Umberto Eco: Biographie eines Autors und Philosophen

17. Juni 2019
Umberto Eco ist einer der interessantesten europäischen Denker des 20. Jahrhunderts. Er ist in vielen Bereichen bewandert, doch weltweit bekannt ist er durch seinen Roman "Der Name der Rose" geworden. Eco ist jedoch auch ein Pionier auf dem Gebiet der Semiotik und Kulturwissenschaft. Willst du mehr über ihn erfahren?

Umberto Eco war ein italienischer Schriftsteller, Literaturkritiker, Philosoph, Semiotiker und Universitätsprofessor. Bekannt ist er für seinen 1980 erschienenen Roman Il nome della rosa (Der Name der Rose). Es handelt sich um einen historischen Krimi, der Semiotik in der Fiktion mit Bibelwissenschaft, Mittelalterkunde und Literaturtheorie verbindet.

Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in der Region Piemont in Norditalien geboren. Sein Vater, Giulio, war von Beruf Buchhalter und diente den Großteil seines Lebens in drei Kriegen.

Als Kind verbrachte Umberto viele Stunden im Keller seines Großvaters. Dort begann er, Literatur aufzusaugen; er las die Sammlung des alten Mannes, die Jules Verne, Marco Polo und Charles Darwin umfasste. Unter Benito Mussolinis Diktatur gewann Umberto den ersten Preis bei einem Schreibwettbewerb für junge Faschisten.

Erste Erfolge

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Eco einer katholischen Jugendorganisation bei. Innerhalb kurzer Zeit wurde er zum nationalen Anführer. Er trat jedoch 1954 aus Protest gegen die konservative Politik von Papst Pius XII. zurück.

Aber Eco bewahrte seine starke Bindung zur Kirche, die sich auch in seiner Doktorarbeit über Thomas von Aquin widerspiegelte, mit der er 1956 an der Universität Turin promovierte.

Der Schriftsteller arbeitete als Kulturredakteur für das staatliche Radiotelevisione Italiana (RAI) und war auch Professor an der Universität Turin (1956-1964). Während seiner Arbeit bei RAI freundete sich Eco mit einer Gruppe von avantgardistischen Künstlern an.

Diese Gruppe war unter dem Namen Gruppo 63 bekannt und bestand aus Musikern, Malern und Schriftstellern, die einen grundlegenden Einfluss auf die literarische Karriere von Umberto Eco hatten.

Junger Umberto Eco

Umberto Eco: sein kulturelles Erbe

Als Semiotiker versuchte Umberto Eco, Kulturen durch ihre Zeichen und Symbole zu interpretieren. Er analysierte sowohl die Sprache als auch religiöse Symbole, Banner, Kleidung, Musikstücke und sogar Cartoons. Während seiner Lehrtätigkeit an der Universität von Burgund veröffentlichte er mehr als 20 Sachbücher zu diesen Themen.

Die Einzigartigkeit seines literarischen Schaffens besteht darin, dass es ihm gelungen ist, seine Romane mit vielen seiner akademischen Anliegen zu füllen. Eco fand einen Weg, seine akademischen Kenntnisse in seine Werke einzubauen.

Den Erfolg seines ersten Romans, Der Name der Rose, konnte Umberto Eco allerdings mit späteren Werken nicht wiederholen. Der Name der Rose wurde 1980 erstmals in Europa veröffentlicht und verkaufte sich mehr als 10 Millionen Mal in rund 30 Sprachen. 1986 gab es auch eine Filmadaption unter der Regie von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery in der Hauptrolle, die ebenfalls ein bemerkenswerter Erfolg war.

„Ich glaube, dass das, was wir werden, davon abhängt, was unsere Eltern uns in kleinen Momenten beibringen, wenn sie nicht versuchen, uns zu belehren. Wir sind aus kleinen Fragmenten der Weisheit gemacht.“

Umberto Eco

Sein ganzes Leben lang lehrte er Philosophie und später Semiotik an der Universität Bologna. In Italien, seiner Heimat, wurde er durch seine wöchentlichen Kolumnen über Kultur und Populärpolitik für L’Espresso, der wichtigsten Zeitschrift des Landes, bekannt.

Sein Beitrag zur Medienkultur ist immens und lässt sich durch Essays wie Fenomenologia di Mike Bongiorno (dt. ‚Mike Bongiornos Phänomenologie‘) nachvollziehen. Durch seinen Einfluss wurde Eco weiterhin anerkannt und erhielt mehr als 30 Ehrendoktorate von anerkannten und respektierten Institutionen wie der Indiana University oder der Rutgers University.

Der Name der Rose und andere literarische Werke

Wie bereits erwähnt, spielt sein berühmtester Roman, Der Name der Rose, in einem italienischen Kloster aus dem 14. Jahrhundert. Der gewählte Ort ist perfekt für die Handlung dieser Geschichte im Mittelalter. Denn wir können fast den Duft einer Kirche, eines heiligen Ortes, spüren…

In dieser heiligen Umgebung entsteht eine Tragödie. Mönche werden von ihren Glaubensgenossen ermordet, die darauf bestehen, eine verlorene philosophische Abhandlung von Aristoteles zu verstecken.

Mittels Mysterien und Fiktionen lässt Echo einen Raum für Diskussionen, indem er ganze Kapitel einschiebt, die der Diskussion über christliche Theologie und Ketzerei gewidmet sind. Diese Idee mag brillant erscheinen, aber gleichzeitig ist es unvermeidlich, an die Kontroverse zu denken, die sie hervorrufen hätte können.

Es ist sehr intelligent, ein Werk, das zur Unterhaltung gedacht ist, als Anlass zur Reflexion und Debatte zu gestalten. Trotz aller Schwierigkeiten gelang es Eco, mit diesem spannenden und geheimnisvollen Roman ein großes Publikum zu begeistern.

Wertekonflikte

In dieser Arbeit etabliert Eco mehrere parallel verlaufende philosophische Konflikte: absolute Wahrheit vs. individuelle Interpretation; stilisierte Kunst vs. natürliche Schönheit; Prädestination vs. freien Willen, und natürlich Spiritualität vs. Religion. Das heißt, eine Reihe grundlegender Dichotomien im Menschen, die zu einem ständigen Dialog zwischen der traditionellen Welt des mittelalterlichen Christentums und der Postmoderne führen. In diesem Dialog gelingt es Eco, die Grenzen jedes Einzelnen zu untersuchen.

„Es gibt nichts Besseres, als sich andere Welten vorzustellen, um zu vergessen, wie schmerzhaft die Welt ist, in der wir leben.“

Umberto Eco

Seine späteren Romane haben verschiedene Protagonisten mit historischen Wurzeln, wie z.B. ein hellseherischer Kreuzritter im Mittelalter, ein Schiffbrüchiger aus dem 17. Jahrhundert und ein Physiker aus dem 19. Jahrhundert.

Alle diese Romane führten auch dazu, dass die Leser große Mengen an semiotischen Reflexionen durch fesselnde Geschichten erfuhren. Eco hat in der literarischen Produktion immer an einem seltsamen Gleichgewicht zwischen Geschichte, Realität und Fantasie gearbeitet.

Umberto Eco

Umberto Eco: Vermächtnis des universellen Denkens

Im September 1962 heiratete er Renate Ramge, eine deutsche Kunstlehrerin, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Eco teilte seine Zeit zwischen einer Wohnung in Mailand und einem Ferienhaus bei Rimini.

Er besaß eine Bibliothek mit 30.000 Büchern in seiner Mailänder Residenz und eine Bibliothek mit 20.000 Büchern in Rimini. Eco starb in der Nacht zum 19. Februar 2016 im Alter von 84 Jahren in seiner Wohnung in Mailand an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

1988 gründete Eco an der Universität Bologna einen ungewöhnlichen Studiengang namens westliche Anthropologie. Dieses Programm war für die damalige Zeit enorm revolutionär, da es aus nicht-westlicher Perspektive (durch afrikanische und chinesische Wissenschaftler) betrachtet wurde.

Aus dieser Initiative entwickelte Eco in Zusammenarbeit mit dem französischen Anthropologen Alain Le Pichon ein internationales interkulturelles Netzwerk. Das Bologna-Programm führte zu einer Reihe von Konferenzen, die der Keim von The Unicorn and the Dragon sein sollten, einer Arbeit, in der Eco die Frage der Wissensbildung in China und Europa aufwirft.

Der Filter des Bekannten

Kurz gesagt, der Wissenschaftler wies auf die weit verbreitete Tendenz hin, Symbole, Ideen und Konzepte fremder Kulturen zu klassifizieren und an das eigene kulturelle Bezugssystem anzupassen.

Der bedeutendste von Eco zitierte Fall ist der von Marco Polo, der, als er auf seinen Reisen im Osten ein Nashorn sah, es sofort als Einhorn identifizierte. Marco Polo hatte das Tier nach dem westlichen Bild des Einhorns benannt: eine Kreatur mit einem Horn.

Diese Art von Anekdote spiegelt sich in mittelalterlichen Texten und in den ersten Reisebüchern wider. Selbst als Amerika entdeckt wurde, behaupteten viele Reisende, Meerjungfrauen gesehen zu haben, oder sprachen von exotischen und fantastischen Orten.

Auf diese Weise können wir sehen, dass Ecos Vorschlag eine Folge unserer Kultur ist. Wie Marco Polo versuchen wir, etwas Unbekanntes zu verstehen, indem wir es an den Filter des Bekannten anpassen.

Eco hatte einen Gedanken, der ihn zu einem Pionier bei der Interpretation der Welt gemäß unserer Kultur machte. Er gründete und entwickelte einen der wichtigsten Ansätze zur zeitgenössischen Semiotik, die allgemein als interpretative Semiotik bezeichnet wird.

  • Proni, G. (1987) Umberto Eco: An intellectual biography. Londres: De Gruyter Mouton.