Unterdrückte Wut: Die Emotion, die unsere Persönlichkeit verändert

12. Oktober 2019
Unterdrückte Wut resultiert oft aus Enttäuschungen, unverarbeiteten Traumata und erlebten Ungerechtigkeiten. Erfahre hier mehr darüber!

Unterdrückte Wut, dieses zornige Gefühl, das wir empfinden, aber nicht ausdrücken, kann unsere Persönlichkeit verändern. All die Enttäuschungen, die wir erlebt haben, unsere Misserfolge, das Leid, das wir erfahren haben, unsere verlorenen Träume und all unsere Erfahrungen hinterlassen bleibende Spuren in uns.

Dabei bemerken wir oft nicht, dass diese Erlebnisse sich häufig in Wut und Zorn verwandeln. Wenn wir uns nicht angemessen damit auseinandersetzen und diese Themen nicht richtig aufarbeiten, dann werden sie sich wie eine schwere Last auf unsere Schultern legen.

Nicht viele Menschen wissen, wie Wut genau entsteht und was dieses Gefühl in uns bewirkt. Häufig verbinden wir damit einen Gefühlsausbruch, der unsere dunkle Seite zum Vorschein bringt. Wir sagen oder tun Dinge, die wir gar nicht so beabsichtigen und die wir später zutiefst bedauern. Allerdings kommt es auch sehr oft vor, dass wir diese Wut gar nicht zulassen und sie stattdessen unterdrücken und ignorieren.

Außerdem gibt es bei diesem Gefühl auch einen quantitativen Aspekt: Je mehr Wut sich in uns anstaut, desto größeres psychisches Unbehagen bereitet sie uns. Dabei drückt sich große Wut nicht immer in einem verzerrten Gesicht aus oder auch nicht darin, dass wir andere Menschen körperlich angreifen, sie anschreien oder uns in anderer unangemessener Weise verhalten. Durch unterdrückte Wut fühlen wir uns oftmals ängstlich, müde, schlecht gelaunt, verzweifelt und in vielen Fällen kann sie auch zu schweren Depressionen führen.

unterdrückte Wut - Mann

Unterdrückte Wut: das verborgene Gefühl, das wir nicht genügend kontrollieren

Obwohl du das vielleicht sehr erstaunlich finden magst, gibt es Menschen, die während ihres gesamten Lebens unterdrückte Wut in sich tragen. Sie kann durch Misshandlungen oder durch das Leid, das Verlassenwerden verursacht, ausgelöst werden.

Wut ist nichts anderes als die Koexistenz verschiedener Gefühle. Sie führt zu Traurigkeit, dem Gefühl, ungerecht behandelt zu werden und häufig auch zu großen Ängsten; der Angst davor, dass sich bestimmte Situationen wiederholen könnten oder zu einer irrationalen Angst, erneut verletzlich zu sein. Alle diese Emotionen sind Teil der Wut. Sie ist ein formloses und anhaltendes Gefühl des Unbehagens, das alles andere überschattet und vernebelt.

Zorn, Unbehagen, Reizbarkeit, Aggressivität, Stress, Kontrollverlust… All diese Gefühle verbinden wir mit dem Begriff Wut. Dabei sind diese Assoziationen nicht falsch. Allerdings sollten wir uns darüber bewusst sein, dass nicht alle Menschen auf diese Weise auf das Gefühl der Wut reagieren.

Dr. Thomas Denson von der Universität Michigan erklärt in einer Studie, dass wir Wut auf sehr unterschiedliche Weise erfahren können. Während manche Menschen dazu neigen, diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen, entscheiden sich andere dafür, darüber zu schweigen und es stattdessen zu unterdrücken und zu verbergen. Wenn unterdrückte Wut über längere Zeit anhält, dann kann dies die Persönlichkeit eines Menschen nachhaltig verändern.

“In Wut zu verharren ist wie der Griff nach heißer Kohle, um sie nach jemandem zu werfen; du wirst dich dabei nur selber verbrennen.“

-Buddha-

Was charakterisiert Menschen, die unterdrückte Wut in sich haben?

Das Gefühl emotionaler Niederlagen. Wenn jemand, der uns sehr viel bedeutet, uns betrogen oder verraten hat. Wenn wir ein wichtiges Ziel nicht erreicht haben. All diese Ereignisse sind Beispiele dafür, warum manche Menschen unterdrückte Wut in sich tragen.

Bei diesen Menschen manifestieren sich oftmals nachfolgende Verhaltensweisen und Symptome:

  • Misstrauen und ausgeprägte Probleme damit, Menschen in ihrem Umfeld Vertrauen zu schenken
  • Sarkastische, zynische Verhaltensweisen und leichtfertige, unkontrollierte Reaktionen
  • Anhaltende Stimmungsschwankungen
  • Die Neigung, Dinge vor sich herzuschieben. Diesen Menschen fällt es schwer, sich für etwas zu engagieren und ihre Aufgaben zu erfüllen.
  • Reizbarkeit
  • Schwierigkeiten damit, schöne Momente zu genießen
  • Schlaflosigkeit, Albträume und Durchschlafstörungen
  • Körperliche und mentale Erschöpfung
unterdrückte Wut - Frau

Wie können wir mit unterdrückter Wut umgehen?

Viele Bücher und Artikel, die das Thema Wutmanagement behandeln, vermitteln einen Ansatz, der oftmals nicht umfassend und vollständig ist. Letztendlich gibt es nur sehr wenig Literatur, die auch auf unterdrückte Wut und die negativen Konsequenzen eingeht.

Regelmäßige Entspannungsübungen oder die Suche nach Ausdrucksformen für die Wut sind keine ausreichenden Maßnahmen, um diese Emotion wirklich intensiv zu bearbeiten. Dennoch sind diese Techniken natürlich hilfreich. Allerdings können wir mit ihnen die Probleme, die sich durch unterdrückte Wut ergeben, nicht behandeln und lösen.

Stattdessen solltest du folgende Ansätze verfolgen, wenn du deine unterdrückte Wut wirklich beseitigen und auflösen willst.

Verwundbarkeit und Verletzlichkeit

Wenn du deine unterdrückte Wut bearbeiten oder auflösen willst, dann ist es erforderlich, dass du auch die Ursache dieser Emotion bearbeitest. Oftmals liegt sie darin, dass du dich verwundbar und verletzlich fühlst. Wut entsteht, wenn wir uns am Boden zerstört, betrogen, ungerecht behandelt oder frustriert fühlen oder wütend auf etwas oder jemanden sind.

Selbstachtung und Selbstwertgefühl

Außerdem ist es wichtig, dass du an deiner Selbstachtung und deinem Selbstwertgefühl arbeitest. In manchen Fällen ist es nicht möglich, alle Probleme und Schwierigkeiten zu lösen, die diese unterdrückte Wut in dir verursacht haben. Daher ist es sehr wichtig, dass du an dir selber arbeitest, um deinen eigenen Wert und dein ganzes Potenzial zu erkennen und annehmen zu können. Dadurch wird dich deine unterdrückte Wut nicht so stark beeinträchtigen und negativ beeinflussen.

Hilfreiche und nützliche Gedanken

Unterdrückte Wut veranlasst uns sehr oft zum Grübeln. Unser Geist fokussiert sich immer auf die Dinge, die uns Leid und Enttäuschung verursachen und lässt uns sehr häufig an vergangene Erfahrungen und Ereignisse denken. Dadurch wird unser Urteilsvermögen getrübt, was wiederum zu großer psychischer Erschöpfung führen kann.

Daher ist es sehr wichtig, dass du darauf achtest, stets einen gesunden inneren Dialog mit dir zu führen. So wirst du dich dann auch von den Dingen befreien können, die dich verletzen und belasten.

Frau in Wolken

Unterdrückte Wut heilen

Wut ist wie ein Feuer, das unsere alltäglichen Gedanken nährt. Wir verstärken dies durch Unflexibilität, das Aufschieben von Aufgaben und auch durch eine Denkweise, die sehr stark an vergangenen Erfahrungen verhaftet ist. Wenn du deine unterdrückte Wut effektiv bewältigen und heilen willst, dann musst du dich von diesen Denkmustern befreien. Dadurch schaffst du dir die Möglichkeit, vorwärts zu blicken und dich weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus ist Entwicklung und Fortschritt nur möglich, wenn wir uns realistische Ziele setzen und konsequent an deren Erreichung arbeiten. Außerdem sollten wir nicht länger Angst davor haben, unsere Komfortzone zu verlassen und uns in neue Situationen zu wagen.

Auch Freundschaften mit Menschen, die Freude und Leichtigkeit in unser Leben bringen, können uns auf diesem Weg sehr hilfreich sein. Manchmal kann es auch erforderlich sein, alles bisherige hinter sich zu lassen und einen ganz neuen Anfang zu wagen. Dadurch können wir uns von dem befreien, was uns die Luft zum Atmen genommen hat.

“Nicht zum Ausdruck gebrachte Emotionen werden niemals sterben. Sie werden lebendig begraben und kommen zu einem späteren Zeitpunkt auf sehr unangenehme Weise wieder zum Vorschein.“

-Sigmund Freud-

  • Lerner, J. S., & Keltner, D. (2001). Fear, anger, and risk. Journal of Personality and Social Psychology81(1), 146–159. https://doi.org/10.1037/0022-3514.81.1.146