definieren. Ohne diese wissenschaftlich fundierten Grundlagen wäre es unmöglich, psychologische Prinzipien auf die Bildung anzuwenden.

Ursprünge der pädagogischen Psychologie

Wir können nicht behaupten, dass es pädagogische Psychologie in ihrer jetzigen Form schon in der Antike gegeben habe. Aber griechische Philosophen wie Aristoteles und Platon entwickelten einen kognitivistischen Ansatz, um so das menschliche Verhalten besser zu verstehen.

Statue von Aristoteles

Tatsächlich war Aristoteles der Ansicht, dass die Regierung für die Bildung ihrer Bürger verantwortlich sein sollte. Platon betonte weiterhin die Bedeutung von Tugend und Ethik. Daher können wir diese beiden Ansätze in der antiken Philosophie als die Ursprünge der pädagogischen Psychologie sehen.

Einige Jahrhunderte später beschäftigte sich der Philosoph und Theologe Thomas von Aquin erneut mit der Theorie des menschlichen Lernens. Er verstand das Lernen als einen Prozess des allmählichen Erwerbs von Intellekt und Wissen.

Renaissance und Humanismus

In der Renaissance entstand die Idee des erfahrungsbasierten Lernens. Autoren wie Juan Luis Vives, der als der Vater der modernen Psychologie gilt, prägten die Diskussion. Vives schrieb über Ideen wie Motivation, Lernen und Unterrichtstempo.

Spätere Autoren wie Juan Huarte de San Juan beschäftigten sich mit Theorien der Differenzialpsychologie, die die individuellen Eigenschaften des Menschen berücksichtigten. Aus diesem Grund argumentierte de San Juan in seiner Studie zur Erziehungsberatung für die Existenz unterschiedlicher Fähigkeiten und Temperamente beim Menschen. 

Während dieser geschichtlichen Epoche trennten sich auch die Wege der Metaphysik und Psychologie. Dies war ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte der pädagogischen Psychologie.

Eine neue Wissenschaft

Als der Philosoph René Descartes den frühneuzeitlichen Rationalismus prägte, bewegte sich das Rad der Geschichte der Bildungspsychologie weiter vorwärts. In diesem Zusammenhang ist auch Johann Amos Comenius zu nennen, der argumentierte, dass es vier grundlegende Bildungsmerkmale gebe. Laut seiner Theorie basieren diese auf den Naturgesetzen, der zyklischen Bildungsordnung, der induktiven Methode und den aktiven und pragmatischen Unterrichtsmethoden.

René Descartes prägte den modernen Rationalismus.

Spätere Philosophen wie John Locke und David Hume versuchten, den Wert der Erfahrung wieder stark zu machen, der vorübergehend in den Hintergrund gerückt war. Das heißt, dass Locke und Hume davon ausgingen, dass alles Wissen aus der Erfahrung stamme. Aus dieser Perspektive müsse Erziehung zu einer Disziplin führen, die den Geist entwickele.

Andere, wie Jean-Jacques Rousseau, führten naturalistische Ansätze in die Pädagogik ein. Diese zielten darauf ab, den Menschen dabei zu helfen, seine reinste Form zu erreichen. Daher sollte der Zögling sich auf natürliche Weise bilden.

Wissenschaftlich fundierte Psychologie

In der Moderne prägten vor allen Dingen Autoren wie Johann Friedrich Herbart die pädagogische Psychologie. Dieser Pädagoge war davon überzeugt, dass Lehrer ihre Bildungsziele kennen müssen, um gute Lehrer sein zu können. Es folgte Johann Heinrich Pestalozzi, der den Naturalismus propagierte und anmerkte, dass Schüler Gesellschaften brauchen, um sich zu entwickeln. Dies war ein weiterer Meilenstein in der pädagogischen Psychologie.

Später trat John Dewey auf die wissenschaftliche Bühne, der das aktive Lernen für notwendig hielt. Aus diesem Grund ergänzte er die Bildung um drei wichtige Aspekte: die Einstellung gegenüber dem Kind, das Kind als zentrale Achse des Bildungsprozesses und die Bedeutung des Unterrichtsinhalts.

„Bildung ist keine Vorbereitung auf das Leben; Bildung ist das Leben selbst.“

John Dewey

Moderne pädagogische Psychologie

In diesem Abschnitt sprechen wir über moderne Pädagogen. Diese brachten die pädagogische Psychologie im letzten Jahrhundert voran. Alles begann am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts mit Autoren wie Francis Galton, Granville Stanley Hall, Alfred Binet, William James und James McKeen Cattell. Später kamen weitere Spezialisten wie Edward Lee Thorndike hinzu, die über Lernen und Wissenstransfer schrieben.

Danach kam John B. Watsons Behaviorismus und die Psychoanalyse. Diese Theorien besagten, dass unser Verhalten von bestimmten Elementen beeinflusst werde, die aber außerhalb unseres Gewissens liegen.

Außerdem gab es noch Psychologen wie Burrhus F. Skinner und seine Theorie der operanten Verstärkung. Weiterhin sind Jean Piaget, Frank Johnson Goodnow und Jérôme Seymour Bruner zu nennen. Auch Humanisten wie Abraham Maslow, Carl Rogers und Gordon Willard Allport hinterließen ihre Spuren in der pädagogischen Psychologie.

Jean Piaget, der die pädagogische Psychologie prägte

Hier endet auch schon unser kurzer historische Abriss über die Ursprünge der pädagogischen Psychologie. Zusammengefasst heißt das, dass wir versucht haben, die wichtigsten Namen und Strömungen in der pädagogischen Psychologie zu skizzieren. Wir versuchten, zu erklären, warum wir lernen, wie wir es tun. Schau dir doch eines der zahlreichen Werke der genannten Autoren an, wenn du dich näher mit dem Thema beschäftigen willst!

„Die einzige Person, die gebildet ist, ist diejenige, die gelernt hat, zu lernen und sich zu verändern.“

Carl Rogers