Untreue – wieso Partner fremdgehen

18. Juli 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Auch wenn nicht klar definiert ist, wo Untreue eigentlich beginnt, können wir im Allgemeinen sagen, dass sie den Bruch eines exklusiven Paktes der Liebe und der sexuellen Verbundenheit darstellt, während dessen einer der beiden Partner eine Beziehung zu einer dritten Person eingeht. Wenn dieser Vertrag, der mehr oder weniger klar definiert wurde, auf gebrochen wird, erschüttert das das Vertrauen innerhalb der Beziehung und jemand wird verletzt.

In der Geschichte war das aus sozialer Sicht nicht immer verwerflich und es gab sogar Zeitalter, in denen man, vor allem im Kreise der Männer, zur Untreue beglückwünscht wurde. Das ist sogar auf gewisse Weise nachvollziehbar, wenn wir bedenken, dass Ehen damals ohne Liebe und als Pakt geschlossen wurden, die mehr als Arbeitsplatz denn als eine Bindung der Liebe verstanden wurden.

In den westlichen Ländern gibt es Nutzehen jedoch nicht mehr und der Betrug des Partners wird in der Regel als etwas Negatives betrachtet.

Woher kommt die Untreue?

Unter vielen Faktoren gibt es besonders einen, der die Treue begünstigt und antreibt, und das ist die Liebe: Wenn wir verliebt sind, ist es fast unmöglich, den Partner zu betrügen, weil die Gefühle dem anderen gegenüber so stark sind und man nur Augen für die bessere Hälfte hat.

Auch Werte wie Vertrauen und der Umgang mit Sehnsüchten sind zentrale Punkte in einer Beziehung. Man möchte nicht, dass der geliebten Person etwas passiert, was wir uns auch nicht für uns selbst wünschten. Weitere Faktoren sind der Einfluss des sozialen Umfelds in Bezug darauf, dass jemand seinem Partner treu verbunden bleibt. Vorstellungen, die innerhalb der eigenen Familie gepflegt werden, sozialer Druck oder religiöse Überzeugungen können sehr entscheidend dazu beitragen, ob jemand treu bleibt oder nicht.

Schuldgefühle können ebenfalls das Konzept der Treue unterstützen, und sie entstehen aufgrund der Angst davor, die Gefühle des Partners durch einen Betrug verletzen zu können.

Doch der gesündeste Grund für Treue bleibt das gegenseitige Versprechen, das sich die Partner gegeben haben. Dieses wird nach dem Vergehen der ersten Verliebtheit noch viel wichtiger. Denn die Bestandteile des mit dem Partner geschlossenen Vertrages sind Liebe, Kollegialität und Respekt – die drei Grundpfeiler der Treue.

Wieso betrügt jemand seinen Partner?

Unter den Faktoren, die sehr häufig dazu führen, dass sich jemand dazu „entschließt“, untreu zu sein, sind die folgenden zu nennen:

  • Fehlende Liebe: Es handelt sich um Situationen, in denen die zuvor verspürte Liebe und die damit einhergehenden starken Gefühle verloren gegangen sind. „Ich mag meinen Partner noch sehr, aber ich liebe ihn nicht“, ist ein typischer Gedanke, der dazu veranlassen kann, sich auf die Suche nach einer anderen Person zu machen. Manche untreue Menschen denken dann, dass sie sich selbst treu blieben und einfach nur auf ihre Gefühle hörten, obwohl sie in Wahrheit ihren Partner betrügen.
  • Langeweile und Routine: Manche fühlen innerhalb einer Partnerschaft, dass der Partner kein wirkliches Verlangen mehr nach ihnen hat, weshalb sie dann außerhalb der Liebesbeziehung nach Bestätigung suchen. Das passiert häufiger bei Personen, die ständig vom Partner begehrt werden wollen und die nicht bekommen, was sie wollen oder nicht selbst die Initiative ergreifen, um das Verlangen, das sie in ihrer Beziehung spüren wollen, zu erreichen.
  • Sucht nach Bestätigung: Menschen, die narzisstisch veranlagt sind, neigen dazu, ständig neue Menschen verführen zu wollen, was ihr Hauptgrund für einen Seitensprung sein kann. Jede Eroberung steigert das Selbstwertgefühl des Narzissten. Sich attraktiv zu fühlen und die Macht darüber zu verspüren, andere anzuziehen, gibt ihm eine gewisse Bestätigung, auch wenn er vielleicht gar nicht vorhat, sich von seinem Partner zu trennen.

  • Klischees und Irrtümer: So mancher Irrglaube, wie „nur dieses eine Mal“, „das muss mein Partner nicht erfahren“, „diese Möglichkeit möchte ich mir nicht entgehen lassen“, „das macht doch jeder“, „ich kann nicht treu sein“, „wir Menschen sind nun mal so“, „es ist doch nur Sex“ soll auf irgendeine Weise einen Betrug rechtfertigen.
  • Wertvorstellungen: Ein Mensch pflegt unter Umständen die Vorstellung, dass Untreue nichts Verwerfliches oder Negatives sei.
  • Kommunikationsprobleme: Das ist der Fall, wenn es innerhalb der Beziehung Schwierigkeiten gibt, die unter den Teppich gekehrt anstatt gelöst werden. Das kann zu Groll und der Anhäufung weiterer negativer Gefühle in der Partnerschaft führen, die ein stetig kleiner werdenderes Interesse nach sich ziehen.
  • Das Gefühl von Einsamkeit: Sich in einer Beziehung einsam zu fühlen, ist ein besonders schwieriges Problem. Wenn sich einer der beiden Partner aufgrund einer Beziehung ohne Nähe und Liebe allein gelassen fühlt, kann das damit enden, dass er sich von einer dritten Person Zuneigung holt.
  • Fehlende sexuelle Befriedigung: Wenn einer von beiden auf sexueller Ebene unbefriedigt bleibt, kann das die Versuchung begünstigen, sich auf die Suche nach einem anderen Bettgenossen zu machen, der besser zu einem passt und Befriedigung verspricht.

  • Fehlende Zuneigung: Wenn weder Zuneigung noch Anerkennung in einer Partnerschaft gegeben sind oder der Partner nicht wertgeschätzt wird, fühlt er sich nicht länger erwünscht. Aber er sieht sehr wohl die Möglichkeit, bei jemand anderem die fehlende Bestätigung zu erhalten.
  • Eine zu hohe Erwartungshaltung an die Beziehung: Unrealistische, zu hohe Erwartungen an den Partner und die Partnerschaft können große Enttäuschungen nach sich ziehen, die einen Keil zwischen beide treiben. Folglich sucht einer der Partner den idealen Gegenpart, der all das hat, was die jetzige bessere Hälfte eben nicht besitzt.
  • Traumatische Erfahrungen: Wenn es zwischen den Partnern Probleme damit gibt, sich gegenseitig zu unterstützen und stressige Situationen anzugehen, die Kommunikation untereinander nicht mehr stimmt und Zuneigung fehlt, so können sie sich auseinanderleben und Unterstützung außerhalb der Partnerschaft suchen.
  • Sozialer Druck: Auf sozialer Ebene unter Druck gesetzt zu werden, kann das Risiko erhöhen, untreu zu werden. Unsere Gesellschaft bewirbt Seitensprünge geradezu, wie beispielsweise durch die Darstellung eines männlichen Prototyps, der aufgrund seiner vielen Liebes- oder Sexualpartner attraktiver ist.
  • Neugierde: Sich auf die Suche nach etwas Neuem zu begeben und der Neugierde nachzugehen, alles zu erleben, kann zur Folge haben, dass sich ein Mensch dazu entschließt, seinen Partner zu betrügen. Unterdrückten oder sehr schüchternen Personen erscheint es oft leichter, etwas Unbekanntes auszutesten, als den Partner darum zu bitten, sich zu ändern oder zusammen etwas anderes auszuprobieren.
  • Auf der Suche nach Abenteuern: Das Bedürfnis, wieder Schmetterlinge im Bauch zu haben, kommt sehr häufig vor, besonders bei Personen, die ein sehr intensives und sich stetig änderndes Leben führen.

Aber es ist noch nicht alles verloren! Auch wenn einige dieser Merkmale auf deinen Partner zutreffen oder du sie bei ihm entdecken kannst, ist es möglich, an ihnen zu arbeiten. Hierfür bieten sich zum Beispiel eine Therapie oder alternative Lebensweisen an, um eine gesündere und befriedigendere Beziehung zu schaffen und diese aufrechtzuerhalten.

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